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Web Log Teil 96 : 7.1.2009-12.1.2009

Mittwoch 7.1.2009: Der Ärger für die NASA geht weiter

Eigentlich ist es mir fast schon peinlich: Aber wieder einmal gibt es Ärger rund um den Problemkreis: Shuttle Ausmusterung / Zukunft der ISS. Wie schon hier berichtet, hat die NASA die Aufträge für die Versorgung der ISS von 2011-2016 an OSC und SpaceX vergeben. Die beiden Firmen haben schon 2007 und 2008 einen etwa 10 mal kleineren Auftrag bekommen, dafür dass sie demonstrieren dass die es überhaupt können (In Fachkreisen als nur wenig verdeckte Subvention bezeichnet).Wie schon bei diesen ersten beiden Runden, gingen etablierte Raumfahrtfirmen leer aus. Nun hat der unterlegene Bieter, PlanetSpace hat nun Protest eingereicht.

Der Artikel ist interessant. Ich zitiere einmal:

"The source selection document outlines Gerstenmaier's decision to go with Orbital Sciences even though its proposal received the lowest score of the three finalists and charged the highest price. The proposal from start-up PlanetSpace, Gerstenmaier said, relied too heavily on subcontractors Boeing Co. of Chicago, Denver-based Lockheed Martin Space Systems and Minneapolis-based Alliant Techsystems and did not present a backup plan in the event one of the subcontractors was unable to deliver." 

und:

"SpaceX was the clear winner because it offered the best technical proposal and the lowest overall price".

Nun zum Verständnis: Wer die drei Bieter um den 3 Milliarden Auftrag sind:

Was will die NASA? Ich dachte es geht um die Versorgung der ISS nach 2010. Aber so langsam glaube ich, geht es nicht darum. Denn dass ab 2010 eine Versorgungslücke entsteht, ist nichts neues: 2004 kündigte Bush an, dass die Space Shuttle ausgemustert werden sollten. Ab Anfang 2005 war dies beschlossene Sache. Das bedeutet, man hatte damals etwa 5 Jahre Zeit, eine Lösung zu finden. Das ist für ein bemanntes Projekt recht knapp. Für Ares/Orion reicht es nicht. Aber wenn man es damals angegangen hätte, reichen 5 Jahre vielleicht für einen gut entwickelten unbemannten Transporter. Es sollte nicht vergessen werden, dass bei der ISS um Sicherheitsaspekte geht. Ein Fahrzeug darf nicht mit der ISS kollidieren. Die Trägerrakete sollte auch ausreichend zuverlässig sein, damit vielleicht mehr Starts gelingen als bei der Falcon 1.

Die NASA hat sich aber fast 4 Jahre Zeit gelassen mit der Auftragsvergabe. Nun vergibt es sie an SpaceX und OSC. Sicher, SpaceX hat das preislich beste Angebot gemacht. Aber ist es auch das beste für die Station? Mal in Fragen formuliert:

Dann ist dann noch OSC und PlanetSpace. Hier verwundert mich die NASA Entscheidung Gewiss PlanetSpace ist ein Neuling. Doch ich sah es nie als eigene Firma, sondern Zweckbündnis von Firmen, die getrennt bei den ersten beiden COTS Ausschreibungen als Verlierer herausgingen, die jede aber über mehr Erfahrung als OSC und SpaceX zusammen haben. Jedes bemannte Raumfahrzeug und fast jede Trägerrakete welche die USA eingesetzt haben, wurde von diesen Firmen gebaut. solche Zweckbündnisse sind ja nicht selten. Die NASA hat nun als Partner für Trägerraketen die United Launch Alliance - Ein Bündnis von Lockheed und Boeing. Vor einigen Jahren waren noch Lockheed und Khrunichev zusammen bei ILS. PlanetSpace mag vielleicht neu sein, aber die Subunternehmen sind es nicht. Der Presseausschnitt sagt auch klar, dass PlanetSpace gegenüber OSC siegte. Das Argument, dass ein Subkontraktor nicht liefern kann, ist eines, dass immer gebracht werden kann. Glaubt denn wirklich jemand, SpaceX mit 550 Mitarbeiter produziert alles selbst? Von der kleinsten Schraube bis zum Bordcomputer? Ich kann mich noch an die Verlautbarungen von Musks direkt nach den Fehlstarts erinnern, als die genaue Ursache noch nicht feststand und er betonte, dass bestimmte Subsysteme die man als Ursache annahm, bei anderen Trägern noch nie Probleme machten. Natürlich ist SpaceX abhängig von anderer Herstellern, vielleicht sogar noch mehr als andere Firmen, die das Know-How und die Möglichkeiten haben Raumfahrzeuge alleine zu entwickeln.

So verwundert es mich nicht, das PlanetSpace protestiert. Wenn ich die NASA wäre, würde ich PlanetSpace noch einen Auftrag zusätzlich geben - schließlich sollen auch die beiden jetzigen Transporte maximal 70 % der benötigten Kapazität abdecken. Eine Lücke bleibt also in jedem Fall.

Donnerstag: 8.1.2009: Die Glaubwürdigkeit von Politikern

Am Dienstag habe ich eine Wiederholung einer Diskussion von Politikern und Journalisten über ihr Verhältnis und Journalismus, aber auch das Gebahren von Politikern selbst gesehen. Ich hatte das schon mal angesehen, aber ein paar Jahre später, wirkt es noch trauriger. Politiker genießen heute keine Glaubwürdigkeit mehr. Genau das Gegenteil wird dagegen Helmut Schmidt zugesprochen. Wäre heute Wahl, so würden 80 % der Wähler ihn wieder wählen. Auf der einen Seite gibt es also ein Bedürfnis nach glaubwürdigen Politikern. Auf der anderen Seite, scheint immer noch das Erfolgsrezept zu sein, den Wählern das Blaue vom Himmel zu versprechen, wenn Wahlen anstehen. Ich kann mich noch an den Wahlkampf von 1990erinnern, als Lafontaine im Wahlkampf davon warnte, dass die deutsche Einheit extrem teuer werden würde (was eigentlich auf offensichtlich war, angesichts des drohenden wirtschaftlichen Kollapses der DDR). Gewonnen hat trotzdem Kohl, der "blühende Landschaften" versprach. Nur so nebenbei bemerkt: Die deutsche Einheit wäre billiger gekommen, wenn man dies wörtlich genommen hätte: Evakuierung des Ostens und bepflanzen mit Sträuchern und Bäumen. Bei 20 Euro Kosten (für Arbeit und Pflanze) und einem Strauch/Baum alle 2 m braucht man rund 27044750000 Pflanzen, die rund 541 Milliarden Euro kosten. Ich habe nicht die aktuellen Zahlen, aber bis 1999 hatte die Bundesrepublik in etwa 1.3 Billionen Mark in die östlichen Bundesländer "investiert", also ein erheblich höherer Betrag. Schade, mit der wortwörtlichen Umsetzung hätten wir heute ein 108.000 km² großes Naherholungsgebiet ;-) oder wenn man sie mit Wald bepflanzt hätte(was billiger gekommen wäre) sogar eine nachwachsende Energiequelle.... (Warnung: SATIRE)

Aber zurück zum Thema: Ich denke etwa seit dem Amtsantritt von Kohl ist es Mode geworden, Probleme auszusitzen, nichts zu tun, oder im Zweifelsfall Schulden zu machen. Das hat Kohl so gemacht und das macht nun auch Merkel. Schmidt genießt so große Glaubwürdigkeit, weil er den Leuten die Wahrheit gesagt hat und nicht Versprechungen. Wird sich daran etwas ändern?  Ich glaube nicht. Viele Leute schimpfen auf Schröder. Aber ihn unterscheiden zwei Dinge von Kohl und Merkel: Als erstes hat er wirklich Reformen angepackt. Harz-IV und Co mögen den Leuten, die betroffen sind, nicht gefallen, aber wie bitte sonst sollen die Millionen Bezieher von ALG-II von dem Rest der Bevölkerung finanziert werden? Mit noch höheren Steuern? Das zweite was mir Respekt abverlangt ist, dass er nachdem er reihenweise Landtagswahlen verloren hat, nicht wie die bisherigen Regierung (die derzeit genauso massive Verluste zu beklagen hat) alles aussitzt, sondern die Vertrauensfrage gestellt hat, auch wenn klar war, dass er sie verlieren würde.

ich sehe allerdings nur den Trend, dass es so weiter geht wie bisher, eher noch schlimmer. Die SPD stellt Steinmeier als Kanzlerkandidaten auf, weil der am beliebtesten ist. Ja beliebt ist er, dass sind Außenminister immer, die müssen sich ja nicht zu den Problemen im inneren äußern, tauchen dauernd in den Nachrichten auf wenn es einen Staatsbesuch gibt. Doch wofür steht er? Welche Konzepte hat er für die derzeitige Krise? Was wird als nächstes kommen? Prominente als Kanzlerkandidaten? Das zweite Problem zeigte sich gestern in "Hart aber fair". Es wurde relativ schnell klar, dass das einzige Rezept, das heute Politiker für die Rezension haben, Bürgschaften und Geldausgeben ist. Das sie das Grundproblem nicht erkannt haben, zeigt ein Kommentar von Peter Struck. konfrontiert mit der Aussage eines Wirtschaftsexperten, dass eine Rezension auch selbstheilende Kräfte hat, weil Unternehmen die schlecht wirtschaften oder den Anschluss verpasst haben, eben Konkurs gehen und es mehr Chancen für neue, innovative Unternehmen gibt, meinte er nur: "was wollen sie den Leuten in Rüsselsheim und Wolfsburg sagen, wenn die arbeitslos sind?". Ja sicher, die sind die Leidtragenden, dass die Automobilindustrie in Deutschland es über Jahrzehnte nicht fertigbringt sich der Tatsache anzupassen, das Benzin endlich ist und immer teurer wird. Aber ein Kredit ändert doch nichts an dieser Tatsache! Es verlängert nur die Zeit bis die Unternehmen endgültig den Bach runter gehen. Es ist ja nun nicht so, als wäre das die erste Ölkrise. Das Problem ist doch bekannt. Seit Jahren werden die Autos schwerer, brauchen mehr Benzin, weil immer mehr Elektronik und Gewicht jede Effizienz auffressen. Der Staat hat nur noch mehr Geld zum Fenster rausgeschmissen oder muss woanders sparen, wo wirklich in die Zukunft investiert werden könnte.

Ich persönlich meine immer noch, dass in einer Rezension der Staat dasselbe tun sollte wie der Normalbürger wenn er weniger verdient: Einsparen. Aus einem einfachen Grund: Von jedem Euro den der Staat investiert, fließen im Durchschnitt nur 25 Ct zurück. Diese Fakten sind seit langem bekannt und sind der Grund warum der Staat zwar gerne von Steuersenkungen redet um die Konjunktur zu beleben, alle Experten aber wissen, dass der Effekt aus diesem Grund gering ist. Die Idee nun Geld auszugeben um den Rezensionseffekt zu dämpfen läuft darauf hinaus, noch mehr Schulden zu machen. Glaubt jemand, dass wenn in ein paar Jahren die Konjunktur besser wird, diese Schulden abgetragen werden? Natürlich nicht, dann gibt es wieder Wahlen, wieder Steuergeschenke. Was ist die Konsequenz: Seit 25 Jahren steigt die Arbeitslosigkeit im Trend an, die Schulden des Bundes genauso. Es geht für einige Jahre mal die Arbeitslosigkeit runter und die Schulden steigen langsamer, wenn die Konjunktur besser wird, aber langfristig wird die Situation immer schlimmer.

Gibt es eine Alternative? Nein, denn das Problem ist in allen Parteien gegeben. Es gibt heute keinen Politiker mehr, der wirklich etwas gegen die Probleme tun will, anstatt an den Symptomen herum zu pfuschen. Es gibt keine Alternative die man wählen könnte. Das ist das wirklich traurige an der Sache.

Was gibt es sonst an Neuigkeiten? Ich habe das erste Drittel meines LM Buches vom Korrekturlesen zurückbekommen und arbeite nun die Verbesserungsvorschläge hinein. Parallel arbeite ich auf kleiner Flamme am nächsten Buch. Ich habe bislang die Recherche zur Black Arrow und Diamant abgeschlossen und das Kapitel zur Europa aus meiner Website kopiert (das ich noch erweitern will). Nur sind es nun schon rund 90 Seiten ohne eine Abbildung. Eine kleine Überschlagsrechnung von mir ergibt, dass das komplette Buch mit Ariane 1-4, 5, 5E, Vega, OTRAG und A-4 dann sicher um die 400 Seiten hat, eventuell noch mehr. Das wird dann recht teuer, weil bei BOD anders als bei normalen Büchern der Druck nicht billiger wird wenn es größer wird. Ein 400 Seiten Buch läge dann so um 34 Euro. Ich überlege daher ob ich die A-4 und OTRAG nicht in ein eigenes Buch verschiebe. Das macht es um 100-120 Seiten kürzer. Dafür gibt es Argumente: Wer nur an Trägerraketen interessiert ist kann sich das eine Buch kaufen und wer an den speziellen Deutschen Bestrebungen interessiert ist das andere. Aber insgesamt wird es länger, weil natürlich jedes Buch einen Overhead hat und einführende Erklärungen zweimal vorkommen. Vor allem: wenn ich von mir als Weltraum-Begeisterter ausgehe, so würde ich beide kaufen und im Endeffekt dann mehr zahlen als bei einem Buch. Was meinen Sie?

Freitag 9.1.2009: Flüssiges Methan als Raketentreibstoff?

Vor einiger Zeit habe ich mich mal informiert, wer dieser Lukas Gruber ist, der die Kritik über das Das ATV Jules Verne: Von der Erde in den Orbit - Europas Weg in eine unabhängige Raumfahrt verfasst hat und ich bin auf seinem Blog auf die Idee gestoßen bei der Ariane 5 Erststufe den Wasserstoff durch flüssiges Methan zu ersetzen und dazu ein russisches Triebwerk einzusetzen, das Astrium in Lizenz bauen will oder bauen lassen will. Bei Nachrechnen seiner Lösung zeigte sich, dass er von viel zu optimistischen Annahmen ausging und zudem einen Rechenfehler machte. In der Summe hätte der Ersatz die Zentralstufe zwar mehr als doppelt so schwer gemacht aber keinerlei zusätzliche Nutzlast gebracht. Aber Methan wird ja auch anderswo immer wieder propagiert zuletzt z.b. für den Altair Mondlander. Zeit einmal sich mit diesem Treibstoff zu beschäftigen.

Zuerst einmal: Was ist der Vorteil von Methan? Methan ist eigentlich nur ein Kohlenwasserstoff, aber ein besonderer. Normale Kohlenwasserstoffe haben sehr lange Ketten An jedem Kohlenstoffatom sitzen zwei Wasserstoffatome. An den Enden gibt es dann jeweils eines mehr. Aber durch den Gehalt an Alkenen und ringförmigen Molekülen weist Kerosin, der übliche Kohlenwasserstoff in der Summe in etwa die Zusammensetzung CnH2n auf. Methan hat die Summenformel CH4.

Methan enthält also doppelt so viel Wasserstoff wie Kerosin. Das hat zwei positive Auswirkungen:

Doch was sind die Nachteile? Flüssiges Methan hat eine niedrige Dichte von 0.42 und ist nur zwischen -183 und -162 °C flüssig. Kerosin dagegen hat eine Dichte von 0.8 g/kg und siedet erst bei rund 180 °C (Werte für JP-1 den meist eingesetzten Treibstoff, Kerosin ist ein Synonym für ein breites Gemisch an Kohlenwasserstoffen). De Fakto habe ich damit einen kryogenen Verbrennungsträger mit denselben Anforderungen an die Technik, wie flüssiger Wasserstoff. Die Frage ist: Lohnt sich der Übergang von Kerosin auf Methan?

Ich muss sagen, dass ich lange Zeit selbst Probleme hatte zu verstehen, warum Wasserstoff so viel mehr Aufwand macht als flüssiger Sauerstoff. Meine Vorstellung war: Sicher, die Temperatur ist niedriger und man braucht größere Tanks und eventuell verdampft etwas von dem Wasserstoff, weil der Temperatur-Bereich, in dem er flüssig ist, kleiner ist und er eine geringere Dichte hat, also das Verhältnis Oberfläche/Volumen größer ist. Doch was macht das aus? Für die Beanspruchung von Materialen macht es keinen Unterschied ob es -180 oder -250 Grad sind. Bei beiden Temperaturen sind Kunststoffe die bei Raumtemperatur weich sind, hart wie Stein und Metall steif und kaum dehnbar. Mir wurde es erst klar, als ich mich mehr mit der Technik eines Raketentreibwerks beschäftigt habe. Flüssiger Sauerstoff als Oxidator hat in einem Raketentriebwerk einen einfachen Weg: Ein Teil wird im Gasgenerator verbrannt und erzeugt das Arbeitsgas für die Turbine. Der Rest wird durch die Turbopumpe in die Brennkammer gedrückt und dort verbrannt. Das ist nicht viel mehr Aufwand wie für eine Pumpe die auch Wasser fördert (die ersten Turbopumpen der A-4 stammten von Pumpen für die Feuerwehr ab).

Der Verbrennungsträger hat mehr Funktionen. Als erstes einmal wird mit dem Verbrennungsträger jedes Lager und jedes bewegliche Teil geschmiert. Die Möglichkeit einen Schmierstoff zu nutzen, scheidet bei Methan oder Wasserstoff wegen der niedrigen Temperaturen aus. Dann wird mit dem Verbrennungsträger die Brennkammer und Düse gekühlt. Weiterhin hängt die Leistung der Turbopumpe von dem transportierten Volumen ab, nicht vom Gewicht. Die LOX Turbopumpe des Vulcain 2 hat z.B. eine Leistung von 5.1 MW bei 12600 U/min. Die für den Wasserstoff muss 7 mal weniger Gewicht fördern, hat aber eine Leistung von 14.1 MW bei 35500 U/min weil Wasserstoff eine 16 mal geringere Dichte als Sauerstoff hat.

Nun zu den Herausforderungen, die Wasserstoff als Verbrennungsträger für die Technik stellt:

Das sind die technischen Herausforderungen bei Wasserstoff. doch wie sieht es bei Methan aus? Nicht viel besser. Der Bereich in dem es flüssig ist, ist ebenfalls nur etwa 20 K groß. Es verdampft bei niedrigen Temperaturen wenn auch etwas höheren als Wasserstoff. Ein Treibstoff von -180 Grad Celsius muss bewegliche Teile schmieren, wodurch diese aus Materialen hergestellt werden müssen die bei diesen Temperaturen nicht aneinander haften. Etwas besser sind die Anforderungen an die Turbopumpe. Das geförderte Volumen ist nur 60 % größere als bei Kerosin.

In der Summe hat man also einen Antrieb mit nahezu den gleichen technischen Anforderungen, die auch den Einsatz von Wasserstoff teurer machen, als den von Kerosin. Aber bringt es wenigstens etwas? Nein, denn der spezifische Impuls ist nur wenig größer. Ich will dies an 2 Beispielen zeigen. Zum einen am Vergleich real existierender Triebwerke für Erststufen:

Triebwerk NK-33 RD-170 Vulcain 2 SSME Volga
Treibstoff LOX/Kerosin LOX/Kerosin LOX/LH2 LOX/LH2 LOX/LCH4
Brennkammerdruck 145.7 Bar 300 Bar 118 Bar 220 Bar ?
spezifischer Impuls Boden 2923 m/s 3030 m/s 3118 m/s 3560 m/s ?
spezifischer Impuls Vakuum 3247 m/s 3305 m/s 4256 m/s 4462 m/s 3530 m/s

Das zweite sind Berechnungen mit dem NASA FCEA Programm. Diesmal mit folgenden Eckwerten:

Treibstoff LH2/LOX CH4/LOX Kerosin/LOX
Verbrennungsverhältnis 1/8 1/4 1/3.4
spezifischer Impuls 3668.8 / 3974.6 m/s 3061.4 / 3322.1 m/s 2950.3 / 3203.3 m/s
Verbrennungstemperatur: 3611 K 3578.6 K 3706.2 K


In der Summe erreicht man mit Methan also etwa 200-300 m/s mehr gegenüber Kerosin, aber immer noch 700-900 m/s weniger als mit Wasserstoff/Sauerstoff. Die Frage ist: Ist dies den Aufwand wert? Meiner Meinung nach nein. Der Gewinn von 200 m/s steht in keinem Verhältnis zum Aufwand. Das gilt auch für andere antriebe, so setzt die NASA ja das RS-68 in der Ares V ein, obwohl der spezifische Impuls dem eines SSME unterlegen ist, aber es ist preiswerter zu produzieren. Ich denke das gilt noch mehr für Methan, das in weiten Teilen die gleichen Herausforderungen wie flüssiger Wasserstoff stellt, ohne das man den Vorteil des hohen spezifischen Impulses als Nutzen hat.

Samstag 10.1.2009: Von Katzen und Menschen

Als ich am Donnerstag Abend ins (einzig noch in Ostfildern verbliebene) Hallenbad ging fiel mir eine Katze auf, die um das Bad herumschlich, und zwar menschenscheu war, aber vom Eingang nicht weg wollte. Als sie immer noch da war, als abends um 8 es nach mehr als 2 Stunden verließ, habe ich die Angestellten angesprochen und es stellte sich heraus, dass die Katze schon seit Tagen hier herumstreunt und von einem der Bademeister gefüttert wird. Wer selber Katzen hat weiß, dass die bei vielleicht noch am Tag bei diesen Temperaturen kurz rausgehen, aber bestimmt nicht nachts wenn es dunkel und noch kälter ist. Ich habe dann die Kassiererin angesprochen, dass man da handeln muss, vor allem wenn die Katze ja schon seit ein paar Tagen hier herumstreunt. Am nächsten Tag habe ich den Tierschutzverein angerufen und die Leute vom Bad unabhängig davon die Katzenhilfe. So gut, so schön: Für die Katze wäre also gesorgt. Nur als ich dann abends wieder ins Bad war, war sie immer noch da. Wie ich erfuhr gehört sie Leuten in der Nachbarschaft, die in den Urlaub gefahren sind und die Personen die Wohnung und Katze betreuen sollten, lassen sie nachts!!! nicht in die Wohnung. Um Probleme mit den Eigentümern der Katze zu vermeiden, wird die Katze so weiter außerhalb des Hallenbads gefüttert - dabei braucht sie ziemlich viel. Eine Ein-Tages Portion Trockenfutter, die ich mitbrachte habe ich ihr zur Hälfte gegeben als ich kam, da war auch noch Trockenfutter vom Bademeister da. Als ich ging, war beides weggefressen und als ich den Rest nachfüllte, sofort die Katze wieder da. Dabei ist das keine Lösung. Die Katze braucht auch was zum trinken, aber das gefriert bei -10 bis -15 Grad sofort. Morgen steht wieder ein Besuch an und ich bringe ihr noch etwas Feuchtfutter im Beutel mit.

Bei Haustieren muss ich sagen hört bei mir der Spaß recht bald auf. Hauskatzen sind keine Wildkatzen mit dickem Winterpelz und angefressenen Fettschichten, die sich ein Nest in Baumhöhlen oder ähnlichem bauen. Sie sind auf den Menschen angewiesen und verlassen sich auf ihn. Ich frage mich wie man in Urlaub fahren kann und seine Katze Leuten überlassen kann die sich so wenig um sie kümmern. Wenn ich in Urlaub fahre, dann nur wenn ich Betreuung für meine Katzen habe, denen ich wirklich vertrauen kann. Das sind bei mir nur Familienangehörige. Auch die Leute die auf die Idee kommen (wahrscheinlich weil sie zu faul sind, abends nochmal zur Wohnung zu fahren) die Katze sollte nachts draußen bleiben, scheinen wohl selbst nie die geheizte Wohnung verlassen zu haben. Bei solchen Dingen finde ich es echt schade, dass es bei uns nicht so etwas wie einen Tierführerschein gibt oder erzieherische Maßnahmen, wie z.B. eine Nacht in der Kälte für die Leute die das Katzen zumuten.

Montag 12.1.2009: Wissen, Forschung und Wissenschaft im Fernsehen

Ich hatte das Thema ja schon mehrmals erwähnt und auch eine Seite drüber: Wissenssendungen im Fernsehen. Gestern habe ich beim Zappen auch bei Bayern 3 eine Sendung gesehen die sich damit beschäftigt hat und Harald Lesch - positives Aushängeschild wie man Wissen vermitteln kann wurde auch interviewt. Ich entnehme dem das Wissenssendungen gut gehen und sie deswegen so viele Sendungen machen. Das ist nicht zu bestreiten. Doch anders als es die Sendung suggeriert kann man meiner Meinung nach nicht alles in eine Schublade packen. Nicht nur von der Qualität gibt es enorme Unterschiede zwischen "Abenteuer Forschung" beim ZDF und "Galileo" bei Pro Sieben, oder den US Dokumentationen bei N24 die sich meist um Technik oder Militär drehen.

Ich gebe der Sendung recht, dass alle mehr oder weniger Wissen vermitteln. Als erstes mal gibt es den Unterschied "Mehr oder Weniger". Es gibt noch mehr den Unterschied über dem vermittelten Wissen. Wenn ich bei Galileo erfahre wie Salami hergestellt wird, oder wie (oder ob) man einen Geldschrank knacken kann. Was nützt mir das? Ich würde sagen: Nice to know, aber nicht wirklich wichtig. Das denke ich ist der Unterschied ob man Wissen oder Forschungserbenisse vermittelt.

Was ich mir von einer Sendung erhoffe ist, dass ich über den aktuellen Stand der Forschung informiert werde. Teilweise ist das auch so: Wenn das Thema populär ist. So ist "Odysso" im SWR inzwischen fast eine reine Medizinsendung. Es gibt praktisch kein anderes Thema das dort behandelt wird, dafür aber kompetent und auch kritisch. Das dumme nur: Das ist nicht bei allen Wissenschaften so. Es gibt meiner Meinung nach drei Kategorien in die alle Themen einsortiert werden können:

Es gibt sicher Ausnahmen auch in der dritten Rubrik. Natürlich kann ich auch ein chemisches Experiment aufbauen das knallt und raucht, aber was wirklich passiert, warum t-Butanol mit Salzsäure reagiert und n-Butanol nicht, das sind Reaktionstypen, die man nicht oder nur schlecht mit Bildchen erklären kann. Das ist das Problem der heutigen Sendungen; Weil Quote zählt macht man gerne um solche Themen, oder auch Vertiefungen einen Bogen und das Niveau sinkt oder die vermittelte Informationsmenge wird zugunsten bunter Bilder reduziert.

Es geht auch anders. Wie kann man das Funktionsprinzip eines Massenspektrometers veranschaulichen oder bewegte Grafik? Hoimar von Ditfurth konnte das. Er hat Tischtennisbälle mit unterschiedlichem Gewicht durch ein Gebläse nach Gewicht trennen lassen und sie in Fächern gesammelt - Anders funktioniert auch das Massenspektrometer nicht, nur ist es hier ein Magnetfeld oder elektrisches Feld oder beides. Aber solche Leute sind heute selten. Harald Lesch hat das Zeug dazu wie er schon bei Alpha Centauri bewiesen hat.

Was gibt es heute noch neues? Die Katze die ich am Samstag ansprach wurde noch am Freitag von einer Familie aufgenommen, ist also versorgt. Mein LM Buch ist zu einem drittel Korrekturgelesen und derzeit arbeite ich weiter auf kleiner Flamme am Buch über europäische Trägerraketen. Derzeit an der Europa, wo ich mit einigen abweichenden Zahlenangaben zu kämpfen habe, je nach Quelle. Es wird ein Buch für Hardcore Raumfahrt interessierte werden, da ich das Gefühl habe jemand anders kauft die Bücher von mir sowieso nicht.


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