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Die Werbung von Elasten

2.4.2017: Elasten

Mit Schönheitsprodukten wie Elasten kann man enorm viel verdienen. Nur mal "Anti-Aging" auf eine Creme drauf schreiben und schon kann man den mehrfachen Preis einer normalen Hautcreme verlangen. Und das, obwohl man nur relativ preiswerte Substanzen in kleinen Menschen untermischt, wie früher die "AHA": Unter der Abkürzung laufen Alpha-Hydroxiacids, das sind viele organische Säuren, darunter die billigste und daher am häufigsten eingesetzte Apfelsäure.

Alle paar Jahre erfindet die Schönheitsindustrie neue Dinge, die sie dann sündteuer verkauft. Derzeit läuft ein Trend sehr gut: Schönheitsprodukte, die von Pharmafirmen produziert werden und daher vom guten Renommee von Apotheken profitieren sollen. Medipharma Cosmetics macht hier schon massiv Werbung für ihre Produkte. Das fing an mit Hautcremes, nun ist der Mascara dran. Doch am negativsten fiel mir die Werbung von Elasten auf. Da werden nun nicht Modells als angebliche Verbraucherinnen in der Apotheke vor lauter Regalen, die nur mit Produkten der Firma bestückt sind, wie bei Medipharma Cosmetics. Sondern es ist ein professioneller Spot mit Modells verschiedenen Alters die alle gut aussehen und das nur, weil sie Elasten zu sich genommen haben.

Die Fakten über Elasten

Ich lasse im folgenden das Markenschutzzeichen (Registered Trademark) weg. Ich finde es sowieso komisch das man den begriff Elasten als Marke registrieren kann, den es ähnelt in der Aussprache dem Elastin, einem Protein das in der Lunge und Blutgefäßen vorkommt. Wie der Name schon sagt ist es elastischer als Kollagen, mit dem es verwandt ist. Doch Elasten enthält eben Kollagen und nicht Elastin.

Elasten ist nach Angaben des Herstellers QUIRIS Healthcare GmbH  Kollagen zum Trinken. 28 Ampullen kosten in der Apotheke mindestens 60 Euro. Eine Ampulle enthält 25 ml Flüssigkeit die zu 10 Prozent aus Kollagen besteht. Dazu kommt, um das gute Image abzurunden, noch natürliche Vitamin C (L-Ascorbinsäure) und Vitamin E Quellen und zusätzliches Vitamin C. Die Kapsel enthält auch 666 mg Azerolaexktrakt (Vitamin C reich), 2.3 mg Vitamin E, 80 mg Vitamin C, 50 Mikrogramm Biotin und 3 mg Zink.

Klar bestehen Hautzellen zum größten Teil aus Kollagen, doch man braucht es trotzdem nicht zuführen und wenn dann geht das auch billiger und einfacher.

Zeit für einen Crashkurs in Sachen Proteine. Kollagen ist ein Protein und es wird von Köper wie andere Proteine hergestellt. Alle Proteine bestehen beim menschlichen Körper aus 20 Grundbausteinen, den Aminosäuren. Diese können noch modifiziert werden, doch diese 20 sind die Basisbausteine. In Kollagen findet man zwei modifizierte Bausteine nämlich Hydroxiprolin und Hydroxilysin, die aus Prolin und Lysin hergestellt wurden. Diese 20 Bausteine sind zum Teil auch ineinander umwandelbar. Das ist sehr praktisch, weil die Zusammensetzung der Proteine in den Lebensmitteln unterschiedlich ist und so die Aminosäuren produziert werden können, die man gerade benötigt.

Doch acht Aminosäuren kann der Körper nicht selbst herstellen. Sie sind sozusagen die Basis aus den man alle anderen synthetisieren kann. Der Bedarf an Protein wird anhand dieser acht Aminosäuren beziffert, wobei sie allerdings in der Natur in unterschiedlicher Menge in verschiedenen Lebensmitteln vorkommen. Am Nächsten dem menschlichen Bedarf ist das Hühnereieiweiß, pflanzliche Eiweiße, wie in Weizen, haben dagegen eine oft ungünstige Zusammensetzung. Um die Qualität zu beurteilen, hat man daher ein Maß eingeführt, die biologische Wertigkeit, die die Zusammensetzung relativ zum menschlichen Eiweiß angibt. Ei liegt dabei bei 92 Prozent, Weizen bei 35 Prozent. (Es gibt auch leicht andere Werte, weil es unterschiedliche Berechnungsformeln gibt).

Was Elasten nun mit der Haut zu tun?

Auch das Kollagen der Haut wird dauernd erneuert und dafür benutzen die Zellen die Vorräte, die der Körper hat. Allerdings ist das Kollagen ein besonderes Protein, es ist nämlich sehr einfach aufgebaut. Kollagen ist ein Molekül in einer Tripelhelix. 22,5 Prozent der Aminosäuren besteht aus der einfachsten (nicht essenziellen) Aminosäure Glycin, weitere 13 Prozent bzw. 10,5 Prozent aus der Aminosäure Prolin und ihrem Derivat Hydroxiprolin. Die Hälfte der Aminosäuren besteht daher nur aus drei Bausteinen. Es enthält sehr wenige Aminosäuren, zwei essenzielle nämlich Cystin und Tryptophan fehlen. Auch der gesamte Anteil an essenziellen Aminosäuren ist geringer als im Körperdurchschnitt.

Diese Zusammensetzung hat schon dazu geführt, dass vor Jahrzehnten Gummiwarenhersteller nicht mehr mit der "wertvollen" Gelatine werben dürften, weil man aufgrund der fehlenden essenziellen Aminsäuren aus Kollagen kein körpereigenes Eiweiß aufbauen kann - außer eben weiterem Kollagen.

Kollagen ist kein seltenes Eiweiß, 20 bis 25 Prozent des Körpereiweißes bestehen daraus. Das ist zu berücksichtigen. Der Eiweißbedarf wird mit 0,8 bis 1 g pro Kilogramm Körpergewicht geschätzt. So sollten 20-25 Prozent dessen für das Kollagen nötig sein. Das ist bei einer 60 kg schweren Frau etwa 10 bis 15 g. Demgegenüber enthält eine Ampulle nur 2,5 g. Klar dürfte also sein, dass man so nicht einen Mangel bekämpfen könnte, wenn er den existiert.

Doch dem ist nicht so. Der Körper verdaut jedes Eiweiß. Das beginnt im Magen durch die Spaltung durch die Magensäure und die Enzyme Pepsin und Chymotrypsin und setzt sich im Dünndarm mit der Zugabe von weiteren Enzymen fort. Aufgenommen werden dann in der Darmwand meistens kurze Bruchstücke mit wenigen Aminosäuren. Die Spaltung setzt sich dann im Körper fort und alles landet in einem Aminosäurenpool. Die Vorgehensweise ist wie, wenn jemand ein Backsteinhaus beim Abbruch in einzelne Backsteine zerlegt und diese dann für den Neubau zur Seite legt. Leider ist unsere Baustoffindustrie noch nicht so weit wie unser Körper.

Aus den "Backsteinen" kann der Körper dann das bauen, was gerade ansteht. Mal eine Brücke, mal ein Kamin und mal eben auch ein neues Haus. Analog benutzt der Körper die Aminosäuren, die gerade im Pool sind für die Synthesen, die anstehen, gerade benötigt Enzyme zur Verdauung, Neubildung von roten Blutkörperchen, die nur einige Monate lang leben oder eben Regeneration von Hautzellen, die dauernd absterben und verhornen. Man kann also mit Zuführung von Kollagen nicht gezielt neues Kollagen aufbauen, sondern es landet im allgemeinen Pool. Auch durch noch so viel zugeführtes Kollagen kann man nicht gezielt die Bildung neuen Kollagens veranlassen. Selbst wenn - bei einem Gesamtbestand von 20-25 des Gesamtproteins steckt das Kollagen nicht nur in der Haut, sondern überall im Bindegewebe.

Die Webseite verwest daher auch vor allem darauf, dass das Besondere sei, das das Kollagen aufgespalten ist und daher besonders gut aufgenommen werden könnte. Doch auch normales Protein, das abgebaut werden muss, wird zu einem hohen Prozentsatz aufgenommen. Eher wird umgekehrt ein Schuh daraus. Weil das Molekül so einfach aufgebaut ist und zwei essenzielle Aminosäuren fehlen, kann man außer Kollagen kein anderes Eiweiß aufbauen. Im Normalfall, so habe ich gelernt, wird Kollagen aufgrund dieser biologischen Wertigkeit von 0 daher verbrannt. Dazu passt auch, dass, wenn jemand einen Proteinmangel hat, er nichts von dem reichlich vorhandenen Bindegewebe verliert sondern die wesentlich wertvolleren Muskeln. Wir haben also nicht nur ein Produkt, das wirkungslos ist, sondern auch noch unnütze Energie liefert, auch wenn das bei 2,5 g Eiweiß nur etwa 42 kJ sind. (Pro Ampulle wegen des Azerolaextraktes 107 kJ).

Auch die Vitamin C und E Zugabe hat wohl mehr Alibifunktion. Zwar sind die Vitamine Radikalfänger und sollten so auch Schäden in der tieferen Haut z.B. durch UV-Strahlung reduzieren. Doch die Forschung ist sich mittlerweile einig: Megadosen bringen nicht mehr als die normale Aufnahmemenge. Bei Vitamin C ist eine Funktion auch der Aufbau von Kollagen, es wird für die oben erwähnten Aminosäuren Hydroxilysin und Hyroxidprolin benötigt. Aber da Vitamin C nicht nur in der Nahrung vorhanden ist, sondern heute als Zusatzstoff oder wegen des guten Rufes vielen Produkten zugesetzt wird, gibt es auch da keinen Mangel. Lustig ist die Werbung für mich als Lebensmittelchemiker, weil Kollagen ja nun nicht gerade so was wie ein Superprotein ist. Bei den Lebensmitteln ist es äußerst unerwünscht. Bei gekauftem Fleisch will man es möglichst nicht dabei haben, weil dann das Fleisch zäh wird. Fleisch ist um so teurer je weniger Kollagen es enthält. Man kann das einfach beim Unterschied zwischen Kotelett, Schnitzel und Schweinefilet sehen. Kollagen aus dem Bindegewebe wird in großen Mengen als Abfallprodukt für die Herstellung von Gummiwaren (Gummibären, Fruchtgummis) oder für schnittfeste Molkereiprodukte (Käse-Sahnetorte) verwendet. Man kennt es auch unter der Bezeichnung Gelatine und es wird normalerweise aus Schlachtabfällen gewonnen.

Wie schon in anderen Fällen hat die Schönheitsindustrie mit Elasten den Stein der Weisen gefunden: Wie mache ich aus Abfall Geld. In diesem Falle verkauft sie Gelatine für einen Kilogrammpreis von 1.200 Euro. Eine kleine Recherche bei Amazon ergab, dass Gelatine im Kilogrammmaßstab für 15 bis 20 Euro gehandelt wird. Das sieht also nach einem satten Gewinn von 6000 bis 8000 Prozent aus. Dagegen ist selbst die Verdienstspanne von Speiseeis klein. Und Gelatine ist nicht verderblich, man muss weitaus weniger Hygienevorschriften beim Verkauf und Herstellung einhalten. Es reicht einfach einen 1000-g-Beutel in 400 Portionen abzupacken und schon kann man die mit sattem Gewinn verkaufen. So was hat die Schönheitsindustrie schon mit Pippi, sprich Harnstoff gemacht, den sie unter der Bezeichnung "Urea" verkauft. Ich warte nur drauf, bis sie auch aus Scheiße noch ein Produkt herstellt.

Fazit

Elasten ist wieder mal ein typisches neues Produkt der Schönheitsindustrie. Unwirksam, teuer, aufwendig beworben für das typische weibliche Publikum, das wohl jedem Werbeversprechen glaubt.


Artikel erstellt am 1.4.2017

Bücher vom Autor

Zum Thema Ernährung, Lebensmittel und Lebensmittelchemie/recht sind bisher vier Bücher von mir erschienen:

Das Buch „Was ist drin?“ wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung. Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geografischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist. 2012 erschien eine Neuauflage, erweitert um 40 Seiten. Sie trägt zum einen den geänderten Gesetzen Rechnung (neue Zusatzstoffe wurden aufgenommen, Regelungen über Lightprodukte beschrieben) und zum anderen ein Stichwortregister enthält, das sich viele Leser zum schnelleren Nachschlagen gewünscht haben.

Wie sich zeigte, haben die meisten Leser das Buch wegen des zentralen Teils, der die Zusatzstoffe beinhaltet, gekauft. Ich bekam auch die Rückmeldung, dass hier eine Referenztabelle sehr nützlich wäre. Ich habe daher 2012 diesen Teil und den Bereich über Lebensmittelrecht nochmals durchgesehen, um die neu zugelassenen Zusatzstoffe ergänzt und auch um neue Regelungen, wie bei der Werbung mit nährwertbezogenen Angaben. Ergänzt um eine Referenztabelle gibt es nun die zwei mittleren Teile als eigenes Buch unter dem Titel "Zusatzstoffe und E-Nummern" zu kaufen.

Nachdem ich selbst über 30 kg abgenommen habe, aber auch feststellen musste wie wenig viele Leute von Ernährung oder der Nahrung wissen, habe ich mich daran gemacht einen Diätratgeber "der anderen Art" zu schreiben. Er enthält nicht ein Patentrezept (wenn auch viele nützliche Tipps), sondern verfolgt den Ansatz, dass jemand mit einer Diät erfolgreicher ist, der genauer über die Grundlagen der Ernährung, was beim Abnehmen passiert und wo Gefahren lauern, Bescheid weiß. Daher habe ich auch das Buch bewusst "Das ist kein Diätratgeber: ... aber eine Hilfe fürs Abnehmen" genannt. Es ist mehr ein Buch über die Grundlagen der Ernährung, wie eine gesunde Ernährung aussieht und wie man dieses Wissen konkret bei einer Diät umsetzt. Es ist daher auch Personen interessant die sich nur über gesunde Ernährung informieren wollen und nach Tipps suchen ihr Gewicht zu halten.

Das Buch "Was Sie schon immer über Lebensmittel und Ernährung wissen wollten" wendet sich an alle, die zum einen die eine oder andere Frage zu Lebensmitteln und Ernährung haben, wie auch die sich für die Thematik interessieren und auf der Suche nach weitergehenden Informationen sind. Während andere Autoren zwar auch populäre Fragen aufgreifen und diese oft in einigen Sätzen beantworten und zur nächsten Frage wechseln, habe ich mich auf 220 Fragen beschränkt, die ich mehr als Aufhänger für ein Thema sehe, so hat das Buch auch 392 Seiten Umfang. Jede Frage nimmt also 1-2 Seiten ein. Sie sind nach ähnlichen Fragestellungen/Lebensmitteln gruppiert und diese wieder in vier Sektionen: zwei Großen über Lebensmittel und Ernährung und zwei kleinen für Zusatzstoffe und Lebensmittelrecht/Werbung. Man kann das buch daher von vorne bis hinten durchlesen und so seinen Horizont erweitern, aber auch schnell mal nach einer Antwort suchen. Ich habe sehr viele positive Rückmeldungen bekommen, vor allem weil der Stil nicht reißerisch ist und ein Dogma verbreiten will, sondern aufklärend ist.

Sie erhalten alle meine Bücher über den Buchhandel (allerdings nur auf Bestellung), aber auch auf Buchshops wie Amazon, Libri, Buecher.de und ITunes. Sie können die Bücher aber auch direkt bei BOD bestellen.

Mehr über diese Bücher und weitere des Autors zum Themenkreis Raumfahrt, finden sie auf der Website Raumfahrtbucher.de.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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