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Teleskoptest: Astromaster 90 und Bresser Startravel

Einleitung

Dies ist der Erste (und wahrscheinlich, weil es doch ein teures Hobby ist) auch einzige Teleskopvergleichstest von mir. Daher sollte ich mal erläutern, wie es zu dem Kauf von zwei Instrumenten kam. Ich habe in den Neunzigern viel fotografiert und dafür ein eigenes Instrument, einen Schmidt-Newton mit 8 Zoll (203 mm) Durchmesser und einem "kurzen" Öffnungsverhältnis von 4 angeschafft. Ich habe es aber schließlich aufgegeben. Das Problem ist, das in der Nähe von Stuttgart die Lichtverschmutzung stark ist und Aufnahmen schon nach 10 Minuten stark aufgehellt waren. Zudem musste man damals von Hand nachführen, das bedeutet die ganze Zeit mit einem Fadenkreuzokular einen Leitstern verfolgen und mit einer Steuerbox von Hand nachkorrigieren. Ich habe das Fotografieren schließlich aufgegeben und nur noch visuell beobachtet mit einem 10 Zoll Dobson. Er ist allerdings unhandlich und nur selten wuchte ihn auf den Balkon.

Nachdem ich mir zum Fotografieren eine gebrauchte DSLR zugelegt habe (eine Canon EOS 300D mit 6 MPixel) kam der Wunsch auf doch wieder zu fotografieren. Doch nicht mit einem großen Instrument. Für einen Ersatz des Schmidt-Newtons mit einem Autoguider müsste ich mindestens 2000 Euro investieren und aus dem Alter, wo ich stundenlang nachts fotografiere, bin ich raus. Doch einfach nur das Fotografieren von Sternbildern oder der Milchstraße mit einem Teleobjektiv erschien mir attraktiv.

Tests mit maximaler Belichtungszeit ohne Drahtauslöser (30 s) zeigen schon einen deutlich aufgehellten Himmel, sodass ich nur eine kurze Belichtungszeit anstreben konnte und das bedeutet auch das die Anforderungen (zusammen mit der kurzen Brennweite an eine Nachführung kleiner sind). Eine unerwartete Einnahme Ende 2016 führte dann dazu, dass ich mir den Wunsch gönnte. Gedacht war zuerst nur an eine Montierung mit Fotoadapter und Nachführung. So etwas bietet z.B. Bresser mit der EQ-1, Kameraadapter und Nachführmotor für rund 200 € an. Das war zuerst für mich auch das, was ich haben wollte. Als ich dann verschiedene Shops nach den Preisen kontrollierte stellte ich fest das beim Astroshop ein gebrauchter Celestron Astromaster 90 für nur wenig mehr angeboten wurde. Ich wollte schon immer ein Linsenteleskop, fürs visuelle Beobachten von leuchtstarken Objekten ist es ideal und das Seeing ist hier auch nicht so gut, dass sich ein größerer Refraktor lohnt. Zudem hat der Astromaster eine Schnellkupplung, mit der man schnell den Tubus durch eine Digitalkamera ersetzen kann. So könnte man – das war die Idee zwei Dinge mit einem Teleskop erledigen.

Das Gerät entpuppte sich als Fehlkauf (siehe Test) sodass ich meine erste Option wieder verfolgte. Doch auch hier sah ich eine interessante Alternative: Die Montierung EQ-1 kostet 89.-, für nur 60 Euro mehr gab es sie als Startravel 80 mit einem kurzbrennweitiges Refraktor. Ich dachte mir, das wäre eigentlich auch ein weiteres "Teleobjektiv", das an mein Teleobjektiv mit 300 mm Öffnung anschließt. So habe ich mir diesen gekauft und kann nur beide Teleskope vergleichen.

VrgleichLieferumfang und Preis

Ohne Nachführmotor kostet der Startraveler 149.- und der Celestron Astromaster 90 269.- Euro. Die 120 Euro sind absolut gesehen bei großen Geräten wenig, in dieser Preisklasse aber schon ein Riesenunterschied. Das sind schon ¾ des Preises des günstigeren Gerätes. Man würde dadurch einen deutlichen Unterschied in der Ausstattung wahrnehmen.

Der Astromaster kommt mit einem 90-mm-Refraktor mit 1000 mm Brennweite, einer CG-3 Montierung mit Schnellkupplung. Dazu kommen zwei Okulare mit 10 und 20 mm Brennweite und ein geradsichtiger Sucher mit LED-Beleuchtung.

Der Bresser Startravel kommt mit einer EQ-1 Montierung, der billigsten und einfachsten Montierung von Bresser, deren Nummerierung bis 8 geht. Dazu eine Barlowlinse mit Faktor 2, ebenfalls zwei Okulare mit 10 und 25 mm Brennweite (auf die ich aber verzichtet habe, da ich außer den beiden von Celestron schon einen kompletten Satz habe) und ein echtes Sucherfernrohr mit Schnellkupplung.

An Dokumentation gibt es beim Astromaster eine Schnellanleitung in Farbe und zwei Manuale in Französisch und Englisch. Dazu eine CD-ROM mit Redshift 7 und eine weitere von Celestron. Der Startravel kommt mit einer deutschen und englischen Anleitung, die deutsche bei mir sogar zweimal (einmal fotokopiert) und einer englischsprachigen Broschüre "Your Teleskope". Hinsichtlich Dokumentation punktet also schon mal der Bresser. Es ist immer von Vorteil, wenn man die Dokumentation in der Landessprache findet. Zwar ist auf der CD-ROM auch die deutsche Version vorhanden, aber wer bitte druckt sich diese für den Zusammenbau aus? Der ist eigentlich auch so selbsterklärend. Es gibt nur einen Punkt, der einen Blick ins Manual nötig macht, das ist die Einstellung der Achse auf den Breitengrad des Startortes. Dazu muss man zwei Schrauben festziehen. Die erste Schraube reicht von einer Seite nach innen, und blockiert den Weg eines Schwenkteils und legt so den Breitengrad nach oben fest, die Zweite senkrecht dazu fixiert dieses Teil, damit es nicht in die andere Richtung „abhauen“ kann. Kapiert habe ich dies aber erst, als ich beim Startravel das Gleiche noch mal machte, diesmal war es aber in Deutsch erläutert. Die CD-ROMS mit Software (plus einer ESA-CD) habe ich nicht bewertet. Zumal man Redshift auch kostenlos als BASIC Version herunterladen kann.

So komme ich zu dem erstaunlichen Urteil, das der deutlich preiswertere Startravel in der Austattung punktet, denn:

Mit der Barlowlinse kommt man auf die Vergrößerungen von 16,32,40 und 80. Alle diese Vergrößerungen sind sinnvoll bei der kurzen Brennweite des Teleskops. Eine Barlowlinse macht bei dem langbrennweitigen Astromaster keinen Sinn, denn das 10-mm-Okular ist schon an dem Optimum der Vergrößerung und mit Barlow würde man übervergrößern und das 20-mm-Okular würde zu einem 10-mm-Okular mit Barlow werden. Eine sinnvolle Okularausstattung für dieses Instrument wäre mit Barlow ein 32 mm (Grenze bei 1,25 Durchmesser des Okularauszugs) und ein 20 mm. Damit würde man Vergrößerungen von 34, 50, 68 und 100 erreichen.

Anders als der separat erhältliche OTA (Optical Tube Assembly, Tubus mit Rohrschellen und Sucher) hat der Bresser ein echtes 6 x 30 Sucherfernrohr. Der Polsucher des Astromasters ist nur ein einfaches Rohr mit Fadenkreuz, ohne Vergrößerung. Das Paradoxe: Bei 400 mm Brennweite kommt man beim Startravel eigentlich ohne Sucherfernrohr aus. Er ist kurzbrennweitig genug um ihn grob auszurichten und dann mit dem 25-mm-Okular nach dem Ziel zu suchen (Vergrößerung: 16-fach, Sucher schaffen 6-9 fache Vergrößerung). Dagegen braucht man beim Astromaster mit einem 20-mm-Okular (kleinste Vergrößerung: 50-fach) definitiv ein echtes Sucherfernrohr, sonst ist man immer am Rödeln um den Bildausschnitt zu finden.

Kurzum: Hinsichtlich Ausstattung geht der Punkt eindeutig an den Startravel 80.

Montierung

Die Montierung ist bei preiswerten Teleskopen der wunde Punkt. Da das Einsteigersegment sich an Einsteiger richtet und die noch keine Ahnung haben. Sie schauen auf die Daten der Optik, die dann oft auf eine Montierung gesetzt wird die eigentlich dieses Gewicht nicht tragen können. Ich dachte trotzdem, hier auf der sicheren Seite zu sein. Celestron ist zum einen ein sehr bekannter, traditioneller Markenhersteller, der auch deutlich teurer als Bresser oder andere Marken sind. Bei Bresser kenne ich von anderen Teleskopen das man diese auf zu schwache Montierungen stellt. Doch der Tubus des Startravelers wiegt 1,5 kg und die EQ-1 ist auf 5 kg ausgelegt. Selbst wenn man noch ein Kilogramm für die Kamera hinzurechnet,  kommt man nur auf die Hälfte der Maximalbelastung. Die CG-3 ist mit maximal 12,3 kg geratet und wird von Celestron auch für einen 130/650 Newton eingesetzt. Nun ist ein Vergleich schwierig, weil der 130-mm-Newton zwar einen größeren Tubus hat, aber kürzer gebaut ist und damit einen kleineren Hebel hat. Mit 12,3 kg Tragkraft ist sie aber auch ausreichend dimensioniert.

Ich dachte ich wäre bei beiden Marken hier auf der sicheren Seite. Dem war aber nicht so. Schon bei ersten visuellen Tests zeigte sich, dass die CG3 Montierung einige Schwächen hat. Der erste ist sofort sichtbar. Wenn man ein Teleskop auf ein Objekt ausrichten will, muss man zuerst einmal die Achsen festklemmen, damit es sich nicht bewegt. Danach kann man mit Wellen an den RA- (Rektaszension) und DE (Deklnation) Achsen das Teleskop fein bewegen. Der Astromaster hat einen 1 m langen Tubus, der nach Vorne noch von einer 15 cm langen Taukappe abgerundet wird und hinten der Okularauszug. Die Schnellkupplung ist im Prinzip ein Metallstück mit trapezförmigen Profil, das in eine Schiene geschoben und dann mit zwei Schrauben fixiert wird. An ihm ist der Tubus fest angebracht. Auf den ersten Blick ist das toll, man kann sehr schnell den Tubus durch eine ähnliche Schiene mit der Digitalkamera austauschen. Das ist viel einfacher, als die Digitalkamera auf der Rädelschraube an den Rohrschellen des Startravel zu befestigen (wobei bei meiner dann auch immer der Gurt im Wege ist). Aber diese Schiene ist viel zu kurz. Es gibt 1 cm Spielraum sie zu verschieben und das reicht nicht. Schon mit einem 32-mm-Okular ist der Astromaster 90 nicht ausballanciert, der hintere Teil ist zu schwer und kippt nach unten. Wie das erst mit einer Digitalkamera ist, kann man sich dann denken, die addiert ein weiteres Pfund Gewicht und dies noch mit einem starken Hebelarm. Man muss also mit einer Hand das Okular oder Kamera festhalten, möglichst nicht verrücken und dann die Schraubklemme mit der anderen festziehen. Als wäre das nicht aufwendig genug: Weil der Astomaster zu weit vorne befestigt ist, kommt man mit der Hand, wenn man hinten am Okularauszug ist, nicht mehr an die Klemme. Also das Prisma zur Seite drehen, dass man neben das Teleskop stehen kann und dann geht es.

Der Sucher ist so deplatziert. Er hat einen geraden Einblick und kann so eigentlich nur genutzt werden, wenn man horizontnahe Objekte beobachtet. Bei schon etwas steileren Winkel müsste man stark in die Hocke gehen, um in den Sucher sehen zu können. Zudem ist bei geradem Einblick dann der Okularauszug im Weg. Die übliche Platzierung des Suchers bei Refraktoren am Okularauszug ist in diesem Fall doppelt kontraproduktiv: er bringt noch mehr Gewicht auf den schon belasteten Hebelarm und wenn er direkt über der Schiene wäre, könnte man an der Montierung stehen und durch den Sucher einen Bereich auswählen und die Achse festziehen. Zumindest für Okulare hält die Achse noch, mit einer DSLR neigt sie sich in jedem Falle. Für Mondaufnahmen musste ich die Spiegelreflex unten festhalten und auf den Drahtauslöser drücken und dann hoffen, dass es nicht verzieht.

Das hat mich doch schwer enttäuscht, denn die CG3 Montierung macht an und für sich einen deutlich wertigen Eindruck. Man sieht es an dem verbauten Metall, je mehr es davon gibt desto stabiler ist eigentlich eine Montierung. Das Stahlstativ ist deutlich stabiler und schwerer als das Aluminiumstativ der EQ-1 und die Schrauben zum Festdrehen sind größer und liegen besser in der Hand als die der EQ-1. Doch das alles nützt nichts, wenn die Schrauben das Gewicht nicht halten. Die Fehlkonstruktion setzt sich fort in den Wellen für RA-Achse und DE-Achse. Sie liegen gut in der Hand, aber sie sind viel zu kurz. Auch an sie kommt man mit der Hand nicht vom Okularauszug heran. Die Wellen der EQ-1 sind deutlich länger, wenn auch nicht mit so griffigen Schrauben und sie sitzen auch nicht so gut auf den Befestigungen.

Die EQ-1 ist sicher keine großartige Montierung. Doch für den relativ kleinen Refraktor mit einem Öffnungsverhältnis von 5 (400 mm Brennweite bei 80 mm Durchmesser) reicht sie durchaus aus. Hier wird deutlich mehr gespart. Die Klemmschrauben für RA- und DE-Achse sind einfach, es gibt wenig Metall, das Aluminiumstativ ist leichter und macht einen nicht so stabilen Eindruck. Doch es gibt hier keinen der Mängel der CG3-Montierung. Das Einzige, was mir negativ auffiel, war, das, wenn man die Achse festdreht, dann bewegt sich das Blickfeld um etwa ein Drittel des Gesichtsfeldes eines 32-mm-Okulars, was in etwa auch dem Blickfeld meiner APS-C Kamera entspricht.

Positiv fällt eine Schraube an einer der beiden Rohrschellen auf, auf der man eine Digitalkamera direkt befestigen kann. Da man die Kamera dafür aber drehen muss, muss man, selbst wenn man, wie ich diese Rohrschelle als vordere nimmt, der Sucher weichen. Das geht jedoch schnell. Er kann einfach weggezogen werden. Er wird einfach in einen Schuh gesteckt und auch das Sucherfernrohr kann schnell herausgenommen werden: Zwei Schrauben legen das Gesichtsfeld fest, eine Dritte Schraube durch eine Feder nach innen gedrückt wird fixiert es. So kann man es leicht aus der Halterung ziehen. Sehr praktisch. Ich habe es inzwischen abmontiert, weil man für einen so kurzbrennweitigen Refraktor eigentlich keinen Sucher braucht.

Das Stativ selbst ist für meinen Geschmack etwas zu kurz, wie auch beim direkten Vergleich deutlich auffällt. Für diesen kleinen Refraktor ist das ohne Belang, weil man selbst bei Zenitbeobachtungen sich nicht bücken muss. Doch vom Gewicht her könnte man auf der gleichen Montierung auch einen 80 mm/1000 mm Refraktor unterbringen und dann hat man einen Tubus, der so lang ist wie der Astromaster. Bei diesem muss man sich schon, wenn man nicht zum Zenit schaut, sondern so auf halbem Wege zwischen Horizont und Zenit in die Hocke gehen, um in das Fernrohr zu schauen. Das ist aber systemimmanent bei langen Refraktoren. Leider kann man bei der CQ-3 durch die fest montierte Schiene die Position nicht verändern.

Das Problem hat man bei dem Tubus des Startravel nicht. Er hat Standard Rohrschellen und die habe ich gleich bei der Montage um 2 cm nach vorne verschoben, weil ich ja vorhatte, eine Digitalkamera hinten anzubringen. Was man verbesser könnte, wären die viel zu kleinen nicht griffigen schrauben für das Anziehen der Achsen und die Wellen, die lange nicht so gut auf den Achsen sitzen wie beim Astromaster. Da merkt man ebn doch das die gesamte Montierung nur wenig teurer als ein Standard-Fotostativ ist.

Optik

Bei der Optik punktet der Astromaster. Beide Instrumente sind Achromate. Bei ihnen besteht die Optik aus zwei Linsen mit einem kleinen Luftspalt zwischen ihnen. Diese Konstruktion verringert den bei Linsenfernrohren immer vorhandenen Farbfehler. Das bedeutet um ein Objekt herum das einen großen Kontrast zur Umgebung hat gibt es einen Farbsaum. Für die Lösung dieses Problems gibt es zwei Ansätze. Das eine ist eine dritte Linse hinzunehmen, die dann auch noch aus einem speziellen Material sein muss, um den Fehler zu korrigieren. Man erhält einen Apochromaten, der jedoch um einiges teurer als ein Achromat ist. Ein Apochromat (nur Tubus) mit 80 mm Öffnung kostet 800 Euro, der Aufpreis des Startravel zur Montierung beträgt dagegen nur 60 Euro. Die zweite Möglichkeit ist das man ein langbrennweitiges Instrument (F/D = 8 oder größer) baut, da der Farbfehler um so größer ist je, je stärker die Linse das Licht bricht.

Das sieht man dann auch bei beiden Instrumenten. Der Astromaster 90 hat keinen sichtbaren Farbfehler. Weder um Mond noch um Planeten sieht man Farbsäume. Dafür ist er zu langbrennweitig mit F/D=11,1. Man handelt sich dafür andere Probleme ein, wie eben das schlechte Handling eines solchen langen Instrumentes (wie oben beschrieben).

Der Startravel hat, wenn man ihn zur Erdbeobachtung einsetzt, einen deutlichen Farbfehler. Bilder der Kamera zeigen Blaugelbe Farbkanten um hohe Kontraste wie Kirchenkreuz vor bewölktem Himmel (ich benutze den nächsten Kirchenturm, um bei Tage den Fokus für die Kamera festzulegen, da dies bei Nacht wegen des lichtarmen Bildes im Sucher praktisch unmöglich ist). Bei der visuellen Beobachtung sieht man bei Tage erste Andeutungen eines Farbsaumes mit 20 mm Brennweite. Er wird dann immer stärker und bei 5 mm Brennweite, eigentlich der Brennweite mit dem Optimum der Vergrößerung (= Durchmesser der Optik in Millimetern) verschwimmt das Bild. Das ist zu erwarten. Mit 60 Euro Aufpreis zur EQ1 kostet die Optik weniger als ein Fernglas gleicher Größe und hat dann entsprechende Fehler. Für die Naturbeobachtung ist es mit kleinen Vergrößerungen gut geeignet. 20 mm Brennweite, bei der ich das Phänomen erstmals wahrnahm, entsprechen immer 25-facher Vergrößerung. Für die Fotografie bei Tage ist der Refraktor nicht geeignet. Bei der Astrofotografie ist der Fokus am Ende des Auszugs. Ein etwas längerer Auszug wäre sinnvoll, vor allem wenn man einen kurzen T-2 Adapter hat. Mit der Barlow Linse wie auch einer Zweiten Barlow, die ich schon hatte, bekam ich keinen Fokus mit dem Instrument beim Einsatz einer Kamera.

Ansonsten sieht man das Instrument für die Fotografie gedacht ist: Es gibt am Auszug eine Fixierungsschraube, damit sich nicht der Fokus wieder verstellt, man kann sie eben auch nutzen, um das Instrument am Tage zu fokussieren an einem entfernten Objekt. Zudem kann man über den T-2 Anschluss eine Kamera direkt anschließen, für den Astromaster braucht man dafür einen T-2 auf 1,25 Zoll oder 2 Zoll Adapter.

Bei der Beobachtung in der Nacht gibt es Farbsäume nur bei hellen Objekten wie Planeten und Mond. Schon beim Altair, einem der hellsten Sterne sieht man nur seien rote Farbe, aber keinen Farbsaum mehr, Erst recht nicht bei lichtschwächeren Sternen. Für die visuelle Beobachtung ist ein so kurzbrennweitiger Refraktor eigentlich nicht gedacht, aber es gibt wirklich eindrucksvolle Einblicke. Noch nie konnte ich in einem Teleskop vom Gürtel des Orions bis zur Schwerspitze das halbe Sternbild überblicken. Der Orionnebel ist samt Trapez gut sichtbar und bei der Beobachtung machen auch größere Vergrößerungen (ich bin bis auf 5 mm, das entspricht 80-fach, gegangen) Sinn.

ZenitprismaDie Unterschiede in dem Zubehör setzen sich fot. Bei Celestron gibt es ein Zenitprisma aus Plastik mit einer kleinen, im Dunkeln nicht leicht bedienbaren Rändelschraube. Vor allem aber ist die Öffnung so eng, dass man ein Okular oder auch den Kameraadapter mit Gewalt reinschieben muss, was wiederum die Position des Tubus verändert. Auch hier eine Fehlkonstruktion.

Bei Bresser (im Bild links) ein Zenitprisma aus Metall. Beide erlauben den Anschluss von 1,25 Zoll Okularen. Für 2 Zoll Okulare muss das Zenitprisma samt Adapter weichen. Durch die kurze Brennweite machen 2 Zoll Okulare aber nur beim Astromaster Sinn. Um sein Öffnungsverhältnis von 11 auszunutzen, bräuchte man für eine Austrittspupille von 6 mm, die man selbst im hohen Alter noch erreicht ein 66-mm-Okular. So etwas gibt es nicht mal in 2 Zoll Ausführung (da hört es meistens bei 50 mm Brennweite auf). Dagegen erreicht man mit einem 32-mm-Okular, dem größten 1,25-Zoll-Okular mit „normalen“ (nicht großen ), Gesichtsfeld von 50-62 Grad) beim Startravel eine Austrittspupille von 6,4 mm.

Über die Okulare möchte ich mich nicht auslassen, weil ich beim Startraveler auf die Okulare verzichtet habe, um Geld zu sparen. Ich habe schon einen Satz von früheren Teleskopen. Die Celestron Okulare sind in jedem Falle von billiger Bauart. Sie sind kurz, leicht und die Vergütung sowohl auf Tubus wie Augenseite ist blau, wie ich sie auch von billigen Kellner-Okularen kenne. Normal sind bei hochwertigen Okularen Mehrschichtvergütungen üblich, die dann grün schimmern. Beim Bresser sollten Super-Plössls mitgeliefert werden, was zumindest eine Qualitätsstufe über den günstigen Plössls ist. Die Barlow fällt allerdings auch nicht durch große Verarbeitungsqualität auf. Sie ist relativ kurz und das Oberteil ist aus Plastik anstatt Metall.

Fazit

Der Astromaster könnte ein tolles Teleskop sein, aber der Hersteller hat es vermasselt. Auf der einen Seite wird an Stellen gespart, wo es wenig Sinn macht, so an einem Sucher ohne Vergrößerung in einem Plastikgehäuse und aus Plastik, einem Zenitprisma aus Plastik.

Vor allem aber gibt es deutliche Mängel an der Konzeption, die man abstellen könnte:

Beim Bresser Startravel gibt es auch Kritikpunkte, aber deutlich weniger:

Wofür eignet sich welches Instrument?

Wie der Name schon sagt, ist der Startraveller eigentlich als Reiseinstrument gedacht, also für diejenigen, die ein Teleskop auf Reise mitnehmen wollen. Er passt mit Montierung in ein kleines Paket und ist auch nicht zu schwer. Man kann ihn für die Fotografie nutzen, sollte dazu aber eine Motorsteuerung ergänzen (die von mir gekaufte war leider bei Auslieferung defekt, sodass ich dies nicht testen konnte). Ich könnte mir ihn auch gut zur Naturbeobachtung vorstellen, doch dann wird man ihn auf eine azimutale Montierung stellen. Man sollte sich wegen des Farbsaums dann auf niedrige Vergrößerungen mit Okularen von 20 bis 32 mm Brennweite beschränken. Die ist leichter und für Objekte nahe der Erde viel besser geeignet. Er ist eigentlich kein Instrument für die visuelle Beobachtung, auch weil man seine Maximalvergrößerung mit gängigen Okularen kaum ausnutzen kann. Dafür machen bei dieser niedrigen Vergrößerung Himmelsspaziergänge echt Spaß, es ist mit einem 32-mm-Okular fast wie, wenn man durch ein Fernglas schaut.

Der Astromaster wäre ein langbrennweitiger Refraktor gerade prädestiniert für die visuelle Beobachtung von Planeten und Mond. Niedrige Vergrößerungen gehen nicht oder nur, wenn man mindestens genauso viel wie das Teleskop kostet, in einen 2-Zoll-Zenitspiegel und 2 Zoll Okulare investiert. Die Optik leistet dies auch, aber die Montierung patzt auf voller Länge. In der Form kann ich vom Kauf nur abraten. Da durch den langen Tubus die Beobachtung zenitnaher Objekte schon schwer ist, wäre wohl ein 114-mm-Newton wohl ein besseres Universalinstrument.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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