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Die Missionen des Gemini Programms: Gemini 8

GATV 8 (16.3.1966)

GATV 8Der Start des zweiten GATV klappte reibungslos. Erstmals hatte die NASA nun ein Kopplungsziel im Weltraum. 101 Minuten vor dem Abheben von Gemini 8 startete die Atlas-Agena in einen nahezu kreisförmigen Orbit von 300 km Höhe. Nachdem Gemini 8 das Kopplungsmanöver abgebrochen hatte, wurde die Stufe für weitere Tests genutzt. Zuerst wurde die Umlaufbahn auf 380 km Höhe angehoben, damit sie länger in der Umlaufbahn blieb. Danach gab es acht weitere Zündungen des primären und zwei des sekundären Antriebssystems.

Insgesamt 5.439 Kommandos wurden zur Agena übertragen, bis nach 10 Tagen die Batterie erschöpft war. Sowohl die Betriebsdauer als auch Anzahl Zündungen, waren deutlich höher als die Anforderungen für Gemini. Die Agena hatte sich bestens rehabilitiert, nachdem ihr zuerst das Scheitern von Gemini 8 zugeschrieben wurde. Im Juli 1966 nutzte Gemini 10 das GATV 8 als Rendezvousziel, jedoch ohne anzukoppeln. Dank des hohen Orbits verweilte die Agena bis zum 15.9.1967 im Orbit, bis sie nach 548 Tagen wieder in die Erdatmosphäre eintrat.

Gemini 8 (16.-17.3.1966)

Besatzung: Neil Alden Armstrong und David Randolph Scott
Ersatzmannschaft: Charles „Pete“ Conrad und Richard Francis „Dick“ Gordon

Nachdem das Ziel erreicht wurde, die Missionsdauer eines späteren Apollo-Raumflugs zu übertreffen, ging es nun an das nächste Ziel, das Ankoppeln an einen Körper im Orbit. Primäres Ziel von Gemini 8 war eine Dreitagesmission mit Kopplung an das GATV 8. Danach sollte Scott aussteigen und aus dem Gepäckraum einen Rucksack holen, Erde und Sternhimmel fotografieren, mit einer Manövrierpistole sich zur GATV 8 bewegen und dort ein Gerät zur Mikrometeoritendetektion aktivieren sowie einige Werkzeuge im Weltraum erproben. Dazu sollte ein „Extravehicular Support Package“ (ESP) eingesetzt werden. Es war ein Zwischenschritt zwischen der von White eingesetzten Zip Pistole und der Astronaut Maneuvering Unit (AMU), die bei Gemini 9 erprobt werden sollte.

Wie die AMU befand sich das ESP am Heck des Ausrüstungsteils. Sie wurde als „Backpack“ wie ein Rucksack getragen, hatte eine eigene Sauerstoffversorgung und ein Sprechfunkgerät. Anders als die AMU setzte sie aber die Zip-Pistole zum Manövrieren ein. 8 kg Freon-14 in Druckgasflaschen sollten eine längere Bewegungszeit erlauben. Bei 9 N Schub sollte Scott sich 200 Sekunden (zehnmal so lange wie White) bewegen können. Das ESP war mit dem Lebenserhaltungssystem durch eine 8 m lange Versorgungsleine und eine 24 m lange Sicherheitsleine verbunden. Scott konnte auf eine Versorgung des ESP umschalten und dann die Versorgungsleine ausklinken und sich, gesichert durch die Sicherheitsleine (ein Stahlseil), bis zu 30 m vom Raumschiff entfernen.

Insgesamt drei An- und Abkoppelmanöver mit der GATV 8 waren geplant. Darunter das Anheben des Orbits auf 410 km Höhe. Weitere technologische Experimente galten der Verbesserung der Landegenauigkeit und der Erprobung des Bandspeichers für den Bordcomputer. Hinzu kamen zehn wissenschaftliche Experimente. Insgesamt war Gemini 8 die bisher anspruchsvollste Mission.

Anders als bei Gemini 6 gelang der Start des GATV 8 am selben Tag. Nach sieben Stunden, in der vierten Erdumrundung, hatte sich die Gemini 8 aus ihrem 160 × 272 km hohen Orbit dem GATV 8 genähert und koppelte an. Die radargesteuerte Annäherung und das Ankoppeln gelangen problemlos. Die Flugkontrolle übermittelte vom Boden aus die Kommandosequenz für das Anheben des Orbits zur Agena. Allerdings erhielt die Flugkontrolle lediglich eine Bestätigung des korrekten Empfangs; ein Auslesen des Computerspeichers war vom Boden aus nicht möglich.

Armstrong und Scott27 Minuten nach dem Ankoppeln begann die Kombination immer rascher zu rotieren und erreichte sechs Umdrehungen pro Minute. Da schon der Start der letzten Agena scheiterte und die Astronauten ihr nicht trauten, schalteten Scott und Armstrong zuerst abwechselnd die Agena an und ab (Codes 401 und 400) wie von der Bodenstation für den Fall einer Fehlfunktion vor dem Ankoppeln geraten. Die Gemini Kapsel war während dieser kritischen Phase praktisch auf sich alleine gestellt, da sie nur während etwa 5 Minuten pro Umlauf Funkkontakt zum Boden hatten. Dieser wurde über ein Schiff mit Empfangsantennen hergestellt.

Die Rotation war aber nicht zu stoppen und wurde sogar schneller. Armstrong koppelte ab, weil er den Fehler in der Agena vermutete. Es war jedoch die Gemini Kapsel, bei der eine Düse alle 3 s feuerte. Sie reagierte völlig unberechenbar, unabhängig von den Kommandos, schaltete sich laufend an und aus.

Als Folge wurde durch die verringerte Masse die Rotation noch stärker und erreichte eine Umdrehung pro Sekunde; nahe an der Grenze, bei der die Astronauten bewusstlos geworden wären. Zusätzlich taumelte die Kapsel durch den veränderten Schwerpunkt nun auch noch. Das Gesichtsfeld der Astronauten schränkte sich bereits ein („Tunnelblick“); ein Symptom, das kurz vor der Bewusstlosigkeit auftritt. Es blieb ihnen nur noch eine Wahl: Auf das RCS-System in der Kapsel umzuschalten und das Steuerungssystem der Ausrüstungseinheit völlig von der Stromzufuhr zu trennen. Armstrong tat dies und konnte so die Rotation in der sechsten Erdumkreisung stoppen. Dadurch hatte Armstrong jedoch 75 Prozent des vorhandenen RCS Treibstoffs verbraucht. War das Wiedereintrittssystem einmal in Betrieb genommen, so sahen auch die Anweisungen vor, so rasch wie möglich zu landen. Denn hätten Sie keinen Treibstoff mehr, so wäre die Kapsel nicht ausrichtbar vor der Zündung der Retroraketen und auch danach nicht mehr steuerbar. Das MCC leitete für den nächsten Orbit eine Notlandung ein und die Mission war nach nur 11 Stunden beendet.

Die Bergung der Kapsel, die in der Nähe von Okinawa niederging, 10.000 km vom primären Zielgebiet im Atlantik entfernt, war wegen eines Wellengangs von 6 m Höhe ebenfalls problematisch. Es dauerte drei Stunden, bis der Zerstörer Leonhard Mason mit Maximalgeschwindigkeit Gemini 8 erreicht hatte und die Besatzung geborgen wurde. Die Punktlandung, erstmals vom Bordcomputer mitgesteuert – nur 2 km vom errechneten Zielpunkt entfernt – war die wohl beste Nachricht zur Mission.

Die NASA veröffentlichte zuerst nur eine lapidare Pressemitteilung; die schriftlichen Protokolle des Funkverkehrs folgten erst drei Tage später. Der Tonbandmitschnitt wurde nicht veröffentlicht. Offizielle Begründung war, dass die NASA den Eindruck vermeiden wollte, dass die wegen der 0.35 bar Atmosphäre höher klingenden Stimmen für hysterisch gehalten werden würden. Armstrong hatte sich mit seinem überlegten Verhalten für eine weitere Aufgabe qualifiziert: Sicher spielte dies auch eine Rolle, warum er Kommandant des ersten Fluges wurde, der auf dem Mond landen sollte. Ursache für die dauernd feuernde Steuerdüse war ein Kurzschluss im elektrischen System der Steuerdüsen. Dadurch bekam eine Düse sporadisch Strom und feuerte. Bei den nächsten Kapseln baute McDonnell als Folge zahlreiche Sicherungssysteme ein, die elektrisch betätigte Systeme stromlos machten, falls ein Kurzschluss aufgetreten wäre.

Nach der LandungDie Mission war trotz der spektakulären Notsituation allerdings kein vollständiger Fehlschlag. Im Gegenteil. Das wichtigste Missionsziel, eine Kopplung an die Agena-Oberstufe, als Simulation der Ankopplung des Mondlanders an das Kommando- und Servicemodul im Mondorbit war gelungen. Die Bahnänderung durch die Agena war ein sekundäres Ziel auf das man verzichten konnte.

Bücher vom Autor

Es gibt von mir vier Bücher zum Thema bemannte Raumfahrt. Alle Bücher beschäftigen vor allem mit der Technik, die Missionen kommen nicht zu kurz, stehen aber nicht wie bei anderen Büchern über bemannte Raumfahrt im Vordergrund.

Das erste bemannte Raumfahrtprogramm der USA, das Mercuryprogramm begann schon vor Gründung der NASA und jährt sich 2018 zum 60-sten Mal. Das war für mich der Anlass, ein umfangreiches (368 Seiten) langes Buch zu schreiben, das alle Aspekte dieses Programms abdeckt. Der Bogen ist daher breit gestreut. Es beginnt mit der Geschichte der bemannten Raumfahrt in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg. Es kommt dann eine ausführliche technische Beschreibung des Raumschiffs (vor 1962: Kapsel). Dem schließt sich ein analoges Kapitel über die Technik der eingesetzten Träger Redstone, Little Joe und Atlas an. Ein Blick auf Wostok und ein Vergleich Mercury bildet das dritte Kapitel. Der menschliche Faktor - die Astronautenauswahl, das Training aber auch das Schicksal nach den Mercurymissionen bildet das fünfte Kapitel. Das sechs befasst sich mit der Infrastruktur wie Mercurykontrollzentrum, Tracking-Netzwerk und Trainern. Das umfangreichste Kapitel, das fast ein Drittel des Buchs ausmacht sind natürlich die Missionsbeschreibungen. Abgeschlossen wird das Buch durch eine Nachbetrachtung und einen Vergleich mit dem laufenden CCDev Programm. Dazu kommt wie in jedem meiner Bücher ein Abkürzungsverzeichnis, Literaturverzeichnis und empfehlenswerte Literatur. Mit 368 Seiten, rund 50 Tabellen und 120 Abbildungen ist es das bisher umfangreichste Buch von mir über bemannte Raumfahrt.

Mein erstes Buch, Das Gemini Programm: Technik und Geschichte gibt es mittlerweile in der dritten, erweiterten Auflage. "erweitert" bezieht sich auf die erste Auflage die nur 68 Seiten stark war. Trotzdem ist mit 144 Seiten die dritte Auflage immer noch kompakt. Sie enthält trotzdem das wichtigste über das Programm, eine Kurzbeschreibung aller Missionen und einen Ausblick auf die Pläne mit Gemini Raumschiffen den Mond zu umrunden und für eine militärische Nutzung im Rahmen des "Blue Gemini" und MOL Programms. Es ist für alle zu empfehlen die sich kurz und kompakt über dieses heute weitgehend verdrängte Programm informieren wollen.

Mein zweites Buch, Das ATV und die Versorgung der ISS: Die Versorgungssysteme der Raumstation , das ebenfalls in einer aktualisierten und erweiterten Auflage erschienen ist, beschäftigt sich mit einem sehr speziellen Thema: Der Versorgung des Raumstation, besonders mit dem europäischen Beitrag dem ATV. Dieser Transporter ist nicht nur das größte jemals in Europa gebaute Raumschiff (und der leistungsfähigste Versorger der ISS), es ist auch ein technisch anspruchsvolles und das vielseitigste Transportfahrzeug. Darüber hinaus werden die anderen Versorgungsschiffe (Space Shuttle/MPLM, Sojus, Progress, HTV, Cygnus und Dragon besprochen. Die erfolgreiche Mission des ersten ATV Jules Verne wird nochmals lebendig und ein Ausblick auf die folgenden wird gegeben. Den Abschluss bildet ein Kapitel über Ausbaupläne und Möglichkeiten des Raumfrachters bis hin zu einem eigenständigen Zugang zum Weltraum. Die dritte und finale Auflage enthält nun die Details aller Flüge der fünf gestarteten ATV.

Das Buch Die ISS: Geschichte und Technik der Internationalen Raumstation ist eine kompakte Einführung in die ISS. Es wird sowohl die Geschichte der Raumstation wie auch die einzelnen Module besprochen. Wie der Titel verrät liegt das Hauptaugenmerk auf der Technik. Die Funktion jedes Moduls wird erläutert. Zahlreiche Tabellen nehmen die technischen Daten auf. Besonderes Augenmerk liegt auf den Problemen bei den Aufbau der ISS. Den ausufernden Kosten, den Folgen der Columbia Katastrophe und der Einstellungsbeschluss unter der Präsidentschaft von George W. Bush. Angerissen werden die vorhandenen und geplanten Transportsysteme und die Forschung an Bord der Station.

Durch die Beschränkung auf den Technischen und geschichtlichen Aspekt ist ein Buch entstanden, das kompakt und trotzdem kompetent über die ISS informiert und einen preiswerten Einstieg in die Materie. Zusammen mit dem Buch über das ATV gewinnt der Leser einen guten Überblick über die heutige Situation der ISS vor allem im Hinblick auf die noch offene Versorgungsproblematik.

Die zweite Auflage ist rund 80 Seiten dicker als die erste und enthält eine kurze Geschichte der Raumstationen, die wesentlichen Ereignisse von 2010 bis 2015, eine eingehendere Diskussion über die Forschung und Sinn und Zweck der Raumstation sowie ein ausführliches Kapitel über die Versorgungsraumschiffe zusätzlich.

Das bisher letzte Buch Skylab: Amerikas einzige Raumstation ist mein bisher umfangreichstes im Themenbereich bemannte Raumfahrt. Die Raumstation wurde als einziges vieler ambitioniertes Apollonachfolgeprojekte umgesetzt. Beschrieben wird im Detail ihre Projektgeschichte, den Aufbau der Module und die durchgeführten Experimente. Die Missionen und die Dramatik der Rettung werden nochmals lebendig, genauso wie die Bemühungen die Raumstation Ende der siebziger Jahre vor dem Verglühen zu bewahren und die Bestrebungen sie nicht über Land niedergehen zu lasen. Abgerundet wird das Buch mit den Plänen für das zweite Flugexemplar Skylab B und ein Vergleich mit der Architektur der ISS.  Es ist mein umfangreichstes Buch zum Thema bemannte Raumfahrt. Im Mai 2016 erschien es nach Auslaufen des Erstvertrages neu, der Inhalt ist derselbe (es gab seitdem keine neuen Erkenntnisse über die Station), aber es ist durch gesunkene Druckkosten 5 Euro billiger.

Mehr über diese und andere Bücher von mir zum Thema Raumfahrt finden sie auf der Website Raumfahrtbücher.de. Dort werden sie auch über Neuerscheinungen informiert. Die Bücher kann man auch direkt beim Verlag bestellen. Der Versand ist kostenlos und wenn sie dies tun erhält der Autor auch noch eine etwas höhere Marge. Sie erhalten dort auch die jeweils aktuelle Version, Bei Amazon und Co tummeln sich auch die Vorauflagen.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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