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Wo wird ihr Teleskop aufgestellt?

Wir leben alle in einem Industrieland. Dies hat unmittelbare Folgen für das Beobachten. Millionen von Kraftfahrzeugen, Industriebetrieben und privaten Heizungen produzieren Staub und Aerosole die bei Nacht das Licht der Straßenbeleuchtung reflektiert und so den Himmel aufhellt. Zudem ergibt sich durch die Wärme von Heizungen oder abgestrahlt im Sommer durch aufgeheizten Asphalt eine turbulente Strömung die Bilder im Teleskop verschmiert und Sterne "tanzen" lässt.

Der Ort wo ihr Teleskop aufgestellt wird (und dies muss nicht ihr Wohnort sein) bestimmt daher fast noch mehr als ihr Teleskop was sie sehen können oder nicht können.

Refraktor Fall 1: Sie leben in einer Großstadt oder einem Ballungsgebiet.

Typischerweise sehen sie selbst in klaren Nächten nur die hellsten Sterne und dann relativ wenige (einige Hundert). Die Milchstraße haben sie wahrscheinlich nur im Planetarium gesehen.

Es hat bei diesem Ort keinen (oder nur wenig) Sinn zu versuchen das zu beobachten was man als "Nebel" bezeichnet: Gasnebel und Galaxien. Selbst bei großem Teleskopen haben sie das Manko, das sie zwar die Aufhellung des Himmels durch mehr Öffnung kompensieren können, aber nicht den Verlust an Kontrast, die Objekte heben sich nicht mehr deutlich vom Nachthimmel ab. Viele Sternfreunde machen aus der Not eine Tugend und beobachten nur helle Objekte wie Planeten, Mond und Sonne. Doch auch Sternhaufen sind noch möglich, wenn sie auch auf die helleren beschränkt sind. Sie sollten sich überlegen ob ein guter Refraktor (80-120 mm) für sie eine Wahl wäre. Ansonsten kommt eine Teleskop vom Newton (4-8") oder Schmidt-Cassegrain (bis 8") Typ in Frage. Sie sollten aber nicht zu viel Geld in große Öffnungen investieren und ihre Finger von den großen Dobsons für die Beobachtung schwacher Objekte lassen. Das gleiche gilt für die Langzeit-Astrophotographie.

SobsonFall 2 Sie leben in einer Ortschaft, aber nicht direkt in einem Ballungsraum.

Sie sehen dann schon deutlich mehr, können in klaren Nächten sogar die Milchstraße erahnen und typischerweise um die 1000 Sterne. Hier ist die Situation schon besser. Sie können eigentlich alles beobachten,, haben aber ein Handicap bei Deep-Sky Objekten sie sehr schwach sind. Sie können eigentlich alle Teleskoptypen nutzen. Viele Sternfreunde setzen dann gern ein Allround-Instrument wie einen größeren (6-8") Newton oder ein 8" Schmidt-Cassegrain ein.

Fall 3: Sie leben in einer ländlichen Gegend oder im Gebirge.

Glückwunsch: Wenn bei Ihnen die Nacht noch wirklich dunkel wird. Sie die Milchstraße gut erkennen können und der Himmel in einer Klaren Nacht wie Diamanten auf Samt aussieht, dann wohnen sie in den wenigen Gegenden in denen in Deutschland es noch klare Luft gibt. Sie können hier alles beobachten, doch die meisten nutzen dies aus und spezialisieren sich auf schwache Objekte wie "Deep Sky" Objekte wie Gasnebel und Galaxien. Zum Einsatz kommen dann größere Newton oder Schmidt-Cassegrain Teleskope (8-10") wenn man fotografiert oder wenn man nur beobachtet, dann große Dobsons (von 12-16" Größe) - das entsprechende Kleingeld vorausgesetzt. Doch auch mit einem kleinen Fernrohr kann man hier deutlich mehr sehen als mit einem großen in der Stadt.

Fazit

Ihr Standort definiert was sie mit einem Teleskop sehen. Ich rate insbesondere jemanden der noch keine Ahnung hat, dazu wenn er gehandikapt in seinem Beobachtungsort ist, als erstes Teleskop einen kleinen Refraktor (80 mm) oder Newton (114 mm) zu kaufen. Man hat dann ein Vielzweckinstrument und evt. nicht zu viel Geld in den Sand gesetzt.

Einige Empfehlungen

Ich habe mich bemüht auf mehreren Seiten das Fachwissen für einen Teleskopkauf zusammenzutragen. Trotzdem werde ich immer wieder gefragt ob ich das Teleskop X oder Y empfehlen kann. Das ganze ist sehr schwierig, da man aufgrund der Beschreibungen eigentlich nur schwer ein Urteil abgeben kann.

Ich habe hier trotzdem drei Empfehlungen zusammen getragen die im Preis zwischen 200 und 300 Euro liegen - Darunter sollte man auf keinen Fall ein Teleskop kaufen, sonst geht es wirklich auf Kosten der Qualität. Auch bei den hier angegeben Teleskopen muss man Kompromisse machen, vor allem bei der Montierung. Aber ein Gerät ohne Kompromisse kann den vielfachen Preis dieser Angebote ausmachen.

Refraktoren (Linsenfernrohre)

Refraktoren haben meist die beste Abbildungsleistung, sie gelten auch als unempfindlich und daher eher für Anfänger geeignet. Allerdings bekommt man dafür auch am wenigsten Teleskop fürs Geld. Der Einblick hinten ist schwer wenn man senkrecht zum Zenit schaut. Bei den günstigen Modellen findet man meist Achromaten, diese haben Farbfehler. um diese zu minimieren sollte man ein möglichst langbrennweitiges Modell wählen. Gut eigenen sich Refraktoren zur Planetenbeobachtung und zur Beobachtung von Mond und Sonne (mit Zusatzfilter). Hier zeigen sie kontrastreiche Abbildungen und auch benötigt man hier keine so großen Teleskope. Die weitgehend farbetruen Apochromate sind für einen Hobbyisten mit kleinem Budget fast nicht zu bezahlen, sie kosten ein vielfaches der Achromaten. Eine sinnvolle Einstiegsgröße sind 80 mm. Ich habe ein sehr günstiges 90 mm Modell gefunden das ich hier empfehle:

Reflektoren (Linsenfernrohre)

Bei kleinen Teleskopen dominieren die Newtons die sehr preiswert sind. Der Einblick oben am Tubus auf einer Montierung ist in jeder Position gut, man bekommt bei leichten Abstrichen in der Abbildungsleistung wesentlich mehr Teleskop fürs Geld. In diesem fall einen 150 mm Newton für nur wenig höheren Preis vergleichen mit dem 90 cm Refraktor. Alternativ bekommt man auch einen 130 mm Newton bei einem Preis unter 200 Euro. Ein Newton auf parallaktischer Montierung ist ein gutes Allround Instrument und auch mein erstes Teleskop war ein solches Newton Teleskop.

Wenn es nur um die Teleskopgröße gibt, so sind Dobsons die geeignete Wahl. Es gibt bei den kleineren billigen Dobsons nur einen Hersteller, einer chinesischen Firma. Die Angebote unterscheiden sich im Zubehör. Für den gleichen Preis eines 150 mm Fernrohrs auf einer parallaktischen Montierung bekommt man hier ein 200 mm Gerät. Dafür muss man aber mit den Einschränkungen eines Dobsons leben: Die Nachführung des ganzen Tubus ist schwerer als die Steuerung einer Achse an einer Montierung und das Einblickverhalten ist durch die niedrige Höhe bei horizontnahen Objekten sehr schlecht. Von allen Teleskopen ist dieses das lichtstärkste (Refraktor 1:10, dieses hier 1:6). Es eignet sich für die Beobachtung lichtschwacher Objekte am besten.


Sie finden ähnliche Fernrohre auch bei anderen Anbietern. Bei diesen hier habe ich auch das Zubehör geprüft, so enthalten diese Super-Plössl Okulare. Wenn sie ein billigeres Angebot sehen (diese Fernrohre gibt es bei zahlreichen Händlern) achten sie vor allem auf das Zubehör und die Ausstattung und vergleichen sie diese.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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