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Sojus 11

PazajewHeute jährt sich zum 26.sten Mal der Tod der Kosmonauten Georgi Timofejewitsch Dobrowolski, Kommandant, Wiktor Iwanowitsch Pazajew, Bordingenieur und Wladislaw Nikolajewitsch Wolkow Testingenieur. Die Besatzung von Sojus 11 war ursprünglich die Ersatzmannschaft, da bei der ersten Mannschaft bei dem Kosmonauten Kubassow bei einer letzten medizinischen Kontrolle 3 Tage vor dem Start ein Fleck im Röntgenbild auf der Lunge zu sehen war und man den Verdacht einer sich bildenden Tuberkulose hatte, tauschte man die gesamte Besatzung aus.

Mission war eine 25-30 Tage Mission an Bord der ersten Raumstation Saljut-1. Eine Kopplung von Sojus 10 scheiterte 2 Monate vorher, es gelang der Kapsel nicht die Kraft aufzubringen die notwendig war um ein Einrasten des Adapters zu erreichen. Man verstärkte das Kopplungssystem und die Kopplung gelang nach dem Start am 6.6.1971 auch problemlos. Die Besatzung bemerkte aber einen brenzlichen Geruch in der Station, so dass man die Luken nochmals schloss und die Luft austauschte. Den ersten tag blieb die Besatzung so in der Sojus Kapsel.

Danach nahm man die Station in Betrieb. Nach und nach auch die Experimente die vor allem der wissenschaftlichen Forschung dienten, anders als bei späteren Saljut Stationen, die auch militärische Aufgaben hatten (die Sowjetunion benannte alle Raumstationen Saljut, es gab aber Unterschiede in der experimentellen Ausrüstung zwischen rein zivilen und rein militärischen Stationen).

Am 16.6.1971 trat der Brandgeruch erneut auf und man schaltete die Experimente erneut ab. Nachdem man eines nach dem anderen wieder in Betrieb nahm trat kein erneuter Brandgeruch auf. die Besatzung hatte dadurch und durch Reparaturen eine erhöhte Arbeitsbelastung und vernachlässigte das Training.  Am 26.6.1971 hatte man die Experimente abgeschlossen und bereitete sich auf die Landung vor, nun holte man das körperliche Training nach (wobei sich die Geräte dafür als unzureichend herausstellten).

Am 29.6.1971 stand nun die Landung an. Alexej Leonow, Mitglied der Ersatzmannschaft schrieb in seiner Autobiographie, dass er die Besatzung warnte, sie möge die Lukenverbindungen zwischen Orbital und Landemodul kontrollieren. Die Kontrollleuchte würde nicht aufleuchten auch wenn diese nicht ganz dicht sind. Das Sojus Raumschiff besteht aus 3 Teilen: Einem kugelförmigen Orbitalmodul, dem Wohnraum. Einem kegelförmigen Landemodul, in diesem ist die Besatzung bei Start und Landung. Es enthält den Hitzeschutzschild und die Fallschirme und dem Versorgungsmodul mit Treibstoffen, Stromerzeugung, Triebwerken etc.

DobrowolskiNach der Abtrennung von der Saljuts zündet die Besatzung die Triebwerke und gelangt auf eine Rückkehrbahn, dann werden Versorgungsmodul und Orbitalmodul abgetrennt, letzteres etwa 12 Minuten nach dem Zünden der Raketen, 29 Minuten vor der Landung. Erst dann ist die Luke des Landemoduls bzw. ihre Druckausgleichventile erstmals dem Vakuum ausgesetzt. Die Sprengladungen zur Abtrennung des Orbitalsmoduls zündeten dabei nicht nacheinander sondern gleichzeitig. Als Folge davon wurde ein Siegel eines Ventils beschädigt, das sich erst in einigen Kilometern Höhe durch eine weitere Sprengladung öffnen sollte und frische Außenluft in die Kapsel hereinlassen sollte. im Vakuum des Alls verlor die Kapsel innerhalb von 2-3 Minuten die Atmosphäre. Dobrowolski war nicht in seinem Sitz angeschnallt, eventuell versuchte er das Leck zu finden, was natürlich nahezu aussichtslos war, zumal er wahrscheinlich zuerst die Luke untersuchte die keine Fehlfunktion hatte. Ohne Atemluft erstickten die Kosmonauten innerhalb von 100 Sekunden nach dem Abtrennen. Als die Kapsel landete konnte man nur noch ihren Tod feststellen.

Erst Telemetrieaufzeichnungen zeigten die Ursache, die unplanmäßige Zündung brachte die Kapsel in Rotation und diese wurde vom Kontrollsystem erkannt und kontrolliert. Kapsel und Luke waren dicht. Später wies der Konstrukteur Mischin drauf hin, dass man das Abdichten des Ventils geübt hatte - doch das galt für Notwasserungen wo man mehrere Minuten dafür zeit hatte. ob dies unter Zeitdruck und ohne eindringende Flüssigkeit möglich gewesen wäre kann bezweifelt werden.

Die Besatzung startete und landete ohne Raumanzug, das war die eigentliche Tragödie. Man hielt die Kapseln für so sicher, dass man dies nicht für nötig erachtete. Bei Wostok war dies noch die Regel, doch bei Woschod und Sojus wollte man in einer nur etwas größeren Kapsel 3 Kosmonauten unterbringen und dies ging nur wenn diese bei Start und Landung keinen sperrigen Raumanzug trugen.

Die Kosmonauten wurden nach einer Autopsie nach Moskau geflogen, dort eingeäschert und am nächsten Tag nahe der Kremelmauer bei einem Staatsbegräbnis beigesetzt. Sie sollten einen neuen Langzeitrekord aufstellen und die erste Besatzung sein, die eine Raumstation in Betrieb nahm, doch ihr Flug endete mit einer Tragödie.

WolkowAls Folge wurde ein Lebenserhaltungssystem in die Landekapsel eingebaut und die Astronauten starteten nun zu zweit in Raumanzügen angeschlossen an dieses System. Das kostete den Platz für den dritten Kosmonauten. Erst nach 2 jähriger Pause startete im September 1973 Sojus 12. Bis zur Einführung des Sojus T Raumschiffs im Juni 1980 flogen die Besatzungen nur noch zu zweit.

Sojus 11 war die letzte Tragödie im sowjetischen Weltraumprogramm nach dem Verlust von Sojus 1 im Jahre 1967. Seitdem erwies sich das Sojus Raumschiff, von dem inzwischen es mit dem Sojus -TMA die dritte Nachfolgegeneration vor dem Start steht als sehr zuverlässig. Es rettete der Besatzung in einigen Notsituationen das Leben: Seitdem gab es eine Explosion beim Start wo es von der Trägerrakete abgetrennt wurde und weich landete, einen Ausfall der dritten Stufe bei der die Besatzung weich in Sibirien landete und einmal zündete das primäre Rückkehrsystem nicht und die Besatzung musste einen Tag später von Hand dir Rückkehr einleiten. Seit Sojus 11 starteten 91 weitere Flüge, ohne weiteren Verlust an Menschenleben. eine Bilanz welche das Space Shuttle nicht aufzuweisen hat. So werden die Sojus Raumschiffe ab 2010 auch die einzige Möglichkeit sein Besatzungen zur Raumstation ISS zu bringen - Mit einer Kapsel die weitgehend noch auf der Technologie von vor 40 Jahren basiert.

Bücher vom Autor

Es gibt von mir vier Bücher zum Thema bemannte Raumfahrt. Alle Bücher beschäftigen vor allem mit der Technik, die Missionen kommen nicht zu kurz, stehen aber nicht wie bei anderen Büchern über bemannte Raumfahrt im Vordergrund.

Das erste bemannte Raumfahrtprogramm der USA, das Mercuryprogramm begann schon vor Gründung der NASA und jährt sich 2018 zum 60-sten Mal. Das war für mich der Anlass, ein umfangreiches (368 Seiten) langes Buch zu schreiben, das alle Aspekte dieses Programms abdeckt. Der Bogen ist daher breit gestreut. Es beginnt mit der Geschichte der bemannten Raumfahrt in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg. Es kommt dann eine ausführliche technische Beschreibung des Raumschiffs (vor 1962: Kapsel). Dem schließt sich ein analoges Kapitel über die Technik der eingesetzten Träger Redstone, Little Joe und Atlas an. Ein Blick auf Wostok und ein Vergleich Mercury bildet das dritte Kapitel. Der menschliche Faktor - die Astronautenauswahl, das Training aber auch das Schicksal nach den Mercurymissionen bildet das fünfte Kapitel. Das sechs befasst sich mit der Infrastruktur wie Mercurykontrollzentrum, Tracking-Netzwerk und Trainern. Das umfangreichste Kapitel, das fast ein Drittel des Buchs ausmacht sind natürlich die Missionsbeschreibungen. Abgeschlossen wird das Buch durch eine Nachbetrachtung und einen Vergleich mit dem laufenden CCDev Programm. Dazu kommt wie in jedem meiner Bücher ein Abkürzungsverzeichnis, Literaturverzeichnis und empfehlenswerte Literatur. Mit 368 Seiten, rund 50 Tabellen und 120 Abbildungen ist es das bisher umfangreichste Buch von mir über bemannte Raumfahrt.

Mein erstes Buch, Das Gemini Programm: Technik und Geschichte gibt es mittlerweile in der dritten, erweiterten Auflage. "erweitert" bezieht sich auf die erste Auflage die nur 68 Seiten stark war. Trotzdem ist mit 144 Seiten die dritte Auflage immer noch kompakt. Sie enthält trotzdem das wichtigste über das Programm, eine Kurzbeschreibung aller Missionen und einen Ausblick auf die Pläne mit Gemini Raumschiffen den Mond zu umrunden und für eine militärische Nutzung im Rahmen des "Blue Gemini" und MOL Programms. Es ist für alle zu empfehlen die sich kurz und kompakt über dieses heute weitgehend verdrängte Programm informieren wollen.

Mein zweites Buch, Das ATV und die Versorgung der ISS: Die Versorgungssysteme der Raumstation , das ebenfalls in einer aktualisierten und erweiterten Auflage erschienen ist, beschäftigt sich mit einem sehr speziellen Thema: Der Versorgung des Raumstation, besonders mit dem europäischen Beitrag dem ATV. Dieser Transporter ist nicht nur das größte jemals in Europa gebaute Raumschiff (und der leistungsfähigste Versorger der ISS), es ist auch ein technisch anspruchsvolles und das vielseitigste Transportfahrzeug. Darüber hinaus werden die anderen Versorgungsschiffe (Space Shuttle/MPLM, Sojus, Progress, HTV, Cygnus und Dragon besprochen. Die erfolgreiche Mission des ersten ATV Jules Verne wird nochmals lebendig und ein Ausblick auf die folgenden wird gegeben. Den Abschluss bildet ein Kapitel über Ausbaupläne und Möglichkeiten des Raumfrachters bis hin zu einem eigenständigen Zugang zum Weltraum. Die dritte und finale Auflage enthält nun die Details aller Flüge der fünf gestarteten ATV.

Das Buch Die ISS: Geschichte und Technik der Internationalen Raumstation ist eine kompakte Einführung in die ISS. Es wird sowohl die Geschichte der Raumstation wie auch die einzelnen Module besprochen. Wie der Titel verrät liegt das Hauptaugenmerk auf der Technik. Die Funktion jedes Moduls wird erläutert. Zahlreiche Tabellen nehmen die technischen Daten auf. Besonderes Augenmerk liegt auf den Problemen bei den Aufbau der ISS. Den ausufernden Kosten, den Folgen der Columbia Katastrophe und der Einstellungsbeschluss unter der Präsidentschaft von George W. Bush. Angerissen werden die vorhandenen und geplanten Transportsysteme und die Forschung an Bord der Station.

Durch die Beschränkung auf den Technischen und geschichtlichen Aspekt ist ein Buch entstanden, das kompakt und trotzdem kompetent über die ISS informiert und einen preiswerten Einstieg in die Materie. Zusammen mit dem Buch über das ATV gewinnt der Leser einen guten Überblick über die heutige Situation der ISS vor allem im Hinblick auf die noch offene Versorgungsproblematik.

Die zweite Auflage ist rund 80 Seiten dicker als die erste und enthält eine kurze Geschichte der Raumstationen, die wesentlichen Ereignisse von 2010 bis 2015, eine eingehendere Diskussion über die Forschung und Sinn und Zweck der Raumstation sowie ein ausführliches Kapitel über die Versorgungsraumschiffe zusätzlich.

Das bisher letzte Buch Skylab: Amerikas einzige Raumstation ist mein bisher umfangreichstes im Themenbereich bemannte Raumfahrt. Die Raumstation wurde als einziges vieler ambitioniertes Apollonachfolgeprojekte umgesetzt. Beschrieben wird im Detail ihre Projektgeschichte, den Aufbau der Module und die durchgeführten Experimente. Die Missionen und die Dramatik der Rettung werden nochmals lebendig, genauso wie die Bemühungen die Raumstation Ende der siebziger Jahre vor dem Verglühen zu bewahren und die Bestrebungen sie nicht über Land niedergehen zu lasen. Abgerundet wird das Buch mit den Plänen für das zweite Flugexemplar Skylab B und ein Vergleich mit der Architektur der ISS.  Es ist mein umfangreichstes Buch zum Thema bemannte Raumfahrt. Im Mai 2016 erschien es nach Auslaufen des Erstvertrages neu, der Inhalt ist derselbe (es gab seitdem keine neuen Erkenntnisse über die Station), aber es ist durch gesunkene Druckkosten 5 Euro billiger.

Mehr über diese und andere Bücher von mir zum Thema Raumfahrt finden sie auf der Website Raumfahrtbücher.de. Dort werden sie auch über Neuerscheinungen informiert. Die Bücher kann man auch direkt beim Verlag bestellen. Der Versand ist kostenlos und wenn sie dies tun erhält der Autor auch noch eine etwas höhere Marge. Sie erhalten dort auch die jeweils aktuelle Version, Bei Amazon und Co tummeln sich auch die Vorauflagen.


© des Textes: Bernd Leitenberger. Jede Veröffentlichung dieses Textes im Ganzen oder in Auszügen darf nur mit Zustimmung des Urhebers erfolgen.
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