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Web Log Teil 93 : 19.12.2008-

Freitag 19.12.2008: Gibt es eine Langzeitplanung bei der bemannten Raumfahrt?

Grade lese ich Michael Collins Buch über seine Flüge bei Gemini und Apollo durch. Er schreibt dabei etwas was ich schon öfters gehört habe: Das er es sinnvoller gefunden hätte erst den erdnahen Raum zu erkunden, mit einem wiederverwendbaren Raumschiff, dann einer Raumstation und erst dann zum Mond und später zum Mars

Unbestreitbar ist, dass technisch gesehen das der richtige Weg ist: Die Nutzlastmasse steigt in dieser Reihenfolge an und damit auch die Anforderungen an die Trägerraketen. Das Risiko steigt im selben Maße an. Doch diese Argumentation gilt nur teilweise. Der Mondlander hat z.B. gar nichts mit einem Space Shuttle oder einer Raumstation zu tun, er wäre in jedem Falle eine komplette Neuentwicklung gewesen. Um die Apollo Kapsel mit Servicemodul (und heute die Orion Kapsel) zu bauen braucht man auch keine Raumstation, dafür reichte Gemini als Vorläuferprogramm. Eine Raumstation wäre geeignet Erfahrungen im Weltraum zu sammeln die vielleicht nützlich für Mondmissionen sind (aber nicht zwingend, da diese maximal 14 tage dauern). Eher von Nutzen sind sie für eine lange Marsmission und die Erforschung von längerer Schwerelosigkeit auf dem Weg hin und zurück. Ein Space Shuttle wiederum ist weder für eine Mars noch Mondmission nötig, vielleicht wäre ein unbemannter wiederverwendbarer Schwelastträger nützlich, vor allem für eine Marsexpedition, aber auch nicht unbedingt zwingend erforderlich.

Hätte man wenigstens viel Geld gespart? Ja und Nein. Ja, weil natürlich Apollo basierend auf der Technologie der frühen sechziger Jahre, als selbst die Raketen noch neu waren und man gerade erst einmal das erste Raumschiff entworfen hatte viel teuer sein musste als heute, wo man auf Jahrzehnte Erfahrungen zurückgreifen kann. Der Großteil der Kosten für Apollo entfiel auf Entwicklungsarbeiten - Entwicklungsarbeiten für eine Trägerrakete, zuverlässiger als alles was es vorher gab, dabei 20 mal größer als jedes verfügbare Modell. Einen Mondlander der leicht sein musste und trotzdem sicher, eine Kapsel mit einem Lebenserhaltungssystem, dass 14 Tage ohne ausfall funktionieren musste. Es ist kein Geheimnis, dass die NASA mit dem Großteil des Geldes den Umbau von flugzeugfirmen zu Luft- und Raumfahrtkonzernen finanzierte. Man wechselte die Auftragnehmer für die Kapsel nach Mercury und Gemini um mehr Firmen zu haben die Know How hatten. Den Mondlander braute Grumman, die bis dahin gar nichts mit Raumfahrt zu tun hatten und die Stufen der Saturn wurden von der NASA entwickelt und von 3 Herstellern von Flugzeugen gebaut. So wurde Know-How transferiert und eine Industrie geschaffen.

Nein, weil Ares/Orion heute nur so billig sein kann, weil man Jahrzehnte lang in die Raumfahrt investiert hat und auf diesen Investitionen aufbauen kann. Der Startplatz in Cape Kennedy, der Crawler, die VAB - das alles sind Investitionen die Apollo machte und die für Ares wegfallen. Das gleiche gilt für Teststände (die Sowjetunion wollte diese Kosten sparen und es hat sich als Fehler erwiesen) und vor allem: Ares und Apollo basierend auf schon entwickeltem: Apollo musste diese Entwicklungen erst erbringen. Die Orion Kapsel ist zwar kein Nachbau der Apollo Kapsel, aber sie nutzt die Erfahrungen die man mit ihr gewonnen hat. Ohne diesen Vorläufer wäre sie sicher viel teurer. Noch mehr gilt dies für die Trägerraketen: Sie benutzen ja alle schon entwickelte Triebwerke oder ganze Stufen - Bei der Saturn V musste dies alles erst noch erst entwickelt werden.

Ares/Orion wird gerne als "Apollo by the Clones" bezeichnet. Es gibt aber einige Fortschritte. Einige technischer Art (wie Solarzellen für die Stromversorgung, Methan/LOX als Treibstoff um die Nutzlast zu maximieren) einige organisatorischer Art wie die Trennung zwischen unbemanntem Lastentransport und sicherem Mannschaftstransport (Die Idee hätte bei der Saturn V Entwicklung sicher einige Menge Geld gespart).

Das Grundproblem bei Apollo ist das Grundproblem der bemannten Raumfahrt: Die Projekte binden langfristig viel Geld. Das sind zwei Probleme auf einmal: Erstens: Sie sind teuer. Zweitens durch die Dauer (typische Zeitskalen 1 Jahrzehnt) ist das Risiko groß, das eine neue Regierung andere Prioritäten hat. Das wurde ja auch Apollo zum Verhängnis und ich denke die ISS hat heute dasselbe Problem. Apollo hatte noch ein spezifisches Problem und das hat Orion/Altair nicht: Es ging zuerst darum auf dem Mond zu landen. Erst als dieses Ziel in Reichweite war, Die Hardware also schon fertig entwickelt und teilweise fertig war, dachte man daraus wie man die wissenschaftliche Ausbeute maximieren konnte. Dann war es zu spät ein optimales wissenschaftliches Programm einzubinden und es beschränkte sich auf einfache Experimente die man mitführte oder die Erweiterung des Bewegungsradius der Astronauten.

Ich glaube das es anders nicht konsequenter gelaufen wäre. Viel früher als jetzt mit der VSE wäre man auch nicht auf dem Mond gelandet und der erste Flug zum Mars würde immer noch in den Sternen stehen. Warum? Weil man sobald man den Space Shuttle hat, er Geld kostet, das dann für ein neues Projekt fehlt. Anders als Apollo oder Gemini ist es nicht ein begrenztes Programm mit 10 oder 14 Flügen, sondern er kostet jedes Jahr Milliarden - ob er fliegt oder nicht. Das gleiche gilt für eine Raumstation. Sobald man sich auf diese Projekte einlässt ist man in einer Sackgasse: Man hat nicht das Geld ein neues zu beginnen und man will die alten Projekte nicht aufgeben, solange es nicht einen zwingen Grund dafür gibt.

Das Bild heute zeugt meinen Lieblings (extraterrestrischen) Himmelskörper im Sonnensystem: Triton.

Triton über Neptun

Schneller oder energiesparender zu Mars und was ist eine Hohmanntyp II Bahn?

Heute wieder mal ein Beitrag im Bereich Grundlagen. Und zwar für eine Marsmission. Während bei einer unbemannten Mission die Reisedauer keine rolle spielt, schließlich arbeiten selbst nicht ambitionierte Orbiter mindestens zwei Jahre lang (die meisten bisher gestarteten sogar viel länger. Derzeit haben Odyssey, Mars Express und der MRO schon über ein Jahrzehnt im Marsorbit auf dem Buckel). Für Landesonden ist die Reisedauer auch nicht so wichtig, die Energie beim Wiedereintritt wird schließlich durch den Hitzeschutzschild abgebaut und selbst im ungünstigen Fall ist die Ankunftsgeschwindigkeit kleiner als bei der Rückkehr von einem Erdorbit. Doch auch für sie ist die Reisedauer meist unwichtig. Anders sieht es bei einem bemannten Marsunternehmen aus.

Ein Marsunternehmen ist durch himmelsmechanische Gesetze festgelegt. Solange wir nicht Antriebe haben bei denen es egal ist, wie hoch die Geschwindigkeitsanforderungen ist, dauert ein Unternehmen in etwa 33-36 Monate, das ist die Zeitdauer zwischen zwei Positionen von Mars und Erde bei denen ein Start/Rückstart besonders günstig  (26 Monate) ist plus der Dauer für einen Hin/Rückflug, üblicherweise etwa 6-10 Monate. Typisch sind so etwa 33-34 Monate für ein Unternehmen. Etwa die Hälfte der Zeit ist man auf dem Mars. Diesen Anteil kann man vergrößern wenn man schneller zu Mars kommt. Der Vorteil: man hat mehr Zeit für die Forschung. Man hat auf dem Mars mehr Schutz vor kosmischer Strahlung die vor allem von der sonne stammt. Zumindest nachts schützt der gesamte Mars vor der Sonne. Tagsüber wird die dünne Atmosphäre nicht viel schützen, aber man könnte sich in den Boden eingraben oder zumindest Gestein auf das Dach eines Habitats schaufeln.

Nun gibt es einen einfachen Weg schneller zu Mars zu gelangen. Ich habe in der folge das mal berechnet:


Startbahnhöhe bei der Erde: C3-Geschwindigkeit von der Erde: Perihel: Aphel: Abstand des Ziels: Perihel
geschwindigkeit:
Aphel
geschwindigkeit:
Geschwindigkeit beim Ziel: Geschwindigkeit des Ziels: Geschwindigkeits
differenz:
Umlaufdauer Transferbahn: Flugdauer Hohmannbahn Typ I Flugdauer Hohmannbahn Typ II
186 km 11.400,0 m/s 149,60 Mill. km 225,71 Mill.km 225,00 Mill. km 32.670,4 m/s 21.653,5 m/s 21.739,5 m/s 24.446,4 m/s 2.864,5 m/s 1 J 148 d 2 h 1 m 35 s 237 d 12 h 13 m 49 s 275 d 13 h 47 m 45 s
186 km 11.600,0 m/s 149,60 Mill. km 252,38 Mill.km 225,00 Mill. km 33.380,9 m/s 19.786,8 m/s 22.793,3 m/s 24.446,4 m/s 5.660,8 m/s 1 J 203 d 17 h 25 m 40 s 165 d 17 h 20 m 46 s 1 J 38 d 4 m 53 s
186 km 11.800,0 m/s 149,60 Mill. km 278,63 Mill.km 225,00 Mill. km 33.982,0 m/s 18.245,3 m/s 23.664,9 m/s 24.446,4 m/s 7.280,2 m/s 1 J 260 d 8 h 6 m 13 s 143 d 15 h 32 m 35 s 1 J 116 d 16 h 33 m 37 s
186 km 12.000,0 m/s 149,60 Mill. km 305,46 Mill.km 225,00 Mill. km 34.515,6 m/s 16.904,3 m/s 24.424,9 m/s 24.446,4 m/s 7.036,1 m/s 1 J 320 d 11 m 15 s 130 d 9 h 26 m 48 s 1 J 189 d 14 h 44 m 26 s
186 km 12.200,0 m/s 149,60 Mill. km 333,48 Mill.km 225,00 Mill. km 35.002,5 m/s 15.702,2 m/s 25.108,2 m/s 24.446,4 m/s 1.406,7 m/s 2 J 19 d 5 h 56 m 16 s 121 d 2 h 13 m 28 s 1 J 263 d 3 h 42 m 47 s
186 km 12.400,0 m/s 149,60 Mill. km 363,21 Mill.km 225,00 Mill. km 35.454,7 m/s 14.603,3 m/s 25.734,8 m/s 24.446,4 m/s 3.553,2 m/s 2 J 89 d 11 h 56 s 114 d 25 m 3 s 1 J 340 d 10 h 35 m 52 s
186 km 12.600,0 m/s 149,60 Mill. km 395,12 Mill.km 225,00 Mill. km 35.879,9 m/s 13.584,8 m/s 26.317,6 m/s 24.446,4 m/s 7.275,3 m/s 2 J 167 d 3 h 18 m 13 s 108 d 8 h 34 m 20 s 2 J 58 d 18 h 43 m 52 s
186 km 12.800,0 m/s 149,60 Mill. km 429,74 Mill.km 225,00 Mill. km 36.283,5 m/s 12.630,9 m/s 26.865,3 m/s 24.446,4 m/s 10.437,7 m/s 2 J 254 d 7 m 7 s 103 d 16 h 3 m 44 s 2 J 150 d 8 h 3 m 22 s
186 km 13.000,0 m/s 149,60 Mill. km 467,64 Mill.km 225,00 Mill. km 36.669,3 m/s 11.730,6 m/s 27.384,0 m/s 24.446,4 m/s 12.470,8 m/s 2 J 352 d 3 h 16 m 6 s 99 d 16 h 28 m 56 s 2 J 252 d 10 h 47 m 9 s
186 km 13.200,0 m/s 149,60 Mill. km 509,52 Mill.km 225,00 Mill. km 37.040,1 m/s 10.875,3 m/s 27.878,6 m/s 24.446,4 m/s 13.069,0 m/s 3 J 99 d 2 h 40 m 12 s 96 d 5 h 41 m 32 s 3 J 2 d 20 h 58 m 39 s
186 km 13.400,0 m/s 149,60 Mill. km 556,21 Mill.km 225,00 Mill. km 37.398,0 m/s 10.058,7 m/s 28.352,5 m/s 24.446,4 m/s 13.631,3 m/s 3 J 228 d 5 h 8 m 35 s 93 d 4 h 52 m 17 s 3 J 135 d 16 m 17 s
186 km 13.600,0 m/s 149,60 Mill. km 608,76 Mill.km 225,00 Mill. km 37.744,9 m/s 9.275,6 m/s 28.808,5 m/s 24.446,4 m/s 14.163,5 m/s 4 J 13 d 17 h 9 m 2 s 90 d 12 h 1 m 8 s 3 J 288 d 5 h 7 m 53 s
186 km 13.800,0 m/s 149,60 Mill. km 668,52 Mill.km 225,00 Mill. km 38.082,2 m/s 8.522,0 m/s 29.248,9 m/s 24.446,4 m/s 14.670,2 m/s 4 J 191 d 6 h 39 m 35 s 88 d 1 h 39 m 58 s 4 J 103 d 4 h 59 m 36 s
186 km 14.000,0 m/s 149,60 Mill. km 737,22 Mill.km 225,00 Mill. km 38.410,9 m/s 7.794,5 m/s 29.675,6 m/s 24.446,4 m/s 15.155,0 m/s 5 J 38 d 14 h 2 m 32 s 85 d 20 h 42 m 24 s 4 J 317 d 17 h 20 m 7 s

Die Tabelle ist sehr umfangreich, doch es ändern sich nur wenige Spalten. Die Gelbe Spalte gibt die Startgeschwindigkeit relativ zur Erdoberfläche an. Die Grüne Spalte bei gegebenem Perihel das Aphel und die Türkise die Geschwindigkeit die man hat wenn man Mars (hier in 225 Mill.. km Entfernung angenommen) erreicht. Die Orange Spalte die Geschwindigkeit dort und die hellblaue Spalte die Reisedauer.

Schnell wird deutlich: man ist schneller unterwegs. Schon die Erhöhung der Geschwindigkeit von 11,4 auf 11,6 km/s, also um weniger als 2% reduziert die Reisedauer von 237 auf 165 Tage, also fast ein Drittel. Ist das nicht toll. So kommt man viel schneller zu Mars! Danach ist der Gewinn nicht mehr so groß und wird immer kleiner.

Es hat aber einen Presi, die Geschwindigkeit relativ zu Mars steigt an. Bei 11,4 km/s sind es 21,7 km/s. Bei 14 km/s dagegen 29,7 km/s, also auch fast 50% mehr. Vergleicht man die Geschwindigkeit mit dem Mars (Spalte rechts daneben) so fällt auf, das die diese sogar erreicht und überschritten ist. Bei 12 km/s ist die Ankunftsgeschwindigkeit z..B. 24.429 m/s, die vom Mars dagegen 24.465 m/s. Reichen dann weniger als 40 m/s um in eine Umlaufbahn einzuschwenken?

Schön wäre es, doch diese Geschwindigkeit ist die Gesamtgeschwindigkeit nach der Vis-Viva Gleichung. Sie sagt aber nichts über die Richtung aus. Dazu ein Beispiel aus der Praxis. Wenn man mit 100 km/h auf einen Bahnübergang zufährt und dort auch ein Zug mit 100 km/h kommt und (so ist das meistens bei Bahnübergängen), der Zug senkrecht zu einem Fährt, dann kann man nicht vom Auto in den Zug springen, weil die Relativgeschwindigkeit 0 ist (100-100=0) sondern es gibt einen bösen Zusammenstoß. Das gleiche liegt bei den Bahnen vor. Die Geschwindigkeit nach der vis-Viva Gleichung kann man nur in zwei Spezialfällen benutzen um die reale Differenz-Geschwindigkeit zu errechnen: Wenn die elliptische Transferbahn die Bahn des Mars genau berührt. Nur dann am Aphel, verläuft der Geschwindigkeitsvektor der Bahn parallel zu der des Marses. Das ist fast bei der ersten Bahn gegeben, bei der das Aphel nur etwas weiter als der Mars ist (225,71 zu 225 Mill. km). Hier beträgt die Geschwindigkeitsdifferenz 2725 m/s und die reale Differenz 2879 m/s. Bei allen anderen Bahnen nimmt die Differenz rasch zu und bei 12 km/s sind es nicht 40 m/s sondern über 7 km/s! Zum Glück liegt selbst bei hyperbolischen Bahnen nicht der Fall vor den ich beim Bahnübergang geschildert habe, das die beiden Geschwindigkeitsvektoren also senkrecht aufeinander stehen, sondern sie sind nur schräg zueinander.

Durch den hyperbolischen Exzess wird das etwas gemildert, das bedeutet man muss nicht 2,8 oder gar 7 km/s abbauen sondern bedeutend weniger. In der ersten Tabelle findet man die real abzubauende Geschwindigkeit für eine 200 x 80.000 km Bahn: (diese Bahn hat eine Umlaufdauer von 3 Jahren 4 Stunden. eine viel ausgedehntere Bahn wird instabil weil die Sonne dann stört und zudem steigt die Umlaufdauer, bis man die Bahn wieder korrigieren kann an. Man spart aber kaum noch Geschwindigkeit ein.

Annäherungsgeschwindigkeit Maximale Geschwindigkeit Abzubremsende Geschwindigkeit
2.800,0 m/s 5.626,8 m/s 848,1 m/s
3.300,0 m/s 5.891,6 m/s 1.112,9 m/s
3.800,0 m/s 6.185,5 m/s 1.406,8 m/s
4.300,0 m/s 6.504,7 m/s 1.726,0 m/s
4.800,0 m/s 6.845,5 m/s 2.066,8 m/s
5.300,0 m/s 7.204,9 m/s 2.426,2 m/s
5.800,0 m/s 7.580,3 m/s 2.801,6 m/s
6.300,0 m/s 7.969,4 m/s 3.190,7 m/s
6.800,0 m/s 8.370,2 m/s 3.591,5 m/s
7.300,0 m/s 8.781,3 m/s 4.002,6 m/s
7.800,0 m/s 9.201,1 m/s 4.422,4 m/s

Man sieht es ist nicht ganz so schlimm. Doch wenn man die Startgeschwindigkeit von 11,4 auf 11,6 km/s steigert und die Differenzgeschwindigkeit von 2,8 auf 5,6 km/s ansteigt, so bleiben immer noch 2,8 zu 0,85 km/s bei Mars übrig. Das ist also nicht so optimal. Es spielt keine Rolle wenn man landet. Aus einem Erdorbit heraus tritt man mit etwa 8 km/s ein. Damit man Mars mit dieser Geschwindigkeit erreicht darf man eine Ankunftsgeschwindigkeit von bis zu 6,3 km/s haben. Das entspricht immerhin einer Dauer von ungefähr 150 Tagen in der Transferbahn, man spart also drei Monate ein.

Die zweite Tabelle gibt dasselbe wieder, nur diesmal für eine 200 km hohe Kreisbahn:

Annäherungsgeschwindigkeit Maximale Geschwindigkeit Abzubremsende Geschwindigkeit
2.800,0 m/s 5.626,8 m/s 2.175,6 m/s
3.300,0 m/s 5.891,6 m/s 2.440,4 m/s
3.800,0 m/s 6.185,5 m/s 2.734,4 m/s
4.300,0 m/s 6.504,7 m/s 3.053,5 m/s
4.800,0 m/s 6.845,5 m/s 3.394,4 m/s
5.300,0 m/s 7.204,9 m/s 3.753,8 m/s
5.800,0 m/s 7.580,3 m/s 4.129,1 m/s
6.300,0 m/s 7.969,4 m/s 4.518,2 m/s
6.800,0 m/s 8.370,2 m/s 4.919,1 m/s
7.300,0 m/s 8.781,3 m/s 5.330,1 m/s
7.800,0 m/s 9.201,1 m/s 5.750,0 m/s

Nun wird es schon happig. 3 km/s entsprechen bei lagerfähigem Treibstoff schon einer Reduktion der Nutzlast um den Faktor 3 und das ist schon mit einer niedrigen Ankunftsgeschwindigkeit von 4,3 km/s erreicht.

Die Hohmann Typ 2 Bahnen

Es gibt aber auch noch einen längeren Weg, die Hohmannbahn Typ 2. Die Abbildung rechts zeigt eine elliptische Bahn die bis auf 270 Millionen km von der Sonne wegführt, also 21 Millionen km weiter als der Mars im Aphel. Sie schneidet die Marsbahn an zwei Punkten. Der erste, nahe der X-Achse ist weniger als 180 Grad von der Startposition entfernt und der zweite mehr als 180 Grad. Bei 180 Grad entspricht die Reisedauer bis zum Aphel genau der halbe Umlaufzeit, bei weniger als 180 Grad ist sie kürzer und bei mehr als 180 Tagen länger. Man sieht dies in der Tabelle oben. Der Unterschied ist klein wenn das Aphel nahe des Mars ist, aber sie wird immer größer.

Die kürzeren Bahnen sind die die wir bisher besprachen haben, die längeren sind die Hohmann Typ II Transferbahnen. Haben sie Vorteile?

Nu zumindest nicht von der Geschwindigkeit. Die hängt nur von der Distanz ab, aber nicht ob man sich von innen nach außen oder außen nach innen bewegt. Allerdings ist der Vektor gedreht. Der Winkel zu einer Kreisbahn ist aber derselbe, egal in welcher Richtung man sich nähert und bei einer Kreisbahn hat eine Typ II Bahn keine Vorteile.

Allerdings umrunden die Planeten die Sonne nicht auf einer Kreisbahn. Mars hat eine relativ exzentrische Bahn die zwischen 206 und 249 Millionen km von der Sonne entfernt verläuft. Er kann sich so beim ersten Schnittpunkt in einer anderen Entfernung befinden als beim zweiten und dann kann es durchaus sein, das man bei einer Typ II Bahn mit einer anderen Geschwindigkeit ankommt. Das ist aber nicht der springende Punkt denn man braucht auch länger, also könnte man direkt eine energetisch günstige Bahn nehmen wo man die Bahn des Mars nur berührt.

Das ist aber nur in Ausnahmefällen möglich. Alle Planeten haben Umlaufbahnen die zur Erdbahn geneigt sind. Sie schneiden diese an genau zwei Punkten. Die Bahn des Mars ist z.B. um 1,84 Grad geneigt. Mars steht daher in den meisten Fällen bei der Ankunft oberhalb oder unterhalb der Erdbahnebene und diese Differenz in der dritten Dimension muss man ausgleichen. entweder beim Start oder auf halber Strecke, was energetisch günstiger ist da eine Winkel Änderung abhängig von der aktuellen Geschwindigkeit mehr oder weniger Energie verbrauchen kann. Bei einer konkreten Marsopposition wird eine der beiden Ankunftspositionen eine geringere Winkel Änderungen erfordern. Das kann die Typ I Bahn sein, aber auch die Typ II Bahn und dann kann es sich durchaus lohnen einen oder zwei Monate länger zu fliegen um den Treibstoff für ein Mittkursmanöver gering zu halten.

Ein weiterer Grund kann auch die Logistik sein. Wenn ich zwei Sonden in einem Startfenster auf den weg bringe, so kann es nützlich sein beide Bahnen zu nutzen. Bei Viking lagen so die Starttermine schon um einen Monat auseinander, weil die beiden Bahnen auch nicht im selben Startfenster liegen. Das kann noch mehr sein. Exomars wurde z.B. von einer Typ II Bahn auf eine Typ I Bahn verschoben, was den Start um zwei Monate verschob. Da eine Typ I Bahn eine Reisedauer kürzer als die halbe Umlaufzeit hat und eine typ II Bahn eine Dauer größer als die halbe Umlaufdauer liegen die Ankunftstermine meist noch weiter auseinander. Viking 1 schwenkte am 19.6. in eine Umlaufbahn ein, Viking 2 erst am 7.8.  Die Tage um dieses Datum sind hektisch. es gibt letzte Kurskorrekturen, man muss nach dem Einschwenken die Bahn vermessen, eventuell nachkorrigieren und die Sonde im Orbit durchchecken. da ist es von Vorteil wenn man zwischen den Ankunftsterminen Wochen liegen. Bei Vorbeiflugsonden kann man sogar zwischen den Vorbeiflügen das Meßprogramm leicht anpassen. (Mariner 3/4 und  6/7) Ist eine der Sonden ein Orbiter, eine zweite eine Landesonde, so kann der Orbiter sich schon in der Umlaufbahn befinden und die Daten mit höherer Datenrate zur Erde übertragen oder den Abstieg verfolgen kann, was vielleicht wegen einer zu kleinen Sendeleistung nicht von der Erde aus möglich ist. So verfuhr man bei Mars Global Surveyor und Mars Climate Orbiter / M Mars Polar Lander.

Früher war alles besser ...

Derzeit läuft eine Welle von "Retrosendungen". Ich nenne so Sendungen, die sich mit einer Geschichte befassen, die erst einige Jahrzehnte zurücklegt, besonders beliebt sind die Achtziger. Anders als bei den üblichen Geschichtssendungen geht es auch nicht um Ereignisse, Kriege oder Personen, sondern um Zeitgeschichte, also vielen Ereignissen und dem Alltagsleben. Auf den heutigen Blog bin ich durch die zweiteilige ZDF-Sendung „Früher war alles besser“ über die 50er und 60er und 70er und 80er Jahre Gekommen.

Die Sendung erklärt vieles am Tatbestand, das früher (angeblich) alles besser war mit Psychologie. So erinnert uns Musik an Ereignisse. Wir verbinden mit ihr nicht nur Erinnerungen. Man kann durch Untersuchungen nachweisen, das, wenn wir Musik hören, die uns wichtig ist nicht nur das Hörzentrum aktiv ist, sondern auch andere Regionen die für ander Sinne wie Sehen oder Riechen. Wir „sehen“ das Ereignis nochmals vor unserem inneren Auge und riechen, was damals unsere Aufmerksamkeit fesselte wie z.B. Blumen oder ein Parfüm. Kurzum: Wenn wir uns an etwas positiv erinnern, dann „erleben“ wir das erneut. So wundert es nicht das in Experimenten Personen, die zuerst eine Musik hörten, die ihnen etwas bedeutet, mehr Geld spendeten, als eine Vergleichsgruppe die Musik hörte, die keine Bedeutung für sie hatte.

Die Sendung räumt auf mit einigen Vorurteilen. So das früher alles billiger war. Bei den meisten Dingen, die wir konsumieren, ist es so, dass sie im Laufe der Zeit billiger wurden. Es gibt einige Ausnahmen. So wurde Energie z.B. teurer. Das erlaubt es uns, sehr viel mehr Geld für „Luxus“ auszugeben. Als Luxus definiere ich mal alles, was man nicht zum Leben braucht. Dazu gehören Reisen, aber auch Elektronik-Schnickschnack. Bei den Reisen ist es offensichtlich. Nach dem Krieg ging man zuerst innerhalb von Deutschland in den Urlaub, dann nach Italien, Spanien und heute sind beliebte Reiseziele die USA, Karibik, Neuseeland, Malediven. Meine Nichte hat mit ihren 25 Jahren schon mehr von der Welt gesehen als meine Eltern in ihrem ganzen Leben.

So müssen wir auch Armut immer wieder neu definieren. Es wird heute als ein Einkommen definiert, das der Hälfte des Durchschnittseinkommens entspricht. Früher konnte man Arme sofort erkennen. Kinder trugen die abgetragenen und meist nicht passenden Klamotten der Geschwister oder hatten geflickte Nahrung. Sie konnten sich keine Süßigkeiten leisten oder die Familien kein Fleisch oder Kaffee. Heute drückt sich das eher darin aus das Sie kein aktuelles Smartphone haben oder nicht in den Urlaub fahren können. Wenn sich Armut in dem Aussehen niederschlägt, dann am ehesten, darin, dass sie nicht dem Markenfetischismus folgen können. Der trat gottseidank erst ein, als ich schon aus der Phase raus war, wo mir bei der Kleidung wichtig war, was andere darüber denken.

Nach der Sendung leben wir heute in der sichersten Welt des letzten Jahrhunderts. Es gäbe so wenige Konflikte und so wenige Tote durch Krieg wie niemals zuvor in den letzten 100 Jahren. Auch wenn gerade eine Mietpreisexplosion beschworen wird, so haben wir noch nie so viel Wohnraum pro Person zur Verfügung: 45 m², Anfang der Achtziger waren es noch 30 m² und in den Zwanzigern sogar nur 13 m². In fast allen Aspekten ist heute alles besser als früher. Die Kaufkraft ist höher, der Lebensstandard. Dinge die früher Luxusartikel waren, werden zum Gebrauchsgegenstand und Massenprodukt (Autos, Computer, Handys …). Wir arbeiten immer weniger und haben immer mehr Freizeit.

Das einzige was wirklich schlechter wurde: das leben wurde hektischer. Durch die Digitalisierung nutzen wir die Freizeit die wir mehr haben nicht, sondern setzen uns unter Stress indem wie dauernd nach Mails schauen, oder wie viele "Likes" wir haben.

Wie immer habe ich da eine andere Sicht auf die Dinge. Ich meine nicht das früher alles besser war. Nehmen wir mal die Achtziger. Die meisten (so auch ich) erinnern sich am besten an die Zeit, in der sie Teenager oder junge Erwachsene waren, wahrscheinlich da nach Psychologen unser Gehirn sich in dieser Zeit in einem „Umbau“ befindet prägen sich Erinnerungen besser ein. Einiges teile ich mit der Allgemeinheit. So höre ich bis heute gerne die Titel, die damals aktuell waren und meiner persönlichen Meinung hat nach 1990 die Qualität der Musik erst langsam, dann ziemlich stark abgenommen. Aus den letzten Jahren haben nur wenige Titel es auf meinen MP3-Player geschafft. Passend zur „Umbautheorie“ des Gehirns habe ich auch eine Vorliebe für die NDW, obwohl viele der Lieder einfach schlecht und / oder schwachsinnig sind. Und auch ich verbinde Lieder mit Ereignissen. „We will rock you“ lief im Bus bei der Reise nach Bozen in der achten Klasse als Schleife. Das vergesse ich nie. Doch damit hört es auch schon auf. Ich fand schon in den Achtzigern einen Großteil der Mode scheußlich. Weniger, die immer gerne in Sendungen aufgegriffenen Schulterpolstern, als vielmehr die Farben. Die waren entweder bei Sportbekleidung, wie dem damals aktuellen Aerobictrend, recht grell oder es waren Pastellfarben oder sehr auffällige Farben wie senfgelb in Mode. Zumindest, das Sportbekleidung grell sein muss, hat sich bis heute gehalten. Ich verstehe, nicht warum Laufschuhe neonpink sein müssen, sie sehen so eigentlich nur schieße aus. Wie man 100 Euro für einen Laufschuh ausgeben kann der so auch nur billig aussieht ist mir ein Rätsel. Das Zweite war der Uniformismus. Er drückte sich darin aus, das die Moden dazu führten das viele gleich aussahen oder fast jeder die gleiche Frisur hatte. So der Jeanslook und die VoKuHiLa-Frisur bei den Männern in den Achtzigern. In den Siebziegen waren es dann Parka und lange Haare.

Das zweite ist die Vorstellung, dass es früher wirklich besser war. Wenn ich an die Achtziger denke, dann an ein Jahrzehnt, in dem ich viele Ängste hatte. Vor dem Kalten Krieg, vor allem am Anfang, und zwar weniger wegen der Sowjetunion als vielmehr wegen der Aufrüstung und Konfrontationspolitik durch Reagan. Es gab Konflikte, wo ich nur den Kopf schüttelte. So die Invasion von Grenada als das drei Jahre vorher an die Macht gekommene Regime sich an Kuba anlehnte. Eine kleine Insel in der Karibik bedroht die USA? Wers glaubt ...Ein Jahr vorher gab es den Falklandkrieg. England schickte eine ganze Invasionsflotte um den halben Erdball nur wegen einiger Inseln am Rande der Antarktis, auf der mehr Schafe als Menschen lebten. Das war wohl ein letztes Aufzucken um sich als Weltmacht zu beweisen. 30 Jahre später tritt England aus der EU aus, und wenn das so weiter geht, sind sie in einigen Jahren der 51-ste Bundesstaat der USA – einer früheren Kolonie. Dazu kamen die vielen kleinen Konflikte. So der Abschuss der Korea Airlines KLA-007 1983. Reagan kündigte SDI an, das er als das Nonplusultra ansah, weil dies die Kernwaffen „entschärfte“. Dabei war genau dieses Gleichgewicht des Schreckens die Grundlage, das es keinen Krieg zwischen den beiden großen Blöcken gab. Zumindest wusste ich schon damals das es nicht durchführbar war. Tausende bis Zehntausende von Waffen im Weltall zu stationieren waren mit den Trägerraketen und dem Space Shuttle nicht zu transportieren. 10 Jahre später hat man es stillschweigend eingestellt.

Am meisten bewegte mich damals aber die Umweltzerstörung. Das Waldsterben ging durch die Medien. Wenn man linear weiterrechnete, dann müsste, Deutschland in einigen Jahren waldfrei sein. Das ein Trend sich abschwächen kann, zeigte sich zum Glück auch bei AIDS. Die Krankheit wurde Anfang der achtziger erst öffentlich bekannt und als dann die ersten Prominenten wie Rock Hudson starben, gab es eine fast panische Stimmung. Die Fallzahlen stiegen exponentiell an, es wurden nun plötzlich auch Heterosexuelle infiziert und Gauweiler setzte in Bayern eigene Gesetze gegen Aids-Kranke durch.

In dieser Zeit kam zum ersten Mal das Stichwort „Treibhauseffekt“ auf und mir war die Dimension sofort klar, weil ich mich damals schon für Astronomie interessierte und die Venus mit ihrem Treibhauseffekt kannte. Dazu kamen dann noch die Entdeckung des Ozonloches und die Explosion von Tschernobyl, nachdem es ja schon 1979 in Harrisburg fast einen GAU gegeben hatte. Das hinterließ in mir den Eindruck, dass wir Technik einsetzen, die wir nicht beherrschen oder wir nicht fähig sind, auch die Folgen unserer Technik zu kontrollieren. Den Eindruck habe ich bis heute behalten, doch das Gefühl, das der Weltuntergang bevorsteht, habe ich heute nicht mehr.

Wie viel besser sind wir doch heute da. Unsere Bundesregierung hat alle großen Probleme gelöst und kann sich nun kleinen Details widmen, wie z. B. gestern die Verschärfung von Gesetzen gegen Übergriffe gegen die Polizei oder die Maut. Überhaupt geht es heute viel schneller mit Gesetzen. Die Mietpreise steigen – eine Mietpreisbremse wird beschlossen. Es gibt einen Anschlag eines „Gefährders“ - neue Gesetze die „Gefährder“ als Straftat einführen und Fußfesselzwang, auch ohne Verbrechen begangen zu haben, werden erlassen. Irgendwie dauerte das alles in den Achtziger länger, wahrscheinlich, weil Kohl die weniger wichtigen Probleme einfach ausgesessen hat. In den USA gibt es ja heute schon Gesetze im Tagesrhythmus. Früher hat man nach 100 Tagen eine erste Bilanz einer neuen Regierung gezogen, nach Trump kann man das schon nach 14 Tagen.

In einem bewährt sich das Erinnern nur an positives voll: Das Jahrzehnt ende mit dem Untergang der DDR. Wenn ich heute daran zurückdenke, dann an Nachrichtenbilder von Menschen, die über die Deutsch-österreichische Grenze bei einem Festival stürme, den Sturm auf die Botschaft in Prag, in den Westen geschmuggelte unterbelichtete Bilder der Montagsdemo in Leipzig und den Mauerfall. Ich erinnere mich nicht an das, was danach kam: Massenarbeitslosigkeit, Verramschen der DDR durch die Treuhand und einem vor allem durch die Misswirtschaft der Bundesregierung beim Schaffen von „blühenden Landschaften“ enormen Schuldenberg. (Man hatte damit das Apollo-Programm rund 10-mal finanzieren können ...)

In den Achtzigern habe ich die Schule abgeschlossen und Chemie/Lebensmittelchemie studiert. Ich fand beides ziemlich anstrengend und habe mich enorm reingehängt. Ich habe dann noch im neuen Jahrtausend Softwaretechnik studiert, und obwohl ich - wie jeder andere - im Laufe der Zeit geistig abbaute, war das letzte Studium viel einfacher und ich habe ohne große Mühen einen guten Abschluss geschafft. Im Chemiestudium war ich lange Zeit maximal Mittelmaß und brauchte bei den Praktika regelmäßig viel länger als andere. Erst zum Schluss konnte ich wieder aufschließen. Trotzdem habe ich damals viel mehr gelernt als später.

Vor allem hat sich eines erleichtert: der Zugang zu Wissen. Früher musste man sich durch Bücher wühlen. Vieles konnte man gar nicht erst sich aneignen, weil es die Bücher nicht gab. Wenn es sie doch in der Bibliothek gab, musste man erst mal wissen in weichem Buch etwas zu finden war. Man musste sich buchstäblich durch Bücher wühlen und viele Seiten lesen, um etwas zu finden, was man für eine Recherche benötigte. Heute tippt man eine Suchanfrage in den Browser und kann innerhalb von Minuten einige Quellen überprüfen. Das Internet ist toll. Für mich, weil ich eigentlich nichts anderes mache als früher. Ich habe früher für mich Daten von Raketen und Raumsonden zusammengeschrieben und als ich ganz Jung war auch selbst ein Raumsondeprogramm überlegt. Heute mache ich das öffentlich, indem ich das als Webseite veröffentliche, bzw. arbeite an meinen eigenen Programmen um die Dinge zu berechnen. Für die Raumfahrt interessiere ich mich seit 1980, als ich zum Abschluss der Hauptschule von Stanek das „Planetenlexikon“ geschenkt bekam. Die Fotografien von Mars und Jupiter weckten mein Interesse an der Technik der Sonden, die diese erstellten. Ich kannte die ganzen Achtziger und Neunziger in meinem Bekanntenkreis niemand, der sich für dieses Thema interessiert hätte. Es gibt auch nicht viele, die sich für Raumfahrt interessieren, zumindest der technischen Seite. Bei schönen Bildern oder Filmen vor allem über bemannter Raumfahrt sieht es anders aus. Durch das Internet können sich so auch „Randgruppen“ finden und man kann mit gleichgesinnten diskutieren, die man so niemals kennengelernt hätte. Ohne das Internet würde ich wohl immer noch alles in Hefte schreiben.

Früher war auch deswegen nicht alles besser, weil ich ein Resümee mit der Sendung teilen kann: es geht mir heute materiell besser als damals. Als Student hatte ich 200 Mark im Monat für alle Ausgaben. Sicher, Wohnen und ein Großteil des Essens kosteten nichts, aber mit 200 Mark machte man keine großen Sprünge. 60-70 gingen alleine für den Verbundpass ab. Wenn Semesteranfang war, standen neue Bücher an und die kosteten alle zwischen 50 und 100 DM. Dann war meist schon am 15. das Geld zu Ende. Wenn ich was Größeres kaufen wollte, dann musste ich Monate, oder im Falle eines neuen Computers, Jahre drauf sparen. Heute bin ich materiell abgesichert, und wenn ich mir was leisten will, dann tue ich das einfach, meist ohne lange nachzudenken. Dabei habe ich gar nicht mal so viel im Leben gearbeitet und Unsummen verdient. Aber ich bin den bescheidenen Lebensstil von damals nicht losgeworden und habe, als ich verdient habe, den Großteil auf die hohe Kante gelegt. Wenn man es so sieht, so sind die gar nicht so tollen Achtziger dran schuld, warum es mir 30 Jahre später viel besser geht ...


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