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Die Missionen des Gemini Programms: Gemini 11

Die CrewGATV 11 (12.9.1966)

Wie schon das letzte GATV erreichte die Agena einen nahezu kreisförmigen, 300 km hohen Orbit. Nach der Ankopplung von Gemini 11 zündete die Besatzung die Agena zweimal. Das erste Mal am 14.9.1966 für 25 Sekunden. Erreicht wurde einen Orbit von 300 × 1.390 km Höhe. Damit wurde der Entfernungsrekord von Gemini 10 gebrochen. Nach zwei Umläufen wurde das Triebwerk für 22,5 Sekunden gezündet und die Agena gelangte in einen 287 × 304 km hohen Orbit. Dort wurde am 15.9.1966 vom GATV abgekoppelt. Nach 108 Tagen im Orbit trat der vorletzte Zielkörper am 30.12.1966 wieder in die Erdatmosphäre ein.

Gemini 11 (12.-15.9.1966)

Besatzung: Charles „Pete“ Conrad und Richard „Dick“ Gordon
Ersatzmannschaft: Neil Alden Armstrong und William Alison „Bill“ Anders

Das EVA-Training wurde nach den Erfahrungen von Gemini 9 und 10 reorganisiert und umfasste nun Übungen in einem Wassertank. Eugene Cernan berichtete nach einem Test, dass die Bewegungsabläufe im Wasser denen seiner EVA ähnelten. Leider war die Zeit zwischen Gemini 10 und 11 zu kurz dafür, als dass schon Dick Gordon davon hätte profitieren können. An der EVA-Ausrüstung wurde seit Gemini 10 nichts verändert. Neu war ein Experiment, bei dem eine Verbindungsleine zwischen Agena und Gemini angebracht werden sollte. Danach sollten sich beide Raumschiffe wieder trennen und einen Formationsflug testen.

Der Start von Gemini 11 verzögerte sich mehrfach. Zuerst fanden Techniker in der Titan Trägerrakete ein Leck, danach schaltete sich der Bordcomputer des GATV 11 bei einem Test vor dem Start ab. Schließlich klappte der Start am 12.9.1966 nach einer Verzögerung von acht Minuten, nachdem sich zuerst eine der Luken der Gemini Kapsel nicht hermetisch schloss. Erstmals schaffte Conrad das Ankoppeln an die Agena bereits in der ersten Erdumrundung. Erneut sollte an einen GATV-Zielkörper gekoppelt werden und Außenbordaktivitäten durchgeführt werden. Acht weitere wissenschaftliche und technologische Experimente standen ebenfalls auf dem Programm.

Conrad hatte lediglich 44% des vorgesehenen Treibstoffs verbraucht und so waren weitere Kopplungstests möglich. Conrad schaffte dies, obwohl der Radarabstandsmesser des GATV 11 ausgefallen war und er sich nur auf die Augen verlassen konnte. Jeder Astronaut machte zwei An- und Abkoppelübungen mit dem GATV. Nach dem letzten Ankoppeln an das GATV brachte die Agena mit der Zündung ihres Haupttriebwerks Gemini 11 in eine Höhe von 1.390 km. Das war umstritten, weil in dieser Höhe die Strahlungsbelastung schon beträchtlich höher als auf den sonst nur 300 km hohen Umlaufbahnen ist. Die Astronauten (vor allem Pete Conrad) waren jedoch dafür und dies gab den Ausschlag. Dabei entstanden die bis dahin besten Fotos der Erde. Conrad wollte damit auch testen, ob Farbbilder bei Wettersatelliten sinnvoll wären. Als Gemini 11 den 300 km hohen Orbit wieder erreicht hatte, brachte Gordon bei einer EVA ein 30 m langes Seil zwischen Agena und Gemini an. Er kletterte dazu über die Nase zur Agena und „ritt auf ihr“. Weitere Aktivitäten mussten abgebrochen werden, da erneut die Klimaanlage des Raumanzugs nicht mit der produzierten Wärme und dem Schweiß fertig wurde. Gordons Visier beschlug und Streulicht blendete ihn auf dem rechten Auge.

Conrad strich zwei Experimente und holte Gordon zurück in die Kapsel. Auch das Reinigen der Fensterscheiben von außen wurde abgesagt. Dies führte insgesamt zu einer Verkürzung des Ausstiegs. Gegenüber Gemini 9 hatte McDonnell mehr Haltegriffe an der Kapsel angebracht und die Halteleine von 15 auf 9 m verkürzt. Doch diese Änderungen reichten noch immer nicht aus. Nach dem Einsteigen in die Kapsel fand ein Test der Rotation beider Raumschiffe um den gemeinsamen Schwerpunkt statt. Da die Rotation mit sechs Minuten Umlaufzeit sehr langsam war, ergab sich auch nur eine geringe Mikrogravitation. Gegen Ende des 14.9. fiel eine der Brennstoffzellen aus, doch die anderen konnten die Last übernehmen. Nach insgesamt drei Tagen landete die Kapsel, erstmals vollautomatisch vom Bordcomputer gesteuert, 4,6 km vom Zielpunkt entfernt. Gemini 11 hatte damit einige Ziele erreicht: Die Ankopplungen hatten geklappt und auch die Zündungen des Triebwerks. Alle Beteiligten konnten Missionserfahrung und zwei weitere Astronauten Kopplungserfahrung sammeln. Dazu kam die erfolgreiche Steuerung des Wiedereintritts durch den Computer. Noch immer konnte die NASA aber den Menüpunkt „Arbeit im Weltraum“ nicht als erledigt abhaken. Nach Ansicht von Gordon hätte die NASA dafür weitaus weniger Flüge benötigt, wenn sie sich mehr Zeit gelassen hätte, um die Lehren einer Mission zu verarbeiten und in den Missionsplan einzuarbeiten. Doch zum damaligen Zeitpunkt war dies keine Option: Drei Monate nach Gemini 12 sollte schließlich schon die erste Apollomission starten.

 

Bücher vom Autor

Es gibt von mir vier Bücher zum Thema bemannte Raumfahrt. Alle Bücher beschäftigen vor allem mit der Technik, die Missionen kommen nicht zu kurz, stehen aber nicht wie bei anderen Büchern über bemannte Raumfahrt im Vordergrund.

Das erste bemannte Raumfahrtprogramm der USA, das Mercuryprogramm begann schon vor Gründung der NASA und jährt sich 2018 zum 60-sten Mal. Das war für mich der Anlass, ein umfangreiches (368 Seiten) langes Buch zu schreiben, das alle Aspekte dieses Programms abdeckt. Der Bogen ist daher breit gestreut. Es beginnt mit der Geschichte der bemannten Raumfahrt in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg. Es kommt dann eine ausführliche technische Beschreibung des Raumschiffs (vor 1962: Kapsel). Dem schließt sich ein analoges Kapitel über die Technik der eingesetzten Träger Redstone, Little Joe und Atlas an. Ein Blick auf Wostok und ein Vergleich Mercury bildet das dritte Kapitel. Der menschliche Faktor - die Astronautenauswahl, das Training aber auch das Schicksal nach den Mercurymissionen bildet das fünfte Kapitel. Das sechs befasst sich mit der Infrastruktur wie Mercurykontrollzentrum, Tracking-Netzwerk und Trainern. Das umfangreichste Kapitel, das fast ein Drittel des Buchs ausmacht sind natürlich die Missionsbeschreibungen. Abgeschlossen wird das Buch durch eine Nachbetrachtung und einen Vergleich mit dem laufenden CCDev Programm. Dazu kommt wie in jedem meiner Bücher ein Abkürzungsverzeichnis, Literaturverzeichnis und empfehlenswerte Literatur. Mit 368 Seiten, rund 50 Tabellen und 120 Abbildungen ist es das bisher umfangreichste Buch von mir über bemannte Raumfahrt.

Mein erstes Buch, Das Gemini Programm: Technik und Geschichte gibt es mittlerweile in der dritten, erweiterten Auflage. "erweitert" bezieht sich auf die erste Auflage die nur 68 Seiten stark war. Trotzdem ist mit 144 Seiten die dritte Auflage immer noch kompakt. Sie enthält trotzdem das wichtigste über das Programm, eine Kurzbeschreibung aller Missionen und einen Ausblick auf die Pläne mit Gemini Raumschiffen den Mond zu umrunden und für eine militärische Nutzung im Rahmen des "Blue Gemini" und MOL Programms. Es ist für alle zu empfehlen die sich kurz und kompakt über dieses heute weitgehend verdrängte Programm informieren wollen.

Mein zweites Buch, Das ATV und die Versorgung der ISS: Die Versorgungssysteme der Raumstation , das ebenfalls in einer aktualisierten und erweiterten Auflage erschienen ist, beschäftigt sich mit einem sehr speziellen Thema: Der Versorgung des Raumstation, besonders mit dem europäischen Beitrag dem ATV. Dieser Transporter ist nicht nur das größte jemals in Europa gebaute Raumschiff (und der leistungsfähigste Versorger der ISS), es ist auch ein technisch anspruchsvolles und das vielseitigste Transportfahrzeug. Darüber hinaus werden die anderen Versorgungsschiffe (Space Shuttle/MPLM, Sojus, Progress, HTV, Cygnus und Dragon besprochen. Die erfolgreiche Mission des ersten ATV Jules Verne wird nochmals lebendig und ein Ausblick auf die folgenden wird gegeben. Den Abschluss bildet ein Kapitel über Ausbaupläne und Möglichkeiten des Raumfrachters bis hin zu einem eigenständigen Zugang zum Weltraum. Die dritte und finale Auflage enthält nun die Details aller Flüge der fünf gestarteten ATV.

Das Buch Die ISS: Geschichte und Technik der Internationalen Raumstation ist eine kompakte Einführung in die ISS. Es wird sowohl die Geschichte der Raumstation wie auch die einzelnen Module besprochen. Wie der Titel verrät liegt das Hauptaugenmerk auf der Technik. Die Funktion jedes Moduls wird erläutert. Zahlreiche Tabellen nehmen die technischen Daten auf. Besonderes Augenmerk liegt auf den Problemen bei den Aufbau der ISS. Den ausufernden Kosten, den Folgen der Columbia Katastrophe und der Einstellungsbeschluss unter der Präsidentschaft von George W. Bush. Angerissen werden die vorhandenen und geplanten Transportsysteme und die Forschung an Bord der Station.

Durch die Beschränkung auf den Technischen und geschichtlichen Aspekt ist ein Buch entstanden, das kompakt und trotzdem kompetent über die ISS informiert und einen preiswerten Einstieg in die Materie. Zusammen mit dem Buch über das ATV gewinnt der Leser einen guten Überblick über die heutige Situation der ISS vor allem im Hinblick auf die noch offene Versorgungsproblematik.

Die zweite Auflage ist rund 80 Seiten dicker als die erste und enthält eine kurze Geschichte der Raumstationen, die wesentlichen Ereignisse von 2010 bis 2015, eine eingehendere Diskussion über die Forschung und Sinn und Zweck der Raumstation sowie ein ausführliches Kapitel über die Versorgungsraumschiffe zusätzlich.

Das bisher letzte Buch Skylab: Amerikas einzige Raumstation ist mein bisher umfangreichstes im Themenbereich bemannte Raumfahrt. Die Raumstation wurde als einziges vieler ambitioniertes Apollonachfolgeprojekte umgesetzt. Beschrieben wird im Detail ihre Projektgeschichte, den Aufbau der Module und die durchgeführten Experimente. Die Missionen und die Dramatik der Rettung werden nochmals lebendig, genauso wie die Bemühungen die Raumstation Ende der siebziger Jahre vor dem Verglühen zu bewahren und die Bestrebungen sie nicht über Land niedergehen zu lasen. Abgerundet wird das Buch mit den Plänen für das zweite Flugexemplar Skylab B und ein Vergleich mit der Architektur der ISS.  Es ist mein umfangreichstes Buch zum Thema bemannte Raumfahrt. Im Mai 2016 erschien es nach Auslaufen des Erstvertrages neu, der Inhalt ist derselbe (es gab seitdem keine neuen Erkenntnisse über die Station), aber es ist durch gesunkene Druckkosten 5 Euro billiger.

Mehr über diese und andere Bücher von mir zum Thema Raumfahrt finden sie auf der Website Raumfahrtbücher.de. Dort werden sie auch über Neuerscheinungen informiert. Die Bücher kann man auch direkt beim Verlag bestellen. Der Versand ist kostenlos und wenn sie dies tun erhält der Autor auch noch eine etwas höhere Marge. Sie erhalten dort auch die jeweils aktuelle Version, Bei Amazon und Co tummeln sich auch die Vorauflagen.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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