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Mercury Redstone BD (24.3.1961)

Start von MR-BDSchon die Bezeichnung zeigt, dass dieser Start von den anderen abweicht. Nach Mercury Redstone 2 sollte eigentlich Mercury Redstone 3 folgen, der erste bemannte Einsatz der Redstone mit Astronaut Alan Shepard.

Doch wegen des zu hohen Treibstoffverbrauchs bei Mercury Redstone 2 forderte von Braun einen weiteren Start, um sicherzugehen, dass der nächste Flug reibungslos verlief. Das MSFC hatte Korrekturen bei den drei Problemen, die man beim letzten Flug feststellte, vorgenommen und wollte diese bei einem weiteren Einsatz überprüfen. Am 13.2.1961 übermittelte Joachim Küttner, Verbindungsmann und Beauftragter der MSFC für das Mercuryprogramm, eine Liste von zehn Punkten an die STG, die man an der Redstone überprüfen sollte. Nach der Einschätzung des MSFC hatte die Redstone eine Zuverlässigkeit von 88 Prozent für eine erfolgreiche Mission und 98 Prozent für die Rettung des Astronauten. Werte, die für sie inakzeptabel niedrig waren.

Die Space Task Group hatte eine andere Meinung. Für sie zählte das Raumschiff. Das hatte bei Mercury Redstone 2 tadellos funktioniert. Dass die Kapsel 200 km vom Kurs entfernt wasserte und erst nach Stunden geborgen werden konnte, war zwar ärgerlich, aber wenn es ein bemannter Flug gewesen wäre, so wäre der Astronaut so lange in der Kapsel in Sicherheit gewesen. Das Hauptproblem, das die STG hatte, war die Zeit: Das Projekt war nach zweieinhalb Jahren schon ein Jahr hinter dem Zeitplan und wer weiß, wie weit die Sowjets waren? Würden sie zuerst einen Menschen ins All schießen?

Alan Shepard, meinte, man habe die Probleme identifiziert und Lösungen erarbeitet, man bräuchte also keinen weiteren Test. Ebenso dachten die anderen Astronauten. Bei der STG rechnete man offen damit, dass einer oder zwei Astronauten bei dem Programm sterben würden. 98 Prozent Zuverlässigkeit seien zu wenig? Auf diesen Wert würde die Atlas nie kommen, wurde gemunkelt.

Von Braun brachte das Gegenargument, das zum einen man nicht mit einer Rakete starten sollte, bei der es Schwachstellen gab. Zum anderen bedeutete der höhere Schub eine höhere Belastung des Passagiers. Noch unangenehmer waren die induzierten Vibrationen. Von Braun hielt die Redstone ohne einen weiteren Test nicht für qualifiziert, einen Menschen ins All zu bringen. Joachim Küttner erinnerte die STG an die Basisregel, dass man einem Start nicht durchführt, wenn nicht alle Beteiligten für ihn sind. Zudem war die Kapsel von MR-2 fast gesunken, Landesack und Hitzeschutzschild zerrissen und sie verlor die Atmosphäre.

Die Argumente waren nicht von der Hand zu weisen. So genehmigte die STG einen weiteren Start der Redstone, bestand aber auf dem Kürzel "BD", was für Booster Development", also Trägerentwicklung stand. Das MSFC wollte ihn "Mercury Redstone 2A" taufen. Durch die STG wurde daher trotz der Mängel der Kapsel bei MR-2 auch kein Flugexemplar einer Mercurykapsel gestellt, sondern das Boilerplate von Little Joe 1B (S. 255). Es wurde fest mit der Redstone verbunden, hatte keine Trennraketen und der Fluchtturm war nur ein Modell. Damit das Modell die Masse und den Schwerpunkt der Kapsel #7 (für den ersten bemannten Einsatz) aufwies, wurde Ballast zugeladen. Auf Wunsch der Navy wurde eine SOFAR-Bombe mit einer Detonationstiefe von 900 m (3000 Fuß) hinzugenommen. Die STG stellte klar, das dies ein reiner Qualifikationsflug der Redstone vom MSFC war, und es keinerlei Unterstützung seitens der STG gab.

System

Gewicht

Kapsel:

1.287 kg

Fluchtturm:

488 kg

Adapter zur Redstone:

57 kg

Gesamtmasse:

1.832 kg


Mercury Redstone 2 verbrauchte zu viel Treibstoff, weil durch die Vibrationen ein Ventil zu viel Wasserstoffperoxid in den Gasgenerator ließ. Die Steuerung für den Treibstoffzufluss und Schubregulation wurde modifiziert, damit dies nicht erneut vorkommen konnte.

Die Vibrationen bekämpfte man durch vier Versteifungen an den Finnen und dem Zuladen von 95 kg Ballast in der Instrumentensektion. Ein komplettes Verbrauchen des Treibstoffs war durch eine verbesserte Steuerung nun ausgeschlossen. Sie erzeugte zu einer vorgegebenen Zeit oder bei Erreichen der Zielgeschwindigkeit das Abschaltsignal.

Der bisherige Geschwindigkeitsintegrator, der das Triebwerk bei Erreichen der Zielgeschwindigkeit abschaltete, hatte bisher einen Fehler von 3 Prozent. Aufgrund der bisherigen Flüge, die beide weiter führten als geplant, hatte man ihn verbessert. Auch diesmal erreichte die Redstone eine höhere Geschwindigkeit als geplant, der Fehler war mit 1 Prozent aber in einem Bereich, der die Missionskontrolle zufriedenstellte. 65 zusätzliche Telemetriekanäle lieferten weitere Daten von der Rakete, anhand derer man die erste bemannte Mission besser planen konnte.

Parameter

Vorgabe

Wert

Zielgeschwindigkeit:

1.972,5 m/s

2000,8 m/s

Gipfelhöhe:

183,7 km

187 km

Weite:

500,8 km

494,7 km

Um zu testen, in wieweit die Redstone beim Start einem Cherry-Picker für die Rettung des Astronauten gefährlich werden konnte, der nach Besteigen der Kapsel herangefahren wird, platzierte man bewusst einen Lastwagen 20 m neben der Rakete. Es zeigte sich das die Schäden durch den Start minimal waren. Etwas weiter entfernt befanden sich Feuerwehrleute in 300 m Entfernung in einem gepanzerten M113 Schützenpanzer, ebenfalls als Übung für den Ernstfall.

Das Team um von Braun beeilte sich und zog den Start vor, der ursprünglich für den 28.3.1961 geplant war.

Der Flug Redstone BD verlief ohne Probleme. Redstone und Kapsel landeten 494 km vom Startort entfernt (8 km weniger als geplant). Der Flug dauerte 8:23 Minuten. Da die Kapsel von der Redstone nicht getrennt wurde, versanken beide im Ozean. Vorher löste die Kapsel noch die SOFAR-Bombe aus.

Der Flug war ein voller Erfolg. Es wurde nur noch eine Spitzenbeschleunigung von 11 g registriert (weniger als die 12 g als Vorgabe) und die Vibrationen waren viel geringer als bei Mercury-Redstone 2. Damit war der Weg frei für den ersten bemannten Einsatz mit Alan Shepard.

Russland hat den Test beobachtet und stufte ihn, da die Kapsel nicht geborgen wurde, als Fehlschlag ein. Russland führte einen Tag später den letzten unbemannten Test ihres Wostokraumschiffs mit einem Hund und einer Puppe durch. Amerika war noch nicht so weit, ein Lebewesen in einen Orbit zu schicken.

Wäre dieser Test nicht nötig gewesen, so hätte Alan Shepard einige Tage vor Gagarin als erster Mensch den Weltraum erreicht. Der Flug von MR-BD verzögerte MR-3 um etwa zwei Monate.

Doch spätestens mit Gagarins Flug am 12.4.1961, wäre der suborbitale Hüpfer deklassiert worden. Trotzdem versprachen sich die politisch Verantwortlichen im Mercuryprojekt durch die dadurch möglichen positiven Schlagzeilen einen Schub für das Programm, der durch diesen zusätzlichen Qualifikationsflug ihrer Ansicht nach leichtfertig aufgegeben wurde. Allerdings ist dies eine typische Nachbetrachtung: Wann die UdSSR Gagarin starten würde, wusste nicht einmal die CIA. Besonders Chris Kraft lässt in seinen Memoiren seine Wut auf die "Deutschen" freien Lauf, die so "verhinderten", das Shepard vor Gagarin startet. Auf der anderen Seite verteidigte Abe Silverstein in einer Kongressanhörung das Vorgehen.

Bücher vom Autor

Es gibt von mir vier Bücher zum Thema bemannte Raumfahrt. Alle Bücher beschäftigen vor allem mit der Technik, die Missionen kommen nicht zu kurz, stehen aber nicht wie bei anderen Büchern über bemannte Raumfahrt im Vordergrund.

Das erste bemannte Raumfahrtprogramm der USA, das Mercuryprogramm begann schon vor Gründung der NASA und jährt sich 2018 zum 60-sten Mal. Das war für mich der Anlass, ein umfangreiches (368 Seiten) langes Buch zu schreiben, das alle Aspekte dieses Programms abdeckt. Der Bogen ist daher breit gestreut. Es beginnt mit der Geschichte der bemannten Raumfahrt in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg. Es kommt dann eine ausführliche technische Beschreibung des Raumschiffs (vor 1962: Kapsel). Dem schließt sich ein analoges Kapitel über die Technik der eingesetzten Träger Redstone, Little Joe und Atlas an. Ein Blick auf Wostok und ein Vergleich Mercury bildet das dritte Kapitel. Der menschliche Faktor - die Astronautenauswahl, das Training aber auch das Schicksal nach den Mercurymissionen bildet das fünfte Kapitel. Das sechs befasst sich mit der Infrastruktur wie Mercurykontrollzentrum, Tracking-Netzwerk und Trainern. Das umfangreichste Kapitel, das fast ein Drittel des Buchs ausmacht sind natürlich die Missionsbeschreibungen. Abgeschlossen wird das Buch durch eine Nachbetrachtung und einen Vergleich mit dem laufenden CCDev Programm. Dazu kommt wie in jedem meiner Bücher ein Abkürzungsverzeichnis, Literaturverzeichnis und empfehlenswerte Literatur. Mit 368 Seiten, rund 50 Tabellen und 120 Abbildungen ist es das bisher umfangreichste Buch von mir über bemannte Raumfahrt.

Mein erstes Buch, Das Gemini Programm: Technik und Geschichte gibt es mittlerweile in der dritten, erweiterten Auflage. "erweitert" bezieht sich auf die erste Auflage die nur 68 Seiten stark war. Trotzdem ist mit 144 Seiten die dritte Auflage immer noch kompakt. Sie enthält trotzdem das wichtigste über das Programm, eine Kurzbeschreibung aller Missionen und einen Ausblick auf die Pläne mit Gemini Raumschiffen den Mond zu umrunden und für eine militärische Nutzung im Rahmen des "Blue Gemini" und MOL Programms. Es ist für alle zu empfehlen die sich kurz und kompakt über dieses heute weitgehend verdrängte Programm informieren wollen.

Mein zweites Buch, Das ATV und die Versorgung der ISS: Die Versorgungssysteme der Raumstation , das ebenfalls in einer aktualisierten und erweiterten Auflage erschienen ist, beschäftigt sich mit einem sehr speziellen Thema: Der Versorgung des Raumstation, besonders mit dem europäischen Beitrag dem ATV. Dieser Transporter ist nicht nur das größte jemals in Europa gebaute Raumschiff (und der leistungsfähigste Versorger der ISS), es ist auch ein technisch anspruchsvolles und das vielseitigste Transportfahrzeug. Darüber hinaus werden die anderen Versorgungsschiffe (Space Shuttle/MPLM, Sojus, Progress, HTV, Cygnus und Dragon besprochen. Die erfolgreiche Mission des ersten ATV Jules Verne wird nochmals lebendig und ein Ausblick auf die folgenden wird gegeben. Den Abschluss bildet ein Kapitel über Ausbaupläne und Möglichkeiten des Raumfrachters bis hin zu einem eigenständigen Zugang zum Weltraum. Die dritte und finale Auflage enthält nun die Details aller Flüge der fünf gestarteten ATV.

Das Buch Die ISS: Geschichte und Technik der Internationalen Raumstation ist eine kompakte Einführung in die ISS. Es wird sowohl die Geschichte der Raumstation wie auch die einzelnen Module besprochen. Wie der Titel verrät liegt das Hauptaugenmerk auf der Technik. Die Funktion jedes Moduls wird erläutert. Zahlreiche Tabellen nehmen die technischen Daten auf. Besonderes Augenmerk liegt auf den Problemen bei den Aufbau der ISS. Den ausufernden Kosten, den Folgen der Columbia Katastrophe und der Einstellungsbeschluss unter der Präsidentschaft von George W. Bush. Angerissen werden die vorhandenen und geplanten Transportsysteme und die Forschung an Bord der Station.

Durch die Beschränkung auf den Technischen und geschichtlichen Aspekt ist ein Buch entstanden, das kompakt und trotzdem kompetent über die ISS informiert und einen preiswerten Einstieg in die Materie. Zusammen mit dem Buch über das ATV gewinnt der Leser einen guten Überblick über die heutige Situation der ISS vor allem im Hinblick auf die noch offene Versorgungsproblematik.

Die zweite Auflage ist rund 80 Seiten dicker als die erste und enthält eine kurze Geschichte der Raumstationen, die wesentlichen Ereignisse von 2010 bis 2015, eine eingehendere Diskussion über die Forschung und Sinn und Zweck der Raumstation sowie ein ausführliches Kapitel über die Versorgungsraumschiffe zusätzlich.

Das bisher letzte Buch Skylab: Amerikas einzige Raumstation ist mein bisher umfangreichstes im Themenbereich bemannte Raumfahrt. Die Raumstation wurde als einziges vieler ambitioniertes Apollonachfolgeprojekte umgesetzt. Beschrieben wird im Detail ihre Projektgeschichte, den Aufbau der Module und die durchgeführten Experimente. Die Missionen und die Dramatik der Rettung werden nochmals lebendig, genauso wie die Bemühungen die Raumstation Ende der siebziger Jahre vor dem Verglühen zu bewahren und die Bestrebungen sie nicht über Land niedergehen zu lasen. Abgerundet wird das Buch mit den Plänen für das zweite Flugexemplar Skylab B und ein Vergleich mit der Architektur der ISS.  Es ist mein umfangreichstes Buch zum Thema bemannte Raumfahrt. Im Mai 2016 erschien es nach Auslaufen des Erstvertrages neu, der Inhalt ist derselbe (es gab seitdem keine neuen Erkenntnisse über die Station), aber es ist durch gesunkene Druckkosten 5 Euro billiger.

Mehr über diese und andere Bücher von mir zum Thema Raumfahrt finden sie auf der Website Raumfahrtbücher.de. Dort werden sie auch über Neuerscheinungen informiert. Die Bücher kann man auch direkt beim Verlag bestellen. Der Versand ist kostenlos und wenn sie dies tun erhält der Autor auch noch eine etwas höhere Marge. Sie erhalten dort auch die jeweils aktuelle Version, Bei Amazon und Co tummeln sich auch die Vorauflagen.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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