Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure

Die obigen drei Substanzen haben drei Gemeinsamkeiten: sie kommen im Körper vor, aber auch in Hautcremes und mittlerweile auch in Nahrungsergänzungsmittel. Grund genug für einen Grundlagenartikel. Ich möchte mich mit dem Aufbau der Substanzen, ihrer Bedeutung für den Körper und warum sie sowohl in Hautcremes wie Nahrungsergänzungsmitteln verwendet werden befassen.

Kollagen

Kollagen ist das häufigste Protein im Körper. Es kommt in mehreren Formen vor allem im Bindegewebe vor. Kollagen ist kein seltenes Eiweiß, 20 bis 25 % des Körpereiweißes bestehen daraus. Es ist eines der häufigsten Eiweiße im Körper. Es findet sich in reicher Menge im Bindegewebe, also dem Gewebe, das zwischen Muskeln und Haut liegt, aber auch in anderen Teilen des Körpers wie im Fettgewebe und in den Knochen. Besonders hoch ist der Anteil in der Haut. Er beträgt bis zu 60 Prozent der Trockenmasse. Kollagen ist ein Sammelbegriff für ähnliche Strukturproteine. Der menschliche Körper hat mehrere leicht verschiedene Kollagene im Einsatz und das Kollagen von Tieren weicht wiederum in dem Aufbau davon ab. Chemisch besteht Kollagen aus einzelnen Fasern die wiederum aus drei Kollagenmolekülen bestehen die jeweils die Form einer Wendel (Helix) haben und ineinander verschlungen sind.

Elastin

Elastin ist wie Kollagen ein Strukturprotein. Anders als das Kollagen ist es jedoch elastischer als dieses, was auch den Namen erklärt. Man findet es überall, wo ein Gewebe elastisch sein muss wie Blutgefäße, der Lunge und der Haut vor. Elastinfasern werden durch ein Enzym quer vernetzt, was ihnen die Flexibilität gibt.

Anders als Kollagen enthält Elastin kein Hydroxilysin, sondern die Aminosäure Valin. Valin ist eine essenzielle Aminosäure, die relativ selten im Körper vorkommt, aber in Elastin in großer Menge – 15,6 Prozent des Proteins bestehen aus Valin.

Chemisch ist Elastin ein viel kürzeres Protein aus 760 Aminosäuren. Wäre es zu lang so wäre es nicht elastisch genug. Damit es trotzdem stabile Strukturen bildet, werden einzelne Elastin-Ketten miteinander vernetzt.

Hyaluronsäure

Hyaluronsäure ist kein Protein. Es ist vielmehr eine Substanz die aus Kohlenhydraten gebildet wird. Er Grundbaustein ist ein Molekül bestehend aus einem oxidierten Glucosemolekül (Glucuronsäure) und einem Glucosemolekül mit einer Aminogruppe. Diese Grundeinheit wiederholt sich wobei sehr lange Ketten gebildet werden. Der Körper stellt sie aus Glucose (Traubenzucker) her.

Hyaluronsäure findet man vor allem in der extrazellulären Matrix, das ist der Raum zwischen den Zellen. Vor allem im Bindegewebe findet man die extrazellulären Matrix, während das Gewebe von Organen oder Muskeln diese Zwischenräume nicht in diesem Maße aufweist.

Eine der wichtigsten Eigenschaften von Hyaluronsäure ist, dass sie sehr viel Wasser binden kann. Ein Gramm Hyaluronsäure bindet bis zu 6 Liter Wasser. Der Augapfel besteht z.B. aus 2 Prozent Hyaluronsäure und 98 Prozent Wasser.

Muss man Kollagen, Hyaluronsäure oder Elastin zuführen?

Zeit für einen Crashkurs in Sachen Proteine. Kollagen ist ein Protein und es wird von Körper wie andere Proteine hergestellt. Alle Proteine bestehen beim menschlichen Körper aus 20 Grundbausteinen, den Aminosäuren. Diese Aminosäuren können noch modifiziert werden, doch diese 20 sind die Basisbausteine. In Kollagen findet man zwei modifizierte Bausteine nämlich Hydroxiprolin und Hydroxilysin, die aus den Aminosäuren Prolin und Lysin hergestellt wurden. Diese 20 Bausteine sind zum Teil auch ineinander umwandelbar. Das ist sehr praktisch, weil die Zusammensetzung der Proteine in den Lebensmitteln unterschiedlich ist und so die Aminosäuren produziert werden können, die man gerade benötigt.

Doch acht Aminosäuren kann der Körper nicht selbst herstellen. Sie sind sozusagen die Basis, aus der der Körper alle anderen synthetisieren kann. Der Bedarf an Protein wird anhand dieser acht Aminosäuren beziffert, wobei sie allerdings in der Natur in unterschiedlicher Menge in verschiedenen Lebensmitteln vorkommen.

Am Nächsten dem durchschnittlichen menschlichen Bedarf ist das Hühnereieiweiß, pflanzliche Eiweiße, wie in Weizen, haben dagegen eine oft ungünstige Zusammensetzung. Um die Qualität zu beurteilen, hat man daher ein Maß eingeführt, die biologische Wertigkeit, die die Zusammensetzung relativ zum menschlichen Eiweiß angibt. Ei liegt dabei bei 92 %, Weizen bei 35 %. (Es gibt auch leicht andere Werte, weil es unterschiedliche Berechnungsformeln gibt).

Der Körper baut fortwährend Eiweiß ab und wieder auf. Allerdings ist das nicht zu 100 Prozent effizient, er verbrennt einen Teil des Proteins, sowie Eiweiß, das er durch die Nahrung aufnimmt und nicht für den Aufbau benötigt. Den dabei gebildeten Harnstoff scheidet er mit dem Urin aus. Er ist die Substanz, die als "Urea" ach in Hautcremes steckt (oder allerdings synthetisch gewonnener Harnstoff)

Auch das Kollagen der Haut wird dauernd erneuert und dafür benutzen die Zellen die Vorräte, die der Körper hat. Allerdings ist das Kollagen ein besonderes Protein, es ist nämlich sehr einfach aufgebaut. Kollagen ist ein Molekül in einer Tripelhelix. Das sind drei Helix (Moleküle in Form einer Wendel), die ineinander verschlungen sind. 22,5 % der Aminosäuren besteht aus der einfachsten (nicht essenziellen) Aminosäure Glycin, weitere 13 % bzw. 10,5 % aus der Aminosäure Prolin und ihrem Derivat Hydroxiprolin. Die Hälfte der Aminosäuren besteht daher nur aus drei Bausteinen. Kollagen enthält sehr wenige Aminosäuren, zwei essenzielle nämlich Cystin und Tryptophan fehlen. Auch der gesamte Anteil an essenziellen Aminosäuren ist geringer als im Körperdurchschnitt.

Diese Zusammensetzung hat schon dazu geführt, dass vor Jahrzehnten Gummiwarenhersteller nicht mehr mit der „wertvollen“ Gelatine werben dürften, weil man aufgrund der fehlenden essenziellen Aminsäuren aus Kollagen kein körpereigenes Eiweiß aufbauen kann – außer eben weiterem Kollagen. Auf der anderen Seite ist Kollagen daher nicht für den Körper essenziell, ein Glück für Vegetarier, denn es kommt nur in Tieren vor.

Schauen wir uns mal die Proteinverdauung an. Der Körper verdaut jedes Eiweiß. Das beginnt im Magen durch die Spaltung durch die Magensäure und die Enzyme Pepsin und Chymotrypsin und setzt sich im Dünndarm mit der Zugabe von weiteren Enzymen fort. Aufgenommen werden dann in der Darmwand meistens kurze Bruchstücke mit wenigen Aminosäuren. Die Spaltung setzt sich dann im Körper fort und alles landet in einem Aminosäurenpool. Die Vorgehensweise ist wie, wenn jemand ein Backsteinhaus beim Abbruch in einzelne Backsteine zerlegt und diese dann für den Neubau zur Seite legt. Leider ist unsere Baustoffindustrie noch nicht so weit wie unser Körper.

Aus den „Backsteinen“ Aminosäuren kann der Körper dann das bauen, was gerade ansteht. Mal eine Brücke, mal ein Kamin und mal eben auch ein neues Haus. Analog benutzt der Körper die Aminosäuren, die gerade im Pool sind für die Synthesen, die anstehen, gerade benötigt Enzyme zur Verdauung, Neubildung von roten Blutkörperchen, die nur einige Monate lang leben oder eben Regeneration von Hautzellen, die dauernd absterben und verhornen. Man kann also mit Zuführung von Kollagen (oder jedem anderen Protein) nicht gezielt neues Kollagen aufbauen, sondern es landet im allgemeinen Pool. Auch durch noch so viel zugeführtes Kollagen kann man nicht gezielt die Bildung neuen Kollagens veranlassen. Das ist ein Glück, denn sonst könnten Vegetarier die ja nur Pflanzenproteine aufnehmen, also Proteine wie sie im menschlichen Körper gar nicht vorkommen kein menschliches Protein aufbauen.

Nicht jedes Protein ist voll verdaulich. So hat man festgestellt, das Proteine von Sehnen, das ist der bindegewebshaltige Teil von Muskelfasern, schwer verdaulich ist und zu einem großen Teil im Dickdarm ankommt, wo er den Bakterien als Nahrung dient. Das Gleiche scheint auch für Gelatine zu gelten. Abbauprodukte von Gelatine, Kollagen-Hydrolysate, werden viel besser aufgenommen und scheinen anders als Kollagen aus Gelatine auch vom Körper nutzbar zu sein – zumindest gibt es Ergebnisse, die einen positiven Einfluss von Kollagen-Hydrolysaten bei entzündlichen Gelenkerkrankungen auf die Neubildung von Knorpeln zeigen. Dazu aber gleich eine Warnung: das Kollagenhydrolysate bei einer Krankheit helfen, heißt nicht das sie auch beim Gesunden dieselbe Wirkung haben oder den Kollagenaufbau an anderer Stelle (Bindegewebe oder Haut) anregen. Auch Vitaminmegadosen haben bei einigen Krankheiten wie der Bildung von roten Blutkörperchen oder Blutplättchen, wo sie als Coenzyme beteiligt sind, einen positiven Einfluss. Bei Gesunden fehlt dagegen jeder Nachweis einer Wirkung von Megadosen.

Ein Vorteil der Hydrolysate ist in jedem Falle, dass sie leichter verdaulich sind. Ausgangsbasis für die Hydrolysate ist Gelatine. Gelatine wird aus Schweineschwarten, Tierknochen und Häuten gewonnen. Der Prozess ist nicht gerade appetitlich und dabei wird das Eiweiß komplett denaturiert. Das Denaturieren kann ein Protein verdaulicher machen, aber es kann auch das Gegenteil bewirken und das ist beim Kollagen der Fall. Gelatine ist denaturiertes Kollagen. Kollagenhydrolysat erhält man, wenn man es in Wasser auflöst und durch ein Enzym in kleine Bruchstücke aufspaltet. Als Nebeneffekt ist es nun auch wasserlöslich und bindet weitaus weniger als Gelatine Wasser.

Das gesagte gilt natürlich auch für Elastin. Für dieses benötigt man aber eine essenzielle Aminosäure in großen Mengen und es ist nicht so einfach aufgebaut wie Kollagen.

Bei Hyaluronsäure ist die Sachlage sogar noch einfacher. Als Kohlenhydratderivat ist es anders als ein Protein überhaupt nicht essenziell. Der Körper kann alle Kohlenhydrate, die er für den Aufbau benötigt, selbst bilden. Lediglich das Gehirn ist auf Kohlenhydrate als Nahrungsquelle angewiesen. Führt man diese nicht zu, so gewinnt der Körper eine Ersatzsubstanz aus Fett. Das kommt außer bei einigen Außenseiterdiäten wie der Atkinsdiät jedoch in der Praxis nicht vor. Bei der normalen Ernährung machen Kohlenhydrate den Großteil der Nahrung aus, denn alle pflanzlichen Nahrungsmittel enthalten Kohlenhydrate. Der Körper hat also keinen Mangel an Bausteinen, aus denen er Hyaluronsäure herstellen kann.

Damit ist klar, das es zumindest keinen Sinn macht solche Substanzen als Nahrungsergänzungsmittel zuzuführen.

Verwendung in Hautpflegemitteln

Seit einigen Jahrzehnten werden die obigen drei Substanzen in Haarpflegemitteln, vor allem Hautcremes, meist „Anti-Aging“ Cremes verwendet. Die Haut altert wie jedes andere Organ des Körpers, nur sieht man es ihr an. Es gibt verschiedene Faktoren, so weiß man das die Sonne, selbst wenn man keinen Sonnenbrand bekommt, mit den UV-Strahlen bis tief in die Haut eindringen und die Fibroblasten, die Zellen, die laufend neue Hautzellen erzeugen, schädigen. Selbst wenn kein Hautkrebs entsteht, wird die Haut im Alter pigmentiert, es treten Falten auf.

Die Verwendung aller drei Substanzen in Cremes beruht auf zwei Postulaten. Das eine Postulat beruht auf der Beobachtung das die oberen Hautzellen, die abgestorben sind durch Wasser aufquellen und wieder glatter werden, wie jeder nach einem Bad selbst beobachten kann. Der Grundgedanke ist also dieses Quellen als Zustand zu erhalten. Dafür gibt es mehrere Wege, so kann man den pH-Wert de Haut verändern, damit die Kollagenfasern in den Zellen eher quellen. Deswegen werden organische Säuren Cremes zugesetzt. Zudem erhält das den sauren pH-Wert der Haut, ein natürlicher Schutzmechanismus. Man kann aber auch Substanzen zuführen die selbst Wasser binden und das tun nun mal Kollagen und Hyaluronsäure in großem Maße. Sie legen sich zwischen die Zellen und glätten so die Haut. Der Effekt hält über Stunden an, und wenn man sich mehrmals am Tag eincremt, sieht die Haut wirklich glatter aus und die Faltentiefe nimmt ab. Dafür werden Spaltprodukte der Substanzen verwendet, weil diese um so tiefer eindringen (teilweise auch in die abgestorbenen Zellen) je kleiner die Molekularmasse ist. Verwendet werden also Kollagenhydrolysate und niederkettige Hyaluronsäuren, da diese tiefer eindringen.

Elastin gehört nicht zu den stark wasserbindenden Substanzen. Es wird wegen eines zweiten Postulates verwendet. Dieses geht davon aus, wenn man die Substanzen die in der Haut natürlich vorhanden sind, künstlich zuführt, man denselben Effekt wie bei den Natursubstanzen erreicht. Elastin soll also Elastizität wieder zurückbringen. Kollagen Straffheit und Festigkeit, Hyaluronsäure die ausgetrockneten Zellen mit Wasser wieder „auffüllen“. Da in allen Fällen Abbauprodukte von denaturierten Eiweißen verwendet werden und die Zellen bereits tot sind, kann man nicht erwarten, dass die Substanzen eine Wirkung auf die Zellen haben. Die Konsumenten wissen das nicht und für viele wissenschaftlich nicht so versierte klingt es logisch das man durch externe Zufuhr von den Substanzen, die in den Zellen vorhanden sind, man die Hautzellen reparieren kann. Was man aber macht ist wie, wenn nach einem Sturm das Haus beschädigt ist und dann jemand von einem Laster eine Mischung aus Balken, Bausteinen und Dachziegeln in das Loch kippt – dadurch wird das Haus auch nicht wieder ganz. Dazu muss es Handwerker geben oder um das Beispiel auf den Körper zu beziehen: die Substanzen müssen von Enzymen in die Zellsubstanz eingebaut werden. Das geht bei toten Hauzellen aber nicht, da sind alle Enzyme inaktiv.

Die Wirkung von Substanzen in Cremes beruht wirklich auf dem ersten Postulat: die Substanzen dringen in Zellzwischenräume und zum Teil in die Zellen ein, binden Wasser (z.B. aus der Luft) und „polstern“ so die tote Haut auf.

Verschiedene Tests von Stiftung Warentest, Ökotest und anderen Instituten zeigen zweierlei. Das Aufpolstern hilft – Wunder kann man keine erwarten, doch die Haut wird glatter und kleine Fältchen gemildert. Eine ähnliche, wenn auch etwas schwächere Wirkung haben jedoch auch normale Hautcremes. Weiterhin sind Cremes von teuren Marken wie L‘Oreal nicht viel besser als die Eigenmarken von Discountern.

Verwendung in Nahrungsergänzungsmitteln

Anders sieht es bei Nahrungsergänzungsmitteln aus. Die Substanzen gelangen nicht direkt zur Haut sie durchlaufen den Verdauungstrakt, wie beschrieben und werden zu einem großen Teil aufgenommen, vor allem aber als kleinste Bruchstücke, einzelne Monomere, also Bausteine der Eiweiße oder der Hyaluronsäure. Sie durchlaufen den Blutkreislauf und gelangen so überall in den Körper, unter anderem auch zu den lebenden Hautschichten. Nach den bisherigen Forschungsergebnissen kann man nicht davon ausgehen, dass man die Hauzellen durch Zufuhr (egal welcher Substanz) gezielt dazu bringen kann, sich aktiv zu teilen oder neues Kollagen oder Elastin zu bilden. Ein Vergleich: Kraftsportler führen, um den Muskelaufbau anzuregen und den Abbau der Muskeln durch die Anstrengung zu kompensieren, mehr Eiweiß zu, als normal nötig. Dies wirkt auch, aber nur weil die Muskeln dauernd gefordert werden. Die Haut kann aber nicht durch Übungen zur Bildung neuer Zellen angeregt werden. Ebensowenig, wie die Zufuhr von Protein bei Menschen ohne Kraftsport den Muskelaufbau anregt. Auch muss, das beweisen die bei Sportlern verwendeten Präparate, die Zufuhr nicht dieselbe Zusammensetzung haben, wie das was „aufgebaut“ werden soll – die Sportler nehmen so viel Eiweiß auf, dass sie dies durch Muskelfleisch gar nicht zuführen können. Es wird durch Eiweißpräparate wie Drinks oder Eiweißriegel zugeführt in denen pflanzliches Sojaeiweiß steckt – Sojapflanzen haben aber keine Muskeln. Zum Glück ist dem so, denn sonst würden Vegetarier, die ja kein Kollagen zu sich nehmen, es steckt nur in tierischem Gewebe, sehr bald wohl ihre Ganze Haut verlieren oder zumindest müsste diese stark geschädigt sein – das dem aber nicht so ist, ist Fakt.

Es gibt nur eine Beobachtung, wo die Zufuhr von Kollagenhydrolysat tatsächlich einen Effekt hat. Das ist, wie schon erwähnt, wenn jemand eine entzündliche Gelenkerkrankung hat, bei der die Gelenksubstanz die aus Knorpel besteht mit dem Hauptanteil Kollagen abgebaut wird. Bei solchen Erkrankungen scheint das Vorhandensein der Bausteine den Abbau zu verlangsamen. Aber neues Knorpelgewebe wird auch dann nicht aufgebaut.

„Wissenschaftlich bewiesen“

Bei Nahrungsergänzungsmitteln ist die Sache insofern besonders, als das die EU die Werbung (und dazu gehören auch alle Angaben auf der Verpackung) reguliert hat. Da in den letzten Jahrzehnten auf Nahrungsergänzungsmittel aber auch Lebensmitteln die Zahl der proklamierten Wirkungen enorm zunahm. Die Hersteller machen eine Studie, und wenn das Ergebnis nur ein bisschen positiver als bei einer Placebogruppe ist, dann erklären sie die Wirkung als gesichert. Dem hat die EU seit 2006 einen Riegel vorgeschoben und erst mal ist jede gesundheitsbezogene Werbung verboten. Will ein Hersteller trotzdem werben, so muss er Studien der EFSA, der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, vorlegen. Diese prüft diese. Das folgende Diagramm gibt die Resultate einer solchen Studie nicht als Tabelle wie veröffentlicht, sondern als Wahrscheinlichkeitsdiagramm wieder. Das ist die Gaussche Normalverteilung bezogen auf den Mittelwert und die Standardabweichung. Man kann daran erkennen wie viele Prozent der Gruppe, in welchem Bereich liegen, dazu nimmt man die Fläche vom Mittelwert bis zum untersuchten Punkt. Je aussagekräftiger die Studie, desto schmaler die Glockenkurve. Diese hier sind sehr breit, was schon darauf hindeutet, dass die Ergebnisse stark von Proband zu Proband schwanken. Bei einer Messung von Cellulitis ist das allerdings systembedingt.

Während in der Tabelle die Kontrollgruppe etwas besser aussah als die Placebogruppe zeigt die Grafik, das man praktisch dieselbe Kurve hat mit dem gleichen Manko einer enormen Schwankungsbreite, sodass man zwar einen Unterschied zwischen Ausgangslage und 6 Monaten sieht, aber kaum einen zwischen Placebo- und Kontrollgruppe. Sprich: anstatt das Präparat (das für 28 Tage jeweils 89 Euro kostet) zu nehmen, hätte es auch ein Placebo getan.

Leider kann man das als Verbraucher kaum überprüfen. Die Studien bleiben unter Verschluss oder es fehlen die Erkenntnisse. Es gibt aber eine Hilfe: Da die gesundheitsbezogene Werbung von der EFSA legitimiert werden muss können nur solche „Claims“ genutzt werden die genehmigt werden.

Das umgehen die Hersteller aber sehr elegant. Sie nutzen das deutsche System der Lebensmittelüberwachung aus. Dort wird eine Probe gezogen und untersucht und bewertet, auch auf die Korrektheit der angaben. Das bezieht sich aber auf die Verkaufsverpackung. Die Untersuchungsbehörden werten weder Werbung in Medien noch Internetauftritte aus. Wenn sie also nicht sicher sind, ob die Werbung in einem Medium oder einer Zeitschrift richtig ist, dann schauen sie auf der Website nach, ob dort auch der Beipackzettel herunterladbar ist. Steht in dem Beipackzettel nichts von den vollmundigen Versprechen drin bzw. nur allgemeine erlaubte Behauptungen, dann können sie davon ausgehen, dass die Versprechen erlogen sind. Das ist teilweise sehr dreist. So wird Kollagen nicht nur als gut für Gelenke, Knochen und Haut (in diesen Geweben kommt es ja auch vor) sondern auch zum Muskelaufbau empfohlen. Da Kollagen zwei Aminosäuren fehlen, die im Muskel vorkommen, kann man aber aus Kollagen keine Muskeln aufbauen, selbst wenn man es kilogrammweise verzehrt.

Bei Hautpflegemitteln kann man übrigens "wissenschaftlich bewiesen" wörtlich nehmen. Das heißt das man dann bei stark vergrößernden Fotografien oder unter dem Mikroskop oder der Messung der Faltentiefe auf den Mikrometer genau einen Effekt sieht. Ob man ihn mit dem bloßen Auge sieht, ist eine andere Frage ....

Vorsicht vor Schönheitsaussagen

Was erlaubt ist, auch bei Nahrungsergänzungsmitteln sind sogenannte Beauty-Claims. Das sind Versprechen einer oberflächlichen Wirkung, ohne das die Gesundheit oder Funktion der Haut betroffen ist, wie ein „glatteres Hautbild“ oder „mehr Hautfeuchtigkeit“. Ich persönlich halte diese Regelung, die wohl Nahrungsergänzungsmittel mit Kosmetika gleichstellen soll, bei der solche Versprechen schon immer zulässig waren, für sehr problematisch. Denn Kosmetika werden nur auf die Haut aufgetragen, wirken also nur auf den äußeren Hautschichten. Das sie die Funktion der lebenden Zellen nicht beeinflussen können dürfte also klar sein. Auf der anderen Seite können Nahrungsergänzungsmittel nur in die lebenden Zellen gelangen, nicht von innen nach Außen in die abgestorbenen Zellen und diese dann „verändern“. Wenn ich also eine Veränderung des äußeren Hautbildes (analog: Haare, Nägel) zulasse, dann ist das eine Folge der Veränderung der lebenden Zellen, die nach einiger Zeit absterben und die äußere Schicht bilden. Das weis jeder und damit impliziert der Verbraucher natürlich eine Wirkung auf die aktiven Hautschichten auch bei solchen „Beauty Claims“. Zu der Problematik gibt es einen eigenen Aufsatz von mir. Die Industrie nutzt diese inzwischen sehr professionell aus. Wie dies geschieht, das verrät dieser Aufsatz einer Consulting-Firma für medizinische Produkte.

Nutze den Placebo-Effekt

Meiner Ansicht nach beruht die Wirkung der meisten Präparate auf dem Placebo-Effekt. Demnach wirkt etwas obwohl es keinen medizinisch wirksamen Stoff enthält. Über die Ursachen gibt es einen eigenen Aufsatz von mir. Der Placebo-Effekt beruht auf der engen Verbindung von Psyche und Körper. Wenn wir annehmen etwas wirke oder besondere Zuwendung erhalten, wie dies zwangsläufig bei einer Studie der Fall ist, dann stellt sich auch eine Wirkung ein. Schauen sie sich nochmals die obigen Kurven an – es gibt deutliche Unterschiede zwischen Ausgangslage und 6 Monatslage, aber die Unterschiede zwischen Placebo und Präparat sind klein, die Kurven liegen in beiden Fällen fast übereinander. Bei der Haut die ja auch auf Stress reagiert verwundert das nicht. Alleine die Vorstellung etwas Gutes für die Haut zu tun, reduziert den Stress und damit einen Einflussfaktor für die Hautalterung. So gesehen hat das Schlucken eines Placebos sogar einen nachweislichen medizinischen Effekt, der aber wirkstoffunabhängig ist. (Mit Wellness könnte man wohl dasselbe erreichen, ohne ein Präparat aufzunehmen).

Wenn die Präparate aber durch den Placebo-Effekt wirken so können sie auch jedes andere Präparat nehmen. Also wenn sie mal einen Versuch starten wollen. Suchen sie sich etwas aus. Was, das hängt davon ab willensstark sind. Wenn sie das nicht sind. Dann kaufen sie anstatt der Originalpräparate die Reinsubstanzen, die es im Internet gibt. Sie müssten dann ja genauso wirken und si müssen nicht nur daran glauben. Die Preisaufschläge bei Nahrungsergänzungsmittel sind happig: Der Faktor 20 bis 130 (bei Vitasprint) ist üblich. Sprich sie zahlen 20 bis 130-mal mehr, als die Substanz selbst kostet.

Kollagen finden sie in diesen Präparaten. Ein Kilogramm kostet zwischen 25 und 40 Euro. Eine Tagesaufnahme von 2,5 bis 10 g wird empfahlen. Selbst im ungünstigsten Fall kommen sie also mit einer Packung 100 Tage aus und die Dosis kostet maximal 40 ct/Tag. Nimmt man die geringe Dosis in Nahrungsergänzungsmitteln, so sind es sogar nur 10 ct/Tag anstatt 3 Euro/Tag.

Mit Elastin, die man noch vor allem in Cremes findet sieht es schlechter bei den Nahrungsergänzungsmitteln aus. Alleine gibt es Elastin nicht zu kaufen. Doch dieses Kombipräparat enthält Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure für einen akzeptablen Preis.

Hyaluronsäure gibt es dagegen ebenfalls preiswert als Präparat, allerdings vergleichsweise niedrig dosiert (typisch 0,4 g/Kapsel), wegen des starken Wasserbindungsvermögens. Trotzdem kommt man bei 90 bis 120 Kapseln auch nur auf einen Preis von 16 bis 25 Euro, also ebenfalls maximal 30 ct/Tag.

Verglichen dazu muss man bei den beworbenen Nahrungsergänzungsmitteln für eine Monatspackung problemlos 50 bis 100 Euro zahlen. Also 2 bis 3 Euro/Tag.

Wenn sie meinen, willensstark zu sein, können sie es aber auch mit Schokolade oder Gummibärchen probieren. Es muss ja beim Placeboeffekt kein Wirkstoff vorhanden sein. Das Wichtigste ist dabei, dass sie dran glauben, dass es hilft. Stellen sie sich vor, wie das Präparat oder die Schokolade durch ihren Körper zu den Hautzellen wandert. Sie stärkt und aktiviert, sie vor Schäden schützt. Je intensiver die Vorstellung, desto größer wird die Wirkung sein.

Bücher vom Autor

Zum Thema Ernährung, Lebensmittel und Lebensmittelchemie/recht sind bisher vier Bücher von mir erschienen:

Das Buch „Was ist drin?“ wendet sich an diejenigen, die unabhängige Informationen über Zusatzstoffe und Lebensmittelkennzeichnung suchen. Das Buch zerfällt in vier Teilen. Es beginnt mit einer kompakten Einführung in die Grundlagen der Ernährung. Der zweite Teil hat zum Inhalt eine kurze Einführung in die Lebensmittelkennzeichnung - wie liest man ein Zutatenverzeichnis. Welche Informationen enthält es? Ergänzt wird dies durch einige weitere Regelungen für weitergehende Angaben (EU Auslobung von geografischen Angaben, Bio/Ökosiegel etc.).

Der größte der vier Teile entfällt auf eine Beschreibung der technologischen Wirkung, des Einsatzzweckes und der Vorteile - wie auch bekannter Risiken - von Zusatzstoffen. Der letzte Teil zeigt beispielhaft an 13 Lebensmitteln, wie man ein Zutatenverzeichnis sowie andere Angaben liest, was man schon vor dem Kauf für Informationen aus diesem ableiten kann, die einem helfen, Fehlkäufe zu vermeiden und welche Tricks Hersteller einsetzen, um Zusatzstoffe zu verschleiern oder ein Produkt besser aussehen zu lassen, als es ist. 2012 erschien eine Neuauflage, erweitert um 40 Seiten. Sie trägt zum einen den geänderten Gesetzen Rechnung (neue Zusatzstoffe wurden aufgenommen, Regelungen über Lightprodukte beschrieben) und zum anderen ein Stichwortregister enthält, das sich viele Leser zum schnelleren Nachschlagen gewünscht haben.

Wie sich zeigte, haben die meisten Leser das Buch wegen des zentralen Teils, der die Zusatzstoffe beinhaltet, gekauft. Ich bekam auch die Rückmeldung, dass hier eine Referenztabelle sehr nützlich wäre. Ich habe daher 2012 diesen Teil und den Bereich über Lebensmittelrecht nochmals durchgesehen, um die neu zugelassenen Zusatzstoffe ergänzt und auch um neue Regelungen, wie bei der Werbung mit nährwertbezogenen Angaben. Ergänzt um eine Referenztabelle gibt es nun die zwei mittleren Teile als eigenes Buch unter dem Titel "Zusatzstoffe und E-Nummern" zu kaufen.

Nachdem ich selbst über 30 kg abgenommen habe, aber auch feststellen musste wie wenig viele Leute von Ernährung oder der Nahrung wissen, habe ich mich daran gemacht einen Diätratgeber "der anderen Art" zu schreiben. Er enthält nicht ein Patentrezept (wenn auch viele nützliche Tipps), sondern verfolgt den Ansatz, dass jemand mit einer Diät erfolgreicher ist, der genauer über die Grundlagen der Ernährung, was beim Abnehmen passiert und wo Gefahren lauern, Bescheid weiß. Daher habe ich auch das Buch bewusst "Das ist kein Diätratgeber: ... aber eine Hilfe fürs Abnehmen" genannt. Es ist mehr ein Buch über die Grundlagen der Ernährung, wie eine gesunde Ernährung aussieht und wie man dieses Wissen konkret bei einer Diät umsetzt. Es ist daher auch Personen interessant die sich nur über gesunde Ernährung informieren wollen und nach Tipps suchen ihr Gewicht zu halten.

Das Buch "Was Sie schon immer über Lebensmittel und Ernährung wissen wollten" wendet sich an alle, die zum einen die eine oder andere Frage zu Lebensmitteln und Ernährung haben, wie auch die sich für die Thematik interessieren und auf der Suche nach weitergehenden Informationen sind. Während andere Autoren zwar auch populäre Fragen aufgreifen und diese oft in einigen Sätzen beantworten und zur nächsten Frage wechseln, habe ich mich auf 220 Fragen beschränkt, die ich mehr als Aufhänger für ein Thema sehe, so hat das Buch auch 392 Seiten Umfang. Jede Frage nimmt also 1-2 Seiten ein. Sie sind nach ähnlichen Fragestellungen/Lebensmitteln gruppiert und diese wieder in vier Sektionen: zwei Großen über Lebensmittel und Ernährung und zwei kleinen für Zusatzstoffe und Lebensmittelrecht/Werbung. Man kann das buch daher von vorne bis hinten durchlesen und so seinen Horizont erweitern, aber auch schnell mal nach einer Antwort suchen. Ich habe sehr viele positive Rückmeldungen bekommen, vor allem weil der Stil nicht reißerisch ist und ein Dogma verbreiten will, sondern aufklärend ist.

Sie erhalten alle meine Bücher über den Buchhandel (allerdings nur auf Bestellung), aber auch auf Buchshops wie Amazon, Libri, Buecher.de und ITunes. Sie können die Bücher aber auch direkt bei BOD bestellen.

Mehr über diese Bücher und weitere des Autors zum Themenkreis Raumfahrt, finden sie auf der Website Raumfahrtbucher.de.


Artikel erstellt am 11.3.2019

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© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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