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Die Missionen des Gemini Programms: Gemini 10

GATV 10GATV 10 (18.7.1966)

Der Start des dritten GATV gelang problemlos. Die Agena gelangte in einen nahezu kreisförmigen, 300 km hohen Orbit. Nach dem Abkoppeln von Gemini 10 wurde das Antriebssystem des GATV zweimal erneut gezündet. Einmal am 20.7.1966 um einen 386 × 1.390 km hohen Orbit zu erreichen und die Temperatureffekte in dieser Höhe zu studieren (es gab keine signifikanten Änderungen), sowie eine weitere Zündung des sekundären Systems, um einen 352 km hohen kreisförmigen Orbit zu erreichen. Insgesamt führte die Agena Oberstufe 1.700 Kommandos aus. Davon wurden 1.350 vom Boden und 350 von Gemini 10 übermittelt. Am 29.12.1966, nach 163 Tagen im Orbit, verglühte die Agena beim Wiedereintritt.

Gemini 10 (18.-21.7.1966)

Besatzung: John Watts Young und Michael "Mike" Collins
Ersatzmannschaft: Alan LaVern Bean und Clifton Curtis Williams

Gemini 10 sollte nun das Koppeln mit dem dritten GATV endlich durchführen. Letzteres wurde am selben Tag wie Gemini 10, nur 100 Minuten vor der Kapsel, erfolgreich gestartet. Erstmals sollten Astronauten ihren Kurs mit Hilfe eines Sextanten und des Bordrechners ermitteln. Die Ergebnisse waren jedoch so ungenau, dass die Bodenkontrolle wieder die Steuerung des Raumschiffs übernahm.

Weiterhin gab es 15 wissenschaftliche, technische und medizinische Experimente, die zum einen bisherige Untersuchungen ergänzten (Erdfotografie, Mikrometeoritendetektion) aber auch neue Untersuchungen. So sollte eine astronomische, im UV-Spektralbereich empfindliche Kamera getestet und die Ionendichte gemessen werden.

Die Bahn von Gemini 10 wies nach dem Start einen relativ großen Fehler in der räumlichen Lage auf. Als Folge verbrauchte Gemini 10 bis zum Ankoppeln an die Agena in der vierten Erdumkreisung 60 % des vorhandenen Treibstoffs, doppelt so viel wie vorgesehen. Das machte eine Änderung des Flugplanes notwendig. Solange Gemini mit dem GATV verbunden war, sollte die Agena sämtliche Korrekturmanöver durchführen.

Das Triebwerk des GATV wurde für 14 s gezündet, womit Gemini 10 eine elliptische Umlaufbahn von 763 km maximaler Entfernung zur Erde erreichte. Dabei handelt es sich um den bisher höchsten Orbit. Eine weitere 13 s dauernde Zündung des GATV nach acht Umläufen brachte die Kapsel wieder in die vorherige Umlaufbahn. Ein drittes Zünden des GATV brachte die Kombination auf einen nahezu kreisförmigen, 380 km hohen Orbit; denselben, den das GATV 8 hatte. Young machte Aufnahmen im UV-Spektralbereich bei offener Luke (Stand-Up EVA). Danach wurde vom GATV 10 abgekoppelt.

Nun näherte sich Gemini 10, ausschließlich mit optischer Navigation, dem Zieladapter GATV 8. Da die Batterien der Agena längst entladen waren, konnte sich die Besatzung weder auf die Blinklichter, noch auf den Radar Transponder verlassen. Dies bedeutete eine neue Herausforderung, die von der Gemini 10 Mannschaft gemeistert wurde. Das NORAD lieferte die Bahndaten des Zielkörpers und Young manövrierte zu den vorgegebenen Koordinaten, bis er die Agena optisch in einigen Kilometern Entfernung ausmachen konnte. Hier sollte die EVA stattfinden. Collins hatte einen Raumanzug mit dem ESP, vergleichbar demjenigen bei Gemini 8, aber mit Verbesserungen nach den Erfahrungen mit Gemini 9. Er war jedoch nicht verstärkt wie bei Gemini 9 und daher waren Bewegungen mit weniger körperlicher Anstrengung verbunden. Weitere Verbesserungen betrafen die Fingerkuppen, welche nun eine geriffelte Oberfläche für einen besseren Halt hatten, sowie das Visier, welches durch ein Spray so behandelt wurde, dass es nicht beschlug.

Start von Gemini 10Doch wie bei Gemini 9 gab es Probleme, als die eigentliche EVA anstand. Collins sollte vom 2 m entfernten Docking Adapter der Agena eine Platte abmontieren, mit der die Mikrometeoritenzahl im Weltall bestimmt werden sollte. Das gelang wegen der glatten Oberfläche erst beim zweiten Versuch. Beim Zurückkehren verhedderte er sich zudem in der Sicherheitsleine und verlor die 70-mm Kamera und damit alle Fotos von der EVA. Die Leine wickelte sich um seinen Körper und das Anbringen einer Austauschplatte musste abgesagt werden. Die EVA musste wegen eines zu hohen Treibstoffverbrauchs seiner Manövrierpistole nach 40 Minuten vorzeitig beendet werden. Insgesamt verlief die EVA mit der Zip-Pistole jedoch deutlich besser, als der Versuch, die AMU bei Gemini 9 anzulegen.

Nach drei Stunden entfernte sich Gemini 10 vom GATV 8. Alle weiteren Experimente funktionierten. Probleme gab es mit einer geplatzten Kohlendioxidkassette, deren Chemi­kalien in den Sauerstoffkreislauf gerieten. Die Astronauten klagten in der Folge über brennende und tränende Augen.

Erstmals war ein Kopplungsmanöver reibungslos verlaufen. Es gelang sogar, die Annäherung an eine noch inaktive Agena einer vorhergehenden Mission, ohne das deren Systeme dies unterstützt hätten. Das gab Zuversicht. David Scott sagte später über diesen Punkt von Gemini: "You go away back, it was a big mystery doing a rendezvous. Magic mysterious stuff! Now it's just straight off - choof bang". Da die Kopplung das Hauptziel von Gemini war, wurde sogar erwogen die beiden letzten Missionen zu streichen. Doch da die Hardware schon bezahlt war, plante die NASA nun weitere Aktivitäten für die beiden verbliebenen Missionen (Verbindung der Agena mit der Kapsel durch ein Seil, Ankopplung während des ersten Orbits) und setzte sich eine Deadline bis zum Ende des Jahres. Danach sollten die ersten Apollo Flügen beginnen.

Nach der 43. Erdumrundung landete Gemini 10 etwa 6,3 km vom vorgesehenen Zielgebiet entfernt im Atlantik. Die NASA bewertete Gemini 10 als vollen Erfolg. Jedoch sah die Flugkontrolle erneut die Probleme bei der EVA, vor allem, da es keine Fixierung des Astronauten gab. Das führte zur Modifikation der Kapsel für Gemini 12.

Young und Collins

Bücher vom Autor

Es gibt von mir vier Bücher zum Thema bemannte Raumfahrt. Alle Bücher beschäftigen vor allem mit der Technik, die Missionen kommen nicht zu kurz, stehen aber nicht wie bei anderen Büchern über bemannte Raumfahrt im Vordergrund.

Das erste bemannte Raumfahrtprogramm der USA, das Mercuryprogramm begann schon vor Gründung der NASA und jährt sich 2018 zum 60-sten Mal. Das war für mich der Anlass, ein umfangreiches (368 Seiten) langes Buch zu schreiben, das alle Aspekte dieses Programms abdeckt. Der Bogen ist daher breit gestreut. Es beginnt mit der Geschichte der bemannten Raumfahrt in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg. Es kommt dann eine ausführliche technische Beschreibung des Raumschiffs (vor 1962: Kapsel). Dem schließt sich ein analoges Kapitel über die Technik der eingesetzten Träger Redstone, Little Joe und Atlas an. Ein Blick auf Wostok und ein Vergleich Mercury bildet das dritte Kapitel. Der menschliche Faktor - die Astronautenauswahl, das Training aber auch das Schicksal nach den Mercurymissionen bildet das fünfte Kapitel. Das sechs befasst sich mit der Infrastruktur wie Mercurykontrollzentrum, Tracking-Netzwerk und Trainern. Das umfangreichste Kapitel, das fast ein Drittel des Buchs ausmacht sind natürlich die Missionsbeschreibungen. Abgeschlossen wird das Buch durch eine Nachbetrachtung und einen Vergleich mit dem laufenden CCDev Programm. Dazu kommt wie in jedem meiner Bücher ein Abkürzungsverzeichnis, Literaturverzeichnis und empfehlenswerte Literatur. Mit 368 Seiten, rund 50 Tabellen und 120 Abbildungen ist es das bisher umfangreichste Buch von mir über bemannte Raumfahrt.

Mein erstes Buch, Das Gemini Programm: Technik und Geschichte gibt es mittlerweile in der dritten, erweiterten Auflage. "erweitert" bezieht sich auf die erste Auflage die nur 68 Seiten stark war. Trotzdem ist mit 144 Seiten die dritte Auflage immer noch kompakt. Sie enthält trotzdem das wichtigste über das Programm, eine Kurzbeschreibung aller Missionen und einen Ausblick auf die Pläne mit Gemini Raumschiffen den Mond zu umrunden und für eine militärische Nutzung im Rahmen des "Blue Gemini" und MOL Programms. Es ist für alle zu empfehlen die sich kurz und kompakt über dieses heute weitgehend verdrängte Programm informieren wollen.

Mein zweites Buch, Das ATV und die Versorgung der ISS: Die Versorgungssysteme der Raumstation , das ebenfalls in einer aktualisierten und erweiterten Auflage erschienen ist, beschäftigt sich mit einem sehr speziellen Thema: Der Versorgung des Raumstation, besonders mit dem europäischen Beitrag dem ATV. Dieser Transporter ist nicht nur das größte jemals in Europa gebaute Raumschiff (und der leistungsfähigste Versorger der ISS), es ist auch ein technisch anspruchsvolles und das vielseitigste Transportfahrzeug. Darüber hinaus werden die anderen Versorgungsschiffe (Space Shuttle/MPLM, Sojus, Progress, HTV, Cygnus und Dragon besprochen. Die erfolgreiche Mission des ersten ATV Jules Verne wird nochmals lebendig und ein Ausblick auf die folgenden wird gegeben. Den Abschluss bildet ein Kapitel über Ausbaupläne und Möglichkeiten des Raumfrachters bis hin zu einem eigenständigen Zugang zum Weltraum. Die dritte und finale Auflage enthält nun die Details aller Flüge der fünf gestarteten ATV.

Das Buch Die ISS: Geschichte und Technik der Internationalen Raumstation ist eine kompakte Einführung in die ISS. Es wird sowohl die Geschichte der Raumstation wie auch die einzelnen Module besprochen. Wie der Titel verrät liegt das Hauptaugenmerk auf der Technik. Die Funktion jedes Moduls wird erläutert. Zahlreiche Tabellen nehmen die technischen Daten auf. Besonderes Augenmerk liegt auf den Problemen bei den Aufbau der ISS. Den ausufernden Kosten, den Folgen der Columbia Katastrophe und der Einstellungsbeschluss unter der Präsidentschaft von George W. Bush. Angerissen werden die vorhandenen und geplanten Transportsysteme und die Forschung an Bord der Station.

Durch die Beschränkung auf den Technischen und geschichtlichen Aspekt ist ein Buch entstanden, das kompakt und trotzdem kompetent über die ISS informiert und einen preiswerten Einstieg in die Materie. Zusammen mit dem Buch über das ATV gewinnt der Leser einen guten Überblick über die heutige Situation der ISS vor allem im Hinblick auf die noch offene Versorgungsproblematik.

Die zweite Auflage ist rund 80 Seiten dicker als die erste und enthält eine kurze Geschichte der Raumstationen, die wesentlichen Ereignisse von 2010 bis 2015, eine eingehendere Diskussion über die Forschung und Sinn und Zweck der Raumstation sowie ein ausführliches Kapitel über die Versorgungsraumschiffe zusätzlich.

Das bisher letzte Buch Skylab: Amerikas einzige Raumstation ist mein bisher umfangreichstes im Themenbereich bemannte Raumfahrt. Die Raumstation wurde als einziges vieler ambitioniertes Apollonachfolgeprojekte umgesetzt. Beschrieben wird im Detail ihre Projektgeschichte, den Aufbau der Module und die durchgeführten Experimente. Die Missionen und die Dramatik der Rettung werden nochmals lebendig, genauso wie die Bemühungen die Raumstation Ende der siebziger Jahre vor dem Verglühen zu bewahren und die Bestrebungen sie nicht über Land niedergehen zu lasen. Abgerundet wird das Buch mit den Plänen für das zweite Flugexemplar Skylab B und ein Vergleich mit der Architektur der ISS.  Es ist mein umfangreichstes Buch zum Thema bemannte Raumfahrt. Im Mai 2016 erschien es nach Auslaufen des Erstvertrages neu, der Inhalt ist derselbe (es gab seitdem keine neuen Erkenntnisse über die Station), aber es ist durch gesunkene Druckkosten 5 Euro billiger.

Mehr über diese und andere Bücher von mir zum Thema Raumfahrt finden sie auf der Website Raumfahrtbücher.de. Dort werden sie auch über Neuerscheinungen informiert. Die Bücher kann man auch direkt beim Verlag bestellen. Der Versand ist kostenlos und wenn sie dies tun erhält der Autor auch noch eine etwas höhere Marge. Sie erhalten dort auch die jeweils aktuelle Version, Bei Amazon und Co tummeln sich auch die Vorauflagen.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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